Stadtleben

Radtour über den Berliner Mauerweg

Checkpoint_Bravo_200/1. S-Bahnhof Lichterfelde Süd
Über den Westfalenring, die Kantstraße kreuzend, geht es zur Paul-Gerhardt-Straße. Ein Gedenkstein dort erinnert an Roland Hoff, der beim Fluchtversuch über den Kanal am 29. August 1961 von DDR-Grenzsoldaten erschossen wurde. Von der Paul-Gerhardt-Straße fährt man rechts weiter bis zum Teltowkanal, den man, in linker Richtung, circa zwei Kilometer entlangradelt. Vögel zwitschern, Hunde werden Gassi ge­führt, in größeren Abständen tauchen Jogger auf. Kreuzt man die Zehlendorfer Straße, muss man über die Kne­se­beck­brücke von der linken zur rechten Teltowkanalseite wechseln. Beim Trainingsgelände des Ersten Zehlendorfer Gebrauchshundevereins geht die Stre­cke weiter. Tiere scheinen hier beliebt zu sein, nach kurzem Weg sieht man eine Pferdekoppel, anschließend Ziegen und Schafe des Freilandlabors Zehlendorf e.V. Zwischen Bäumen und Kleingartenanlagen geht der Weg ausgeschildert und eindeutig weiter.

2. Endstation Linie 115
Ab dem Zehlendorfer Damm beginnt die erste Suche: Wo ist der Berliner Mauerweg? Und: Geht es links oder rechts weiter? Anwohnende Fußgänger kennen diese Fragen von kartensuchfaulen Radlern schon und weisen den Weg nach rechts. Irgendwann fällt auch ein zart-grün-weißes Schild auf: „Berliner Mauerweg“. Weiter geht es durch eine kleinstädtisch wirkende Siedlung an der Neuruppiner Straße. Ob vor 20 Jahren oder jetzt: Hier war wohl immer schon jwd. Wie zur Bestätigung trifft man auf einen Bus der Linie 115, der an der Mündung Neuruppiner-/Berlepschstraße nicht nur anhält, sondern auch den Motor ausmacht – Endstation.

3. Dreilinden
Nur wenige Meter weiter, am Adam-Kuckhoff-Platz, der nächste Gedenkstein: „Den Opfern der Teilung Deutschlands 1949–1989“. Auch hier herrscht wieder Unsicherheit. Rechts weiter in die Benschallee? Links in die Karl-Marx-Straße? Oder über den Parkplatz geradeaus auf den Schotter-Sand-Weg? Ein schwer zu findendes Mauerwegschild zeigt, dass Letzteres richtig ist. Zur Belohnung für die Suche geht es nun etwa zweieinhalb Kilometer durch einen schönen Waldweg, der laut Karte geradewegs zur A115 und dann zum ehemaligen Kontrollpunkt Dreilinden führen soll. Auf dem Weg dorthin erwachen alte Tramper-Erinnerungen und die Frage, was man per Rad noch von der alten Grenzanlage erkunden kann?

4. Entlang der „Mauer“
Tatsächlich taucht die A115 irgendwann auf – zu sehen ist von ihr allerdings zunächst nichts. Stattdessen erhebt sich eine meterhohe Barriere, die echtes Mauerfeeling aufkommen lässt – obwohl es sich bei ihr nur um den Au­tobahnschallschutzzaun handelt. Das Mauerwegschild suggeriert, man könne linkerhand entlang dieses Schutzwalls radeln. Doch der Weg wird immer schmaler und endet auf dem Stahnsdorfer Damm. Also Karte raus und vorbei an dem verrotteten Check­point- Bravo-Häuschen weiter durch den Europarc Dreilinden, wo wieder eine Waldstrecke beginnt, die interessanterweise „Königsweg“ heißt. Hier fährt es sich wirklich königlich, jedenfalls, solange es nicht regnet. Ein paar von letzten Schauern übrig gebliebene Riesenmatschpfützen veranschaulichen, in was für eine unangenehme Querfeldeinstrecke dieser Weg sich verwan­deln könnte. Dass die Berliner-Mauerwegsschilder mal den „alten“, dann anscheinend den normalen Mauerweg bezeichnen, nimmt man irgendwann einfach hin.

Dreilinden5. Raststätte Dreilinden
Irgendwann erreicht man eine Kanalbrücke. Glücklicherweise gibt es hier wieder die Mauerwegschilder, die den Weg nach links in die Machnower Straße als richtig ausweisen. Die führt zum Kremnitzer Ufer wieder den Teltowkanal entlang. Dass der Wasserweg zur Linken liegt, macht erst nicht weiter stutzig. Zumal das Schild „Al­brechts-Teerofen“ auf die einst fast völlig ummauerte westliche Landzunge verweist. Jetzt ist die Gegend ein Campingort mit offenbar vielen Dauercampern. Zwischen Privatwegen, von denen „Betreten verboten“-Schilder blaffen, geht die Suche nach dem Mauerweg weiter vorbei an einer Holzbaracke. Eine unvollständige Aufschrift weist sie erst als einstiges Camper-Kasino aus, dann, eine Hausecke weiter, als Raststätte Dreilinden. Hier führte die frühere Autobahn entlang, erfährt man auf einem Schild. In welche Richtung es jetzt weitergeht, er­fährt man indes nicht. Nach ein paar 100 Metern Sandweg und dunklen Wolken am Himmel kommen Zweifel: Weiterfahren oder umkehren? Der leere Magen rät zur Umkehr – die Mitnahme eines Picknickkorbes wäre angesichts der gastronomischen Ödlandstrecke angeraten gewesen. Über Bäke-, Kreis- und Kohlhasenbrücker Straße geht’s zur Königstraße bis zum S-Bahnhof Wannsee. Erst zu Hause, nach gründlichem Kartenstudium, wird der Routen­fehler zwischen Königsweg und Bäkestraße klar: Den Königsweg bis zum Teltowkanal immer geradeaus zu fahren war falsch, man hätte irgendwann nach links abbiegen müssen. Und wäre wohl von der anderen Seite auf dem Sandweg gelandet. Na gut. Dann beim nächsten Mal, bei der nächsten Etappe.

Streckenlänge: 160 km | ca. 3 Tage а 5.5 Std.

Text: Eva Apraku
Fotos: Peter Böger, MSD 2005-07; J. Meier

www.berlin.de/mauer/mauerweg/index/index.de.php

Radwanderkarte Berlin Mauer-Radweg mit S- und U-Bahnnetz, Maßstab 1:60.000, 80 x 60 cm, Publicpress, Gesecke,
ISBN 978-3-89920-501-5
Michael Cramer „Berliner Mauer-Radweg“, Maßstab: 1:20.000, 5. komplett überarbeitete Auflage (2009), ISBN-13: 978-3850000741

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