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Berlin verstehen

Berlins schlimmste Straßen: Wo die Stadt keinen Spaß macht!

Gleich geht es um die 12 schlimmsten Straßen in Berlin. Aber eines vorweg, wir wollen in keiner Weise, dass es hier so aussieht wie bei Tante Elsa in Esslingen am Neckar. Es geht nicht um Kehrwochen, Blumenkübel, Blockwarte und Law-and-Order-Politik. Berlin ist kantig und nicht die heile Welt, und das soll auch so bleiben! Aber weil Meckern zum Berliner Naturell gehört, teilen wir jetzt ein Dutzend mal aus. Warum? Weil wir es können und weil wir hin und wieder auch genervt sind. Nerven tut uns übrigens viel. Die Touris in Mitte, die Hipster in Kreuzberg, die Druffis in Charlottenburg, der Strich in Tiergarten und die graue Einöde in Lichtenberg. Und wem das nicht gefällt, kann gerne zurückmeckern. Viel Spaß dabei und mit den 12 schlimmsten Straßen in Berlin! PS: Wir lieben Euch alle, trotzdem!


Karl-Marx-Straße

Blick auf die Karl-Marx-Straße in Neukölln. Foto: Imago/F. Anthea Schaap
Blick auf die Karl-Marx-Straße in Neukölln. Foto: Imago/F. Anthea Schaap

Die Karl-Marx-Straße ist seit Jahren eine Dauerbaustelle. Man kommt nicht durch. Weder mit dem Rad, der BVG, geschweige denn mit dem Wagen, auch zu Fuß ist es abenteuerlich. Erstaunlicherweise ist diese Neuköllner Hauptverkehrsader trotzdem oft gerammelt voll. Wo wollen die Leute alle hin? Man drängt sich zwischen Späti und Absperrgitter, es ist laut und ungemütlich. Tagsüber. In der Nacht herrscht hier eher gähnende Leere. Wenigstens gibt es mit der Passage und dem Heimathafen Neukölln aber zwei Orte in der Karl-Marx-Straße, die wirklich schön sind. Läuft man die Meile Richtung Kreuzberg, ist man am Hermannplatz, auch schön hart dort.

  • Karl-Marx-Straße, Neukölln

Adalbertstraße

Die Adalbertstraße Richtung U-Bahnhof Kottbusser Tor in Kreuzberg. Foto: Imago/F. Anthea Schaap
Die Adalbertstraße Richtung U-Bahnhof Kottbusser Tor in Kreuzberg. Foto: Imago/F. Anthea Schaap

Vom Kottbusser Tor sticht die Adalbertstraße in den Kreuzberger Kiez hinein. Man muss sich an den Junkies, Dealern, Hipster-Touristen, türkischen Mamas und schluffigen Alt-Kreuzbergern vorbeikämpfen, um dann, unter der wirklich formidabel-hässlichen Überführung des Neuen Kreuzberger Zentrums (NKZ), in ein Hamburger-Döner-Chinapfannen-Waffel-Chaos zu stürzen, durch das sich vor allem wochenends das feierwütige Volk langquetscht. Meist herrscht auf dem Abschnitt bis zur Oranienstraße auch noch ein permanenter Stau, begleitet vom erregten Gehupe. Weiter hinten wird es ruhiger und mit Jodelkeller und Trinkteufel residieren in der Adalbertstraße (Ecke Naunynstraße) zwei Klassiker der Kreuzberger Kneipenkultur. Und es gibt auch ein paar schöne Geschäfte in der Gegend um und an der Adalbertstraße.

  • Adalbertstraße, Kreuzberg

Perleberger Straße

Fil nannte Sie die Hölle auf Erden – Perleberger Straße in Moabit. Foto: Imago/Chromorange
Fil nannte Sie die Hölle auf Erden – Perleberger Straße in Moabit. Foto: Imago/Chromorange

In einem alten „Didi-und-Stulle“-Comic des großartigen Berliner Zeichners Fil tauchte mal die Perleberger Straße auf. Die Geschichte ging ungefähr so: Didi und Stulle kamen in die Hölle, sie trafen den Teufel und statt die Hölle zu zeichnen, klebte Fil ein Bild der Perleberger Straße in den Cartoon. Die Hölle sieht aus wie die Perleberger Straße, das war die Botschaft. Fil könnte recht haben. Aber vielleicht sind wir nur unfähig, die Schönheit dieser Straße zu erkennen?

  • Perleberger Straße, Moabit

Simon-Dach-Straße

Schlimmsten Straßen in Berlin In der Simon-Dach-Straße in Friedrichshain reiht sich auf beiden Seiten der Straße Restaurant an Restaurant. Foto: Imago/Hohlfeld
In der Simon-Dach-Straße in Friedrichshain reiht sich auf beiden Seiten der Straße Restaurant an Restaurant. Foto: Imago/Hohlfeld

Der Friedrichshainer Ballermann ist an Schrecklichkeit kaum zu überbieten. Die Dauer-Happy-Hour-Touristen-Bespaßungsmaschine läuft in dieser vor langer Zeit mal sympathischen Kiezstraße ununterbrochen. Wer noch bei Sinn und Verstand ist und es früh genug geschafft hat, zog längst weg. Denn kotzende Berlinbesucher, die sich hier mit internationalem Mampf vollstopfen und mit bunten Drinks nachspülen, bevor sie an der Berghaintür scheitern, will man wirklich nicht sehen. Niemals.

  • Simon-Dach-Straße, Friedrichshain

Pankstraße

Auch nicht schön, die Pankstraße in Wedding. Foto: Imago/Joko
Auch nicht so schön, die Pankstraße in Wedding. Foto: Imago/Joko

So schlimm ist die Pankstraße auch wieder nicht. Was macht sie dann auf der Liste der 12 schlimmsten Straßen in Berlin? Schwer zu sagen, doch Milde lassen wir nicht walten. Sie hat es schon verdient und weiß selbst am besten warum. Nimm dich in acht, Pankstraße!

  • Pankstraße, Wedding

Heidestraße

Schlimmsten Straßen in Berlin Alles neu in der Heidestraße in Tiergarten. Foto: Imago/Rolf Kremming
Alles neu in der Heidestraße in Tiergarten. Foto: Imago/Rolf Kremming

Es gibt keine allgemeingültigen Kriterien, die besagen, was eine gewöhnliche Straße zu einer schlimmen Straße macht. Gar zu einer der schlimmsten. Es ist das Gefühl, das einen beschleicht, wenn man da ist. Es kann Stress sein, Befremdung oder Ekel. Manchmal spürt man Angst oder Verzweiflung oder fühlt sich einfach nur gestört. Warum ist diese Straße so schlimm, fragt man sich und warum bin ich eigentlich hier? In der Heidestraße, die bis vor wenigen Jahren noch eine Brache war und auf der seitdem mehrere Billionen Euro verbaut wurden, spürt man das alles zusammen. Angst, Verzweiflung, Befremdung. Vor allem aber eins: Dieses sterile Neubaugetto ist nicht mehr Berlin. Nur was ist es dann?

  • Heidestraße, Tiergarten

Jebensstraße

Schlimmsten Straßen in Berlin: Auf der rückwärtigen Seite des Bahnhofs Zoo: Die Jebensstraße in Charlottenburg. Foto: Imago/Metodi Popow
Auf der rückwärtigen Seite des Bahnhofs Zoo: Die Jebensstraße in Charlottenburg – das Problem sind nicht die Menschen, die das Leben hart getroffen hat, sondern dass ihnen nicht besser geholfen wird.. Foto: Imago/Metodi Popow

Die Jebensstraße in Charlottenburg hat ein Problem. Auf der rückwärtigen Seite des Bahnhofs Zoo versammeln sich rund um die Bahnhofsmission obdachlose Menschen, viele von ihnen sind alkoholkrank oder drogensüchtig. Die Straße, in der auch das Museum für Fotografie residiert, wirkt dadurch verwahrlost, für manche auch gefährlich, auch wenn Gewalt hier eher selten ist. Doch das ist nicht das Problem. Der soziale Missstand ist es und die Tatsache, dass wir als reiche Gesellschaft, in der es im Prinzip alles im Überfluss gibt, solche Zustände zulassen und dass es für diese Menschen oft nichts mehr gibt als die Jebensstraße. Das ist das Problem. Weshalb wir übrigens klasse finden, dass manche sich kümmern – etwa im „Zentrum am Zoo“: Ex-Polizeistation für Obdachlose umgebaut

  • Jebensstraße, Charlottenburg

Rigaer Straße

Linke Hausprojekte in der Rigaer Straße in Friedrichshain. Foto: Imago/B. Kriemann/Future Image
Linke Hausprojekte in der Rigaer Straße in Friedrichshain. Foto: Imago/B. Kriemann/Future Image

Der Traum ist aus. Das wusste schon Rio Reiser. Die linke Szene hat in Berlin viel bewegt, seit den 1980er-Jahren prägen die Politaktivisten und Hausbesetzer die Entwicklung der Stadt. Viele Projekte aber auch soziale Fortschritte gehen auf das Konto der Spontis, Freaks und Ökos. Ob Bioläden, Jugendzentren, Hofbegrünung oder die Bewahrung von Altbauten, ohne die alternative Szene würde Berlin heute anders aussehen. Doch in der Rigaer Straße in Friedrichshain hat sich der linke Traum von einer besseren Welt in einen bornierten Albtraum verwandelt. Die besetzten oder teilweise besetzten Häuser sind nicht Teil einer bunten Nachbarschaft sondern Trutzburgen eines dogmatischen Denkens, die der Umgebung gegenüber feindlich gesinnt sind. Und damit sind nicht nur Miethaie und reiche Investoren gemeint.

  • Rigaer Straße, Friedrichshain

Oranienburger Straße

Schlimmsten Straßen in Berlin Im Herzen der Stadt: Oranienburger Straße in Mitte. Foto: Imago/F. Berger
Im Herzen der Stadt: Oranienburger Straße in Mitte. Foto: Imago/F. Berger

Nach der Wende gehörte die Oranienburger Straße zu den spannendsten Meilen in Berlins Mitte. Hier traf das Künstlerhaus Tacheles auf eine aufkeimende Barszene und Künstler auf alte Kiezbewohner. Im Alten Postfuhramt gab es Ausstellungen und rund um die Neue Synagoge keimte ein neues jüdisches Leben auf. Die Atmosphäre von einst ist verpufft. Heute ist die Straße von Touristen überlaufen und außer Kommerz und Konsum zählt hier wenig mehr.

  • Oranienburger Straße, Mitte

Kurfürstenstraße

Schlimmsten Straßen in Berlin: Straßenstrich in der Kurfürstenstraße in Tiergarten. Foto: Imago/Rolf Kremming
Straßenstrich in der Kurfürstenstraße in Tiergarten. Foto: Imago/Rolf Kremming

Das Stück der Kurfürstenstraße zwischen An der Urania und der Potsdamer Straße ist stadtbekannt und berüchtigt. Der Straßenstrich prägt die ganze Gegend. Mal Babystrich, mal Drogenstrich genannt. Hier fahren Freier in ihren Autos langsam vorbei, die Prostituierten bieten sich an. Es gibt Stundenhotel und Verrichtungskabinen im hell erleuchteten Sexshop an der Ecke. Wer nicht auf der Suche nach unmoralischen Abenteuern ist, sollte um die Kurfürstenstraße einen großen Bogen machen.

  • Kürfürstenstraße, Tiergarten

Storkower Straße

Am Bahnhof Storkower Straße. Foto: Imago/Joko
Am Bahnhof Storkower Straße. Foto: Imago/Joko

Plattenbauten, Industriebauten, Lagerhallen, Bahnübergänge und vorbei rasende Autos. Eine lange, leere, graue Trasse, das ist die Storkower Straße, die irgendwo im Grenzgebiet von Prenzlauer Berg und Lichtenberg entlangläuft und die Stimmung drückt. Wer hier mal nachts im Winter unterwegs war, zu Fuß natürlich, wem der eisige Wind ins Gesicht peitschte, der wird diese schlimme Straße nicht so schnell vergessen.

  • Storkower Straße, Prenzlauer Berg und Lichtenberg

Frankfurter Allee (Lichtenberg)

Schlimmsten Straßen in Berlin: Plattenbauten in der Frankfurter Allee nahe Magdalenenstraße in Lichtenberg. Foto: Imago/IPON
Plattenbauten in der Frankfurter Allee nahe Magdalenenstraße in Lichtenberg. Foto: Imago/IPON

Auf Friedrichshainer Seite hat die Frankfurter Allee noch einen gewissen Reiz. Die Arbeiterpaläste laufen zwar langsam aus, aber es gibt charmante Kiezläden und kuriose Bars. Ein Prospekt im Moskauer Stil und in den Seitenstraßen wuselt das Leben. In Lichtenberg, gleich hinter den S-Bahn-Gleisen fängt ein anderes Kapitel der Frankfurter Allee an. Es wird grau und gesichtslos, die Fenster der Plattenbauten blicken stumpf in die Leere und an der Brücke am Bahnhof Lichtenberg ist die Situation längst zum Heulen. Aber da heißt die Ausfallstraße nach Osten schon bald Alt-Friedrichsfelde.

  • Frankfurter Allee, Lichtenberg

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