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Stadtleben

Raphael Fellmer ist glücklich ohne Geld

raphael_fellmer_benjamin_pritzkuleitSie leben von dem, was übrig bleibt. Sind Sie also mehr als jeder andere von der Wegwerfgesellschaft abhängig?
Im Moment leben wir von dem, was weggeschmissen wird, aber wir würden sehr gerne nicht mehr so leben können. Es ist unser Traum, dass wir eines Tages die Plattform Foodsharing.de nicht mehr brauchen, weil keine Lebensmittel mehr weggeschmissen werden. Solange es aber noch nicht so weit ist, verfolgen wir mit unserem Konsumstreik das Ziel, ein Bewusstsein für die Dimension der Verschwendung in unserer Gesellschaft zu schaffen.

Die E-Book-Ausgabe Ihres Buches „Glücklich ohne Geld!“ wird kostenfrei über Amazon vertrieben – also über eine riesige Konsummaschine. Ein Widerspruch?
Dieser Widerspruch ist da. Ich betrachte aber nicht meinen persönlichen ökologischen Fußabdruck als Maßstab für mein Handeln, sondern den Gesamteffekt, den ich erziele. Durch den Vertrieb über Amazon kann ich auch Menschen erreichen, die auf anderen Wegen nicht mit Themen wie Ressourcenverschwendung in Kontakt kommen würden. Ich hoffe, dass durch das Buch möglichst viele ein ökologischeres Bewusstsein entwickeln und ihre Gewohnheiten verändern.

Die Taschenbuchausgabe kostet 14,99 Euro. Was passiert mit den Erlösen?
Ich habe das Buch ehrenamtlich geschrieben und bekomme kein Geld dafür. Für den Verlag ist das Projekt auch nicht rentabel. Erst wenn es weitere Auflagen geben wird, von denen jeweils 30 Prozent an Privatpersonen, Schulen und Bibliotheken verschenkt werden, verdient der Verlag. Jeder Gewinn bleibt im Verlag, der ihn nur für nachhaltige Investitionen wie Ökostrom oder veganes Bio-Essen einsetzen wird.

Ist der Buchtitel „Glücklich ohne Geld!“ nicht zynisch angesichts der zunehmenden Schere zwischen Arm und Reich?
Meine Aussage ist nicht, dass man ohne Geld automatisch glücklich ist. Glücklich ohne Geld leben kann man nur, wenn diese Lebenseinstellung gewollt ist und aus einer inneren Motivation heraus gelebt wird. Diejenigen, die sich aus Mülltonnen bedienen müssen, ohne es zu wollen, sind die Leid­tragenden im Kapitalismus.

Interview: Susanne Grautmann

Foto: Benjamin Pritzkuleit

Raphael Fellmer: „Glücklich ohne Geld! – Wie ich ohne einen cent besser und ökologischer lebe“
Redline Verlag 2013, 220 S., 14,99 Ђ

Der Autor und seine Familie suchen übrigens ein neues, mietzahlungsfreies Zuhause in ­Berlin. Sie helfen gerne im Haus und Garten mit.
Kontakt:
facebook.com/raphaelfellmer

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