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Rafael Horzon: „Wahnsinnsprojekte sind hilfreich“

Rafael_Horzon_1_c_AndreZulkowskiHerr Horzon, haben Sie heute schon darüber nachgedacht, mal wieder etwas ganz Neues anzufangen?
Darüber denke ich nicht nur nach, das tue ich auch tatsächlich. Mein größtes Talent ist ja, dass ich nicht nur Ideen habe, sondern diese auch immer sofort umsetze, und zwar alle.

Welche Ideen wären das momentan zum Beispiel?
Momentan wäre das Hypnose! Ich war vor zwei Wochen in einer Hypnose-Show, die mein Weltbild völlig auf den Kopf gestellt hat. Ich halte diesen Hypnotiker, Jan Becker, für das größte Genie aller Zeiten. Ich habe mir seine beiden Bücher gekauft und bin gerade dabei, sie durchzuarbeiten, um dann selber Hypnotiker zu werden.

Warum denn bitte das?
Ich weiß es noch nicht genau, aber ich spüre, dass ich damit eine Menge Geld verdienen werde. Ich bin ja Unternehmer. Mein Antrieb lautet daher: Ich möchte Geld verdienen.

Wir führen dieses Interview per Mail, weil Sie, wie Sie mir geschrieben haben, gerade „ständig auf Lesereise“ für die internationalen Ausgaben ihres autobiografischen Werks „Das weisse Buch“ sind. Wäre Schriftsteller eigentlich ein Traumberuf für Sie?
Mein Traumberuf wäre internationaler Sachbuch-Bestsellerautor, und lustigerweise bin ich es ja auch geworden. Ich war gerade in Italien und Holland und fahre nun nach Frankreich, um mein Buch vorzustellen. Auf der ganzen Welt liest man mein „Weisses Buch“.

Respekt! Wie ist Ihnen das gelungen?
Durch Selbst-Suggestion. Ich habe mir vorgenommen, einen Bestseller zu schreiben, und dann ist es auch so gekommen. Nach Jan Becker ein ganz normaler Vorgang.

Ihre unternehmerischen Aktivitäten erstrecken sich unter anderem auf die Geschäftsfelder Möbel, Paarbeziehungstrennungshilfe, Fassadeneinheitsgestaltung, Spülen, Popmusik und Literatur. Galerist und Hochschulgründer waren Sie auch schon. Wie muss man sich Ihren Entscheidungsprozess für oder gegen ein Tätigkeitsfeld vorstellen?
Ich habe ja vor Jahren ein Buch über Marketingstrategien geschrieben, „Der Dritte Weg“. Leider ist es vergriffen und wird auch nie wieder aufgelegt werden, weil es wirklich unlesbar ist. Aber darin beschreibe ich zum Beispiel, dass man, bevor man eine Geschäftsidee umsetzt, prüfen sollte, ob man bereits Mitbewerber auf diesem Gebiet hat.

Wirklich frappierend, dass da vorher noch niemand drauf gekommen ist.
Ich hatte also zum Beispiel festgestellt, dass es viele Partner-Agenturen gibt. Es machte also wenig Sinn, noch eine Partner-Agentur zu gründen. Aber es gab eben keine Partnertrennungs-Agentur, die bestehende Paare trennt. So kam es zur Gründung meiner Agentur Separitas.

Und die war dann ein voller Erfolg?
Nein, leider nicht. Aber immerhin wurde die Geschichte von Separitas verfilmt. Mit Matthias Schweighöfer als Rafael Horzon, ich glaube der Film hieß „Der Schlussmacher“. Insofern also doch ein Erfolg. Ich habe übrigens ganz vergessen, die Produktionsfirma zu verklagen, denn ich habe keinen Cent für meine Vorlage bekommen!

Können Sie denn mittlerweile den Erfolg einer neuen Idee sicherer planen?
Nein. Erfolg kann man nicht planen, das habe ich nach ungefähr zehn Geschäftsgründungen in den letzten zehn Jahren lernen müssen. Das geht aber nicht nur mir so, auch im Silicon Valley liegt zum Beispiel die Erfolgsquote von Neugründungen bei zehn Prozent. 90 Prozent scheitern. Aber der große Erfolg meines ersten Unternehmens „Moebel Horzon“ hat mich süchtig gemacht. Ich möchte diesen Erfolg wiederholen und muss deshalb ständig neue Firmen gründen.

Bleibt Ihnen bei so vielen Neustarts überhaupt noch Zeit für eine richtige Mid-Career-Crisis?
Ich habe das Wort „Krise“ aus meinem Wortschatz gestrichen. Seit­dem erlebe ich auch keine Krisen mehr. Übri­­gens ein ganz normaler Vorgang, nach Jan Becker.

Wenn man sich Ihr Popmusikprojekt unter dem Namen „Wolfgang Amadeus Horzon“ vom vergangenen Jahr ansieht, scheint auch Größenwahn mitunter hilfreich zu sein.
Es war hilfreich, um dieses Wahnsinnsprojekt umzusetzen: Eine LP, auf der der rasende Applaus 95 Prozent der Spieldauer ausmacht. Die fünf Prozent tatsächlicher Musik auf der Platte waren allerdings auch sehr gut. Wir haben trotzdem nur sieben oder acht Platten verkauft. Ich hatte hunderttausend Platten pressen lassen, die lagern jetzt irgendwo in Treptow. 

Wie ist es mit Fachwissen? Sie planen ja eine Flugschule mit Kremlflieger Mathias Rust.
Ich habe Mathias Rust im Januar in Zürich getroffen, wir haben dann sofort beschlossen, eine Flugschule zu gründen. Leider hat er lebenslanges Flugverbot, deshalb mache ich momentan meinen Flugschein, bei einer Flugschule in Strausberg. Im Frühjahr kann ich dann die ersten Flugschüler der Flugschule Horzon-Rust unterrichten.

Gibt es Geschäftsfelder, von denen Sie prinzipiell die Finger lassen würden?
Flughafen-Bau, Streitschlichtung bei Suhrkamp, was weiß ich? Die Rettung von Suhrkamp ist einer meiner größten Erfolge. Meine Idee, den Verlag in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, hat schon jetzt Literatur- und Unternehmensgeschichte geschrieben.

Interview: Erik Heier

Foto: Andre Zulkowski

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