Stadtleben

Rolf Eden

Vielleicht ist 80 die magische Zahl, der Rubikon. Die Grenze zwischen einem Leben als öffentlich verfallender Playboy und einem würdevollem Abtritt. Eden hatte alle Tricks auf Lager, die einem selbst zu peinlich wären:  Wenn er am weiß lackierten Klavier zu Hause saß und den Damenbesuch bespielte, drückte er im richtigen Moment den Autoplayer am Yamaha-Piano, um sich zur Hausbar zu schleichen und heimlich Wodka in den Sekt zu schütten. Es geht dann alles schneller mit der Verführung.  

Eden hatte auch eine gute Idee für Tempelhof: Er sah dort Achterbahnen und Riesenräder, Space Shuttles und Wildwasserrutschen, er sah baumgroße Micky-Mäuse und Klaus Wowereit als Goofy verkleidet. Er war nach Amerika gereist und hatte dem Disney-Konzern Tempelhof als zweites Euro-Disney andienen wollen. Es wäre Berlins Rettung gewesen. Vielleicht hätte man im Eurodisney auch das neue Stadtschloss bauen und Herrn von Boddien als Kater Karlo hinter Gitter bringen können.
Aber nun: Vor wenigen Wochen ist Eden 80 geworden, und endlich ist es ruhiger um ihn. Man würde ihm so wünschen, nie mehr mit seinem bevorzugten Frauentyp auf der Titelseite der »B.Z.« erscheinen zu müssen: mit blondem Stupsnäschen und aufgespritzen Lippen.

Rolf Eden konnte einem in den vergangenen Jahren ziemlich leidtun, weil er den Absprung verpasst hatte. Stattdessen hopste er gut angeschickert auf Partys herum und grölte »Oh Baby Baby balla balla« ins Mikro. Das war ziemlich treffend ausgedrückt. Es ist auch schon wieder anderthalb Jahre her, dass Eden verkündet hatte, bald komme nicht nur seine Autobiografie heraus, sondern auch die Verfilmung seines Lebens. Das hätte man gern gelesen und gesehen, weil es nicht nur um die ganze Partyzeit gehen sollte, sondern auch um die ernsthafte Seite: Rolf Eden als Teil einer unter den Nazis vertriebenen Familie, die Flucht nach Haifa, die Teilnahme am israelischen Unabhängigkeitskrieg unter Jitzchak Rabin. Leider ist bislang nichts aus dem Projekt geworden.
Rolf Eden, wir wissen alles über Sie: Wir kennen Ihre Altersflecken, seit Sie in einem Magazin Ihre Haut ganz nah vor die Kamera gehalten haben, wir wissen, dass eine viertel Viagra bei Ihnen wochenlange Erektionen auslöst und Sie Ihr Geld für 4,5 Prozent auf dem Festgeldkonto angelegt haben. Genießen Sie nun das Alter – Sie haben es verdient.

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