Stadtleben

Schale Weihnachtstradition

Der erste Schnee, der erste Glühwein – so das Ritual seit Jahren. Einmal, um dem Wahnsinn des Hüttenzaubers, der Schräglage von Familienidyllen gewachsen zu sein und, um ehrlich zu sein, auch um einfach in Stimmung zu kommen. Doch dieses Jahr ist alles anders. Was öffentliches Glühweintrinken betrifft, sieht es sehr, sehr schlimm aus. Nachdem ich von einer guten Bekannten zum schwedischen Glühwein namens Glögg eingeladen wurde, sind die Ansprüche nun noch mal ein Stück höher gestiegen. Schon im letzten Jahr gab es Enttäuschungen, weil der Glühweinstand auf dem Winterfeldtmarkt nicht mehr von dem spanischen Paar betrieben wird, das über 15 Jahre den besten Glühweins Berlins geköchelt hat. Dann weiter zum Potsdamer Platz, zu Lutter & Wegner, auch immer gut, doch dieses Jahr nach dem Glögg-Erlebnis hat der Glühwein am Potsdamer Platz einen süßsauren Nachgeschmack. Bei anderen Berliner Glühweinständen tut man schon gar nicht mehr so, als ob man die Zutaten selbst zusammenrührt, sondern wirbt ganz offensiv mit den Fertigprodukten zu Dekorationszwecken. Glühwein zuhause und selbst produziert? Das macht nur bedingt Sinn. Denn gerade dieses Gesöff hat ja seinen speziellen Reiz durch den winterlichen Outdoor-Effekt: dass in der Kälte dieses Getränk das Blut in Wallung bringt und einem warm ums Herz wird. Das ist dieses Jahr definitiv mit einem schalen Nachgeschmack verbunden. Doch einen Lichtblick scheint es zu geben: hausgemachter Glühwein bei Miss Zucker in der Winterfeldtstraße.  Mal sehen, wie der so ist.

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