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Schach in Berlin von damals bis heute: Eine kleine Kulturgeschichte:

Trendspiel Schach: Dank der Netflix-Serie „Das Damengambit“ bekommt der ewige Klassiker neue Aufmerksamkeit. Schach ist Brettspiel, Ausruf und Sportart zugleich – zunächst eine der ritterlichen Tugenden während des Mittelalters und angeblich letzter Trost des verbannten Napoleon Bonapartes auf der Insel St. Helena. Die komplexe Kulturgeschichte des Schachs reicht bis ins dritte bis sechste Jahrhundert nach Christus zurück.

Vermutlich aus Indien stammend, gelangen Praxis und Theorie des Schachspiels zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert ins sogenannte Abendland und schließlich nach Berlin. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen, basiert eine Schachpartie nicht auf dem Zufallsprinzip – kein Zufallsmoment durch Würfel oder Karten – strategische Züge entscheiden über den Ausgang einer Schachpartie. Über das Schachspiel und die weit zurückreichende Berliner Schachgeschichte.

Strategie und Grübelei während eines Schachspiels. Foto: imago images/Panthermedia

Schach – ein Spiel zwischen Politik und Gesellschaft

Schach ist nicht nur die zweisame Gymnastik des Geistes, sondern ebenfalls gesellschaftliche und politische Metapher. Denn das Jahrhunderte und Kulturen umspannende Schachspiel ist zunächst eine symbolische Projektionsfläche, die der Ausbildung militärischen und strategischen Denkens dient – das Schlachtfeld im Kleinen.

Das Schachbrett ist gleichermaßen eine Metapher für die Gesellschaft und deren hierarchischer Ordnung – der große König, der kleine Bauer. Zunächst ist das Schachspiel eine Beschäftigung der Adligen und zählt zu den wichtigen Kultur- und Bildungsgütern. Mit dem 15. Jahrhundert beginnt die Änderung und Justierung des Spielregelsystems und ebnet den Weg für heute geltende Regeln.

Mit der Aufklärung entwickelt sich das Schachspiel als Spiel des Verstandes und Verstehens zur Beschäftigung des Bürgertums. Sozialistische Arbeiterbewegungen deuten das Schachspiel hingegen als geistig-strategische Vorübung des Klassenkampfes um. Und Dr. B., Stefan Zweigs Protagonist der Schachnovelle, nutzt das Schachspiel als intellektuelle Widerstandskraft gegen die Gestapo und verliert sich zwischen Spiel und Wahnsinn.

Das Sch(l)ach(t)feld. Foto: imago images/Cavan Images

Von Berlin nach Weimar umsiedelnd, entwirft der Bildhauer Josef Hartwig 1924 das ikonische Bauhaus-Schachspiel: Alle figurativen Elemente werden zugunsten einer einfachen Formensprache aufgehoben – nicht die Imitation des Kampffeldes, sondern ein abstraktes, auf Funktionen beruhendes Designkonzept wird entwickelt.

Auf Netflix wird seit Oktober 2020 die Serie „Das Damengambit“ ausgestrahlt – einige der Drehorte befinden sich in Berlin. Im Titel weht die Doppeldeutigkeit: einerseits wortwörtlich auf das Damengambit, eine Eröffnung im Schachspiel, andererseits auf die Emanzipation einer jungen Frau in einer männerdominierten Schachwelt bezogen. Berlins Schachgeschichte ist jedoch sehr viel reicher, als hier skizziert.

Berliner Schachgeschichte – der Berliner Zeitstrahl

In Halskrausen gehüllte Schachspieler im 17. Jahrhundert. Foto: imago images/image broker

1. Die Ursprünge Berliner Schachgeschichte: Berlins Vereine & Schachclubs

Eine frühe Berliner Schachpartie. Maler: Johann Erdmann Hummel. Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin

Berlin ist eine Stadt mit langer Schachtradition – diese reicht zwar nicht Jahrtausende zurück, aber sehr wohl einige Jahrhunderte. Berlins erster Schachverein, der Berliner Schachclub/Schadows Schachclub wird 1803 gegründet. (Berliner Schachverliebte gab es aber bereits vor der Institutionalisierung des Schachspieles.) Er steht kennzeichnend für zahlreiche Etablissements einer neuen gesellschaftlichen Ordnung – Schach etabliert sich zum „Spiel der Vernunft“ gegen den Absolutismus. So entstehen viele Vereine, Salons und Clubs als Stätten des Austauschs, politischer Vorträge und des Schachspiels.

Einige Jahre später, 1827, folgt die Gründung der Berliner Schachgesellschaft (BSG), die bis heute (unter anderem Namen) existiert. Unter der Federführung sieben bedeutender Mitglieder und Schachmeister, den sogenannten Plejaden oder auch dem Siebengestirn, entwickelt sich der Schachverein zu einer führenden Institution für Deutschland beziehungsweise Preußen. Sie gründen die Berliner Schule, treffen sich in regelmäßigen Abständen zum Studium der Eröffnungstheorie und veröffentlichen in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts das berühmte Handbuch zum Schachspiel, den Bilguer, sowie die bis 1988 erscheinende Deutsche Schachzeitschrift.

2. Die ersten Turniere und Stadtmeisterschaften in Berlin

Auch internationale Schachweltmeister, wie der Kubaner José Raúl Capablanca, nehmen an den Berliner Stadtmeisterschaften teil. Foto: Wikipedia Commons/Deutsches Bundesarchiv

Die offiziellen Stadtmeisterschaften Berlins werden erst im 20. Jahrhundert eingeläutet. Die Berliner Schachgesellschaft organisiert jedoch bereits im 19. Jahrhundert die ersten inoffiziellen Stadtmeisterschaften in Form von Vereinsturnieren. 1853 findet das erste Turnier der Berliner Schachgesellschaft statt. Der jüdische Berliner und späterer deutscher Schachmeister, Jean Dufresne, gewinnt die Partie gegen den Schachspieler Max Lange.

Berlins erste offizielle Stadtmeisterschaft im Schach findet 1904 statt. Sieger und somit erster Berliner Meister ist der in Berlin lebende Schachtheoretiker Horatio Caro. Dieser gewann 1890 eine Partie gegen den späteren Schachweltmeister Emanuel Lasker in nur 14 Zügen. 1906 wird Horatio Caro im Zuge der Berliner Meisterschaften von Erich Cohn, eines als liebenswürdig geltendes Schachspielers, der viele internationale Turniere bestritt, geschlagen.

3. Schachweltmeisterschaften in Berlin: Emanuel Lasker, der Megastar

Der Schachweltmeister Emanuel Lasker. Foto: imago images/Design Pics

Die erste offizielle Schachweltmeisterschaft findet 1886 an drei Standorten der Vereinigten Staaten statt. Erster offizieller Schachweltmeister ist der österreichisch-amerikanische Schachmeister Wilhelm Steinitz. Die erste in Berlin ausgetragene Schachweltmeisterschaft findet 1910 statt. Sieger ist der bereits amtierende Schachweltmeister, Philosoph und Mathematiker Emanuel Lasker.

In Berlin lernt dieser bei seinem Bruder Bertold Lasker, späterer Ehemann Else Lasker-Schülers, das Schachspiel. Lasker ist der zweite offizielle Schachweltmeister nach Steiner und der einzige deutsche Träger dieses Titels – darüber hinaus trägt Lasker den Weltmeistertitel über eine Zeitspanne von 27 Jahren (1894-1921) und ist somit der Schachweltmeister, der diese Position am längsten behauptete.

1934 wird der 14. Zweikampf um den Titel des Weltmeisters im Schach ausgetragen – in 12 deutschen Städten, darunter Berlin. Der Titelverteidiger Alexander Aljechin gewinnt gegen den Herausforderer Efim Bogolijubow. Eröffnet wurde übrigens durch Bogolijubow mit einem Damengambit.

4. Berlin als Schachmetropole: Die Schachcafés des 19. & 20. Jahrhunderts

Das Café Kerkau, damals in Berlin, Friedrich Ecke Leipzigerstraße. Foto: imago images/Arkivi

Neben Großstädten wie London und Paris entwickelte sich Berlin zu einer weltweit anerkannten Schachmetropole. Neben Schachclubs und Schachvereinen waren Berliner Cafés und Kaffeehäuser angesehene Lokale für Schachpartien und Turniere, die bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert florierten. Besonders die Gegend des heutigen Bezirks Mitte, entlang der Friedrichstraße/Unter den Linden wies eine hohe Dichte an Cafés auf.

  • Das Café Kaiserhof des gleichnamigen Hotels am Wilhelmplatz, dem damaligen Regierungsviertel Berlins, wird für Schachpartien von bedeutenden Schachmeistern wie Emanuel Lasker, Siegbert Tarrasch und von Berliner Schachmeistern wie Curt von Bardeleben oder Wilhelm Cohn genutzt.
  • Das im Stile der Wiener Kaffeehäuser errichte Café Bauer am Boulevard Unter den Linden, wird von einem internationalen Publikum, zahlreichen Schachmeistern und informellen Schachgruppen frequentiert.
  • Das Café Kerkau ist ein weiteres bedeutendes Café Berliner Schachgeschichte. Dieses diente das Café Kerkau der Berliner Schachgesellschaft von 1902-1909 als Spiellokal. Im Zuge dessen fanden zahlreiche Turniere statt.
  • Auch der Kerkau-Palast wurde von vielen Berliner Schachclubs genutzt. Den florierenden Schach-Cafés wird durch die Machtergreifung und die damit zusammenhängenden politischen sowie sozialen Umwälzungen der Nationalsozialisten geschädigt.

Es kommt zu Schließungen und Vereinsverboten, viele Schachmeister und andere Akteure werden ausgeschlossen.

5. Zur Entstehung der Dachverbände

FIDE, der internationale Weltschachbund wurde 1924 gegründet. Foto: imago images/Panthermedia

Der Deutsche Schachbund (DSB), als Dachorganisation deutscher Schachspieler*innen, wurde bereits 1877 gegründet. Seit 1926 ist der DSB Mitglied im Weltschachbund FIDE. Der DSB beherbergt fast 100.000 Mitglieder in deutschlandweit 2.400 Vereinen. Dem deutschen Föderalismus zum Dank gehören 17 Landesverbände zum Deutschen Schachbund, außerdem der Deutsche Blinden- und Sehbehinderten-Schachbund (DBSB), die Schwalbe, ein Verein für Problemschach (entlang grüblerischer Aufgabenstellungen und Lösungsansätze) und der Deutsche Fernschachbund.

Der Berliner Schachverband (BSV) als Landesverband der Berliner Schachvereine wurde 1901 gegründet. Parallel zum Deutschen Schachbund formierte sich einige Jahre später der Deutsche Arbeiter-Schachbund. Der erste Arbeiterschachverein wurde 1903 in Brandenburg gegründet. Als Dachverband aller deutschen Arbeiterschachvereine bestand der Arbeiterschachbund (DAS) von 1912-1933 und zählte zeitweise 10.000 Mitglieder, von denen fast alle der Arbeiterpartei angehörten oder Gewerkschaftsmitglieder waren.

In Berlin wurde ab 1912 die Arbeiter-Schachzeitung herausgegeben. Im Zuge der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurden alle Arbeitersportvereine und -verbände des Deutschen Reiches, darunter der DAS, aufgelöst.

6. Schachbundesliga

Medaillen für die Sieger der Schachbundesliga. Foto: Wikipedia Commons/Stefan64

Der deutsche Föderalismus in puncto Schach wird noch etwas komplexer. Denn natürlich gibt es eine Schachbundesliga – ihrerseits aus dem Deutschen Schachbund geboren und in zwei Bundesligen eingeteilt. Der 1. Bundesliga gehören derzeit 16 Mannschaften an. Die 1. Frauenbundesliga besteht aus 12 Mannschaften. Die Schachbundesliga ist die höchste Spielklasse des deutschen Mannschaftsschachs – die Ligagründung war 1980 – die der Frauen 1991.

Bisher spielten insgesamt 93. Mannschaften in der 1. Bundesliga, darunter sechs Berliner Vereine beziehungsweise deren ausgewählte Mannschaften. Für viele Vereine der Bundesliga spielen sogenannte Großmeister – ein Titel, der seit 1950 durch den Weltschachbund an Turnierschachspieler vergeben wird und auf Lebenszeit gilt. Die Schachgroßmeisterliste fasst mehr als 1500 Schachgenies, von denen einige wenige aus Berlin kommen.

7. Schach im geteilten Berlin

1990 unterzeichnen Vertreter des BRD- und des DDR-Schachverbands die Wiedervereinigung des deutschen Schachs. Foto: Deutscher Schachbund/Schach Intern 3/1990/Erich Heilig

Infolge der Teilung Berlins werden zwischen 1953 und 1990 getrennte Stadtmeisterschaften in Ost- und Westberlin abgehalten – die BRD und die DDR richten Meisterschaften aus. Die erste der BRD findet in Berlin statt. Rudolf Teschner, ebenfalls Publizist, gewinnt 1953 den erstmalig vergebenen Titel des Westberliner Meisters. Ihm wurden ebenfalls die Titel des Internationalen Meisters und des Ehren-Großmeisters verliehen (so etwas wie ein Beinahe-Großmeister).

Werner Golz, der das Schachspiel angeblich aus Jean Dufresnes Lehrbuch des Schachspiels lernte, wurde 1958 der erste Inhaber des Titels Ost-Berliner Bezirksmeister. Golz war darüber hinaus Nationaltrainer des Deutschen Schachverbands der DDR für blinde und gehörlose Schachspieler. Seit der Wiedervereinigung 1990 werden wieder Meisterschaften für Gesamtberlin veranstaltet.

8. Blitzschach

Die Blitzschachuhr reguliert die Bedenkzeit einer Blitzschachpartie. Foto: imago images/Schüler

Die längste Schachpartie der Geschichte dauerte angeblich 16 Jahre lang – ein langwieriger postalischer Wettkampf zweier Brüder. Super, dass die Schachuhr entwickelt wurde, die der Begrenzung der Bedenkzeit dient. Denn nicht nur 16 Jahre andauernde Partien sind zermürbend. Während einer 1861 abgehaltenen Schachpartie zwischen einem der Schachgötter des 19. Jahrhunderts, Adolf Anderssen, und Ignaz von Kolisch, sei es bereits zur Verwendung von Sanduhren gekommen, um die Bedenkzeit der Kontrahenten zu verkürzen.

Die Uhren wurden im Laufe der Jahrhunderte durch Stoppuhren, mechanische Uhren und digitale Uhren ersetzt. Aus der Langwierigkeit der Bedenkzeit des Gegenübers ist das Blitzschach geboren: Jedem Spieler stehen für die Schachpartie insgesamt höchstens 15 Gedenkzeitminuten zur Verfügung – wird diese überschritten, ist auch die Partie verloren. Selbstverständlich gibt es auch eine deutsche Blitzmeisterschaft – diese wird seit 1974 ausgerichtet.

9. Schachkuriositäten: Schachboxen aus Berlin

Eine Schachpartie nach schweißtreibendem Boxen. Foto: imago images/Herbert Bucco

Wie gesagt zählt Schach zu den Sportarten. Die Verbindung mit einer anderen Sportart ist deswegen ebenso naheliegend wie Yogilates. Die Verschmelzung aus Schach und Boxen ergibt die Kampfsportart des Schachboxens – die gesteigerte Variante des Zusammendenkens von Körper und Geist. Entwickelt wurde dieser etwas andere Kampfsport durch den niederländischen, in Berlin lebenden und verstorbenen Aktionskünstler Iepe Rubingh.

Zunächst habe dieser sich das Schachboxen wohl als künstlerische Performance ausgemalt, doch das Schachboxen entwickelte sich zum Wettkampfsport, in dem die Gegner abwechselnd in Schach- und Boxrunden gegeneinander antreten. Das klassische Schachboxen wird in elf, jeweils dreiminütige, abwechselnde Runden gegliedert – sechs im Schach und fünf im Boxen.

In Schnellschachpartien, die etwas länger sind als Blitzschachrunden, stehen insgesamt 18 Minuten zur Verfügung. Die Kontrahenten haben außerdem doppelte Chancen: Sieg durch Knock-Out oder Schachmatt. Der erste Kampf findet 2003 in Berlin statt – Rubingh tritt ebenfalls an und gewinnt, allerdings weniger spektakulär durch das Knock-Out des Gegners, sondern durch Ablauf der Schachzeit.

10. Die Berliner Verteidigung im Schach

Spielzüge der Berliner Verteidigung. Foto/Grafik: ChessBase

Zu den angeblich besten Eröffnungen für Anfänger gehören u. a. die italienische und die spanische Eröffnung sowie die sizilianische und die französische Verteidigung – die Berliner Verteidigung ist eine Abwandlung der Spanischen Partie. Diese Verteidigung wurde bereits im 19. Jahrhundert durch ihre Namensgeberin, die Berliner Schule um das famose Siebengestirn studiert und im 1846 herausgebrachten Handbuch des Schachspiels vermerkt.

Die Eröffnung erblüht im ausgehenden 19. Jahrhundert, indem sie von Schachikonen wie Adolf Anderssen oder Emanuel Lasker angewandt wird. Auf die Blüte folgt der Verfall der Eröffnungstheorie, doch sie erblüht erneut im 21. Jahrhundert: Während der Schachweltmeisterschaft 2000 schafft es Wladimir Kramnik gegen Garri Kasparow auszugleichen. Sie wurde ebenfalls bei der Schachmeisterschaft 2013 von Magnus Carlsen, der heutigen Nummer 1 am Firmament des Schachhimmels, in mehreren Partien angewandt.

11. Die neuen Medien: Schach gegen Computer

Mensch gegen Maschine: Garri Kasparov bei einer Partie gegen einen Computer. Foto: imago images/Hasenkopf

Die Liste der Publikationen der Schach-Fach-Literatur ist grenzenlos und beherbergt Millionen Titel entlang aller erdenklichen Sparten und Nischen des Schachspiels. Hinzu reihen sich hunderte Zeitschriften und Magazine. Das Studium des Königsspiels ist jedoch auch, sagen wir, zeitgenössischer möglich. Deep Blue war der erste entwickelte Schachcomputer, der 1996 den amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow in einer Partie schlug.

Seither können sich Anfänger*innen und Fortgeschrittene problemlos im Online-Schach vergnügen, schulen und duellieren. Im Zuge dessen kann gegen computergenerierte Bots gespielt werden, die so programmiert werden, dass nicht nur Schachsuperhirnis dabei sind, sondern auch schwächere Schachroboter.

Bei chess.com, ebenfalls als App nutzbar, findet sich ein internetbasiertes Schachparadies. Neben Spielen mit besagten Bots, kann man gegen „echte“ Menschen von überall auf der Welt antreten (die erfolgreichste Online-Plattform für Schach hat über 25 Millionen Mitglieder), Taktikaufgaben lösen, Blitzschach spielen, Turniere bestreiten, Eröffnungen studieren oder Schachartikel lesen. Und da sich überall auf der Welt Schachspieler*innen unterschiedlichster Niveaus finden, die dem eigenen Niveau und Ranking entsprechend ausgewählt werden, findet man tolle Gegner*innen auf Augenhöhe. Schach.de ist eine weitere zu empfehlende Webseite für Schachkurse, Schachspiel und Turniere. Selbst das Hauptstadtportal Berlin.de bietet kostenloses Online-Schach mit steigender Schwierigkeit an. In der App Play Magnus kann gegen den amtierenden Schachweltmeister Magnus Carlsen gekämpft werden. (Die App ist zwar kostenlos, aber die Lektionen müssen gezahlt werden.)

12. Schach in Berlin heute

Großschachfelder finden sich in Berliner Parks und Freizeitbädern. Foto: imago images/Dieter Matthes

Der Berliner Schachverband verzeichnet 51 Vereine in allen Bezirken der Stadt – die neue Mitglieder größtenteils willkommen heißen. Wem die Vereinskultur nicht behagt, kann natürlich auch an anderen Standorten in der Stadt Schach spielen oder Schachkurse belegen – z. B. im Café „en passant“ in Prenzlauer Berg, das die vergangene Ära der Schach-Café-Kultur wiederbelebt. Mehrere Berliner Vereine haben ihre Vereinslokalsitzungen dorthin verlegt – das Café ist jedoch auch für andere Schach- und Kaffeebegeisterte geöffnet, die sich Spielsätze und Uhren leihen können.

Der Brettspielplatz in Moabit richtet seinen Fokus zwar nicht auf Schach, sondern auf Brettspiele im Allgemeinen, aber man findet auch dort potentielle Gegner und benötigtes Equipment. Nebenher können Sandwiches oder Waffeln verspeist werden. Schach kann aber auch unter freiem Himmel gespielt werden. In der Hasenheide am Hermannplatz sind einige öffentliche Tische zu Schachfeldern umfunktioniert worden – auch im Volkspark Wilmersdorf und im Volkspark am Weinberg in Mitte gibt es Frischluftschach in Form von Bodenfeldern oder Tischfeldern. Die blutigen Anfänger*innen, denen die Spielfelder als dubiose Muster erscheinen, können z. B. in der Schachschule Berlin Kurse buchen.

  • Café „en passant“ Schönhauser Allee 58, Prenzlauer Berg
  • Brettspielplatz Waldstraße 50, Moabit, i. d. R. Mo-So 16-22 Uhr
  • Volkspark Hasenheide Columbiadamm 110, Neukölln
  • Volkspark Wilmersdorf Am Volkspark 35, Wilmersdorf
  • Volkspark am Weinberg Weinbergsweg, Mitte
  • Schachschule Berlin Bayrischer Straße 32, Wilmersdorf, online

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