• Stadtleben
  • Rainer Krüger über die Erweiterung des Mauerparks

Stadtleben

Rainer Krüger über die Erweiterung des Mauerparks

Rainer_Krueger_c_oliver_wolffHerr Krüger, jahrelang schien die Erweiterung des acht Hektar großen Mauerparks in Prenzlauer Berg um den westlichen Teil in Wedding unmöglich, weil der Senat selbst keine Fläche ankaufen mochte. Wie verblüfft waren Sie, dass er plötzlich doch gut zwei Millionen Euro für zwei Hektar gibt??
Ich war teilweise überrascht. Die Freunde des Mauerparks haben schon immer darauf gedrängt, dass das Land seine harte Haltung überdenkt. Überraschend war allerdings, dass kürzlich der Staatssekretär der Stadtentwicklungsverwaltung, Christian Gaebler, gesagt hat, man könne die zwei Millionen Euro, die eigentlich für Parkgestaltung vorgesehen waren, zum Kauf von Teilflächen verwenden.

Die Allianz Umweltstiftung hatte Anfang der 90er-Jahre die Parkentwicklung mit 2,3 Millionen Euro gefördert. Sie drohte nun, bis Ende 2012 dieses Geld zurückzufordern, sollte der Mauerpark bis dahin nicht mindestens auf zehn Hektar erweitert sein.
Das ist der eine Grund. Aber noch stärker ist der Druck durch den Eigentümer der Flächen, die CA Immo (der Immobilieninvestor mit Sitz in Wien hatte 2007 den Flächenbesitzer Vivico übernommen, Anm. d. Red.). Für die war klar: Wenn in der ersten Jahreshälfte nicht ein Kaufangebot kommt, am besten durch das Land, fahren sie die gewerblich mögliche Bebauung hoch. Da es sich um alte Gleisflächen handelt, käme nur Logistik infrage. Das hätte bedeutet: Container, Lkw-Verkehr, Lärm. Und dass der Stahlgitterzaun die Weddinger im Brunnenviertel weiter aus dem Park aussperrt.

Die Erweiterung soll die Bezirksverordnetenversammlung von Mitte am 19. April absegnen. Vom Tisch wäre damit der zuletzt an der Bernauer Straße geplante, heiß umstrittene Gewerbeneubau. Aber nördlich des Parks will eine Genossenschaft Wohnungen bauen. Können Sie damit leben?
Jetzt ist ja nicht mehr, wie anfangs, von einer massiven Bebauung die Rede. Es soll auch ein Grünstreifen erhalten bleiben, damit das Gesamtberliner Konzept des Grünen Bandes – der Verknüpfung von Grün- und Parkflächen durch verschiedene Bezirke hindurch – auch dort funktioniert. Dann bleibt Raum für eine moderate Bebauung von 300 bis 400 Wohnungen. Da sagen wir: Man muss auch mal zum Kompromiss fähig sein.

Andere Bürgerinitiativen sehen das anders. Etwa der Verein, der die Stiftung Welt-Bürger-Park gründen will. ?
Die Vision wäre wunderschön: ein Park ohne jegliche Bebauung. Wer will das nicht? Aber wir haben jetzt ein gewisses Zeitfenster, in dem wir einen wirklich großen Mauerpark kriegen können. Das, wovon wir noch vor Wochen nicht zu träumen gewagt hätten.

Was sagen eigentlich die Weddinger, dass der laute Mauerpark so nah an sie rückt?
Unsere Planung geht dahin, dass wir den jetzt lebendigen Eventpark-Charakter nicht einfach verdoppeln, sondern in Richtung Wedding ruhigere Nutzungen haben: ein Teehaus, Grillplätze, gemeinschaftliches Gärtnern. Wir wollen die Versöhnung von Event- und Anwohnerpark.

Interview: Erik Heier

Foto: Oliver Wolff

Mehr über Cookies erfahren