Stadtleben

Rave in der Wüste

Jordanien ist hierzulande sicherlich eher als erzkonservativer Muslimenstaat im Dreiländer Eck zwischen Saudi-Arabien, Israel und dem Irak bekannt. Frauen laufen verschleiert und mit Kopftuch durch die Gegend, die Männer gehen zum Lachen in den Keller.
Auch kann man sich als Europäer sicherlich schönere Urlaubsziele vorstellen als die scheinbar unendliche Wüste um die Hauptstadt Amman. Außer ein Beduinen, die auf ihren Kamelen vorbei geritten kommen: Tote Hose soweit das Auge reicht. Feiner roter Sand und bizarre Felsgebirge bieten zwar auf den ersten Blick eine atemberaubende Schönheit, die sich jedoch auch schnell in Wiederholungen und Eintönigkeit ergibt.
Doch seit nunmehr fünf Jahren heißt es im Süden des Landes mitten im Naturschutzgebiet Wadi Rum im wahrsten Sinne des Wortes: Die Wüste lebt. Nein, eigentlich nicht nur das; vielmehr heißt es: Die Wüste raved. Denn die Love Parade des Nahen Ostens heißt Distant Heat und zieht inzwischen feierwütige Neureiche aus der ganzen Welt in die Einöde.
Für rund 100 Euro Eintritt gibt es ein Wochenende lang Partymusik, wo vor Jahrtausenden noch ein gewisser Moses mit seinem Volke Israel unterwegs war. Es wird getanzt, gesoffen und gekokst, wie es jeder Party in New York oder London zur Ehre gereichen würde. Junge Frauen zeigen derart viel nackte Haut, dass Einem Angst und Bange werden kann, die Moralshüter des Islam tauchen jede Sekunde auf und bereiten dem Mulitkultifest ein jähes Ende: Denn Multikulti und International ist es auf alle Fälle. Die Musik eint sie alle. Aus dem fernen Australien sind sie genauso gekommen wie aus den USA, Frankreich oder auch Deutschland. Selbst aus dem benachbarten Israel haben sich ein paar Jugendliche über die Grenze gewagt.
Im Wadi Rum ist der Sound besonders gut. Die felsigen Berge ragen hier teilweise bis zu 2000 Meter in die Höhe und lassen das Echo der Musik von allen Seiten laut zurückprallen. Eine riesige Tanzfläche mitten in der Wüste – unter funkelnden Sternen und zuckenden Laserlichtern.
Bis ins späte Morgengrauen wird in seltener Eintracht gefeiert. Die harten Techno-Rhythmen lassen die jungen Körper zucken und es Tanz nennen. Am Sonntag Morgen um neun Uhr dreht der DJ die Musik langsam leiser. Viele der Nachtschwärmer sind längst in eines der umstehenden Zelte gekrochen um zu chillen. Ein paar Unverwegene tanzen noch und die ganz Harten sind längst auf dem Weg ins fünfzig Kilometer entfernte Akaba. Denn dort an der israelisch-jordanischen Grenze gibt es neben unendlich viel Sand eben auch das erfrischende Naß des persischen Golfs.

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