Stadtleben

Scherbenhaufen an der Staatsoper

Eigentlich kann Peter Mussbach ganz froh sein, dass er seinen Job als Intendant der Berliner Staatsoper los ist. Mit dem Chefdirigenten Daniel Barenboim hatte er sich gründlich verkracht, Wowereit konnte ihn sowieso nie leiden, und zuletzt hatten sogar noch die Abteilungsleiter des Hauses den Senat zur Absetzung ihres Chefs aufgefordert. Eigentlich ein klassischer Fall von Mobbing – hätte sich Mussbach im Zorn darüber, dass kaum jemand am Haus seiner Vision modernen Musiktheaters folgen mochte, nicht auch selbst gehörig im Ton vergriffen.

Staatsoper_(c)Max_LautenschlägerJetzt ist der quengelige Künstlerintendant weg, und die Staatsoper steht vor einem Scherbenhaufen. Um den renovierungsbedingten Umzug ins Schillertheater ab 2010 für kreatives Musiktheater zu nutzen, ist es eh schon zu spät – zumal noch kein echter Nachfolger für Mussbach in Sicht ist. Darüber hinaus hat der Zank um die Verwendung der Subventionserhöhung von 9,4 Millionen Euro das Ansehen des Hauses nachhaltig beschädigt: Vor allem Barenboim und die Musiker seiner Staatskapelle, die sich über satte Gehaltserhöhungen freuen können, stehen jetzt als Raffzähne da.

Schuld an der Eskalation haben nicht nur die Streithähne: Dass Künstler größenwahnsinnig sind, war schon zu Zeiten Richard Wagners so und ist die Voraussetzung für große Kunst. Es wäre wohl die Aufgabe von Wowereit und seinem Kulturstaatssekretär Andrй Schmitz gewesen, in dem schon monatelang schwelenden Konflikt rechtzeitig zu vermitteln. Mit dem Ergebnis, das Stiftungschef Stefan Rosinski schließlich für die Staatsoper zusammengeschustert hat, hätten jedenfalls sowohl Mussbach wie Barenboim zufrieden sein können. Doch Berlins Kulturpolitik agiert nicht, sie reagiert nur, was in einem Bereich, der vor allem inhaltliche Auseinandersetzungen fordert, zu wenig ist.

Mit der Auseinandersetzung um den Innenausbau der Staatsoper hat diese Politik des Aussitzens jetzt das nächste Problem provoziert: Wenn Schmitz und Wowereit das Votum der Jury für einen modernen Saal zugunsten eines traditionellen Entwurfs kippen sollten, brauchen sie für das Schloss eigentlich gar keinen Wettbewerb mehr zu veranstalten. Aber zumindest Peter Mussbach kann das jetzt ziemlich egal sein.

Text: Jörg Königsdorf

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