Stadtleben

Schwarze Löcher

Wenn man eine Einladung von ohrenstrand mobil erhält zur Premiere der Layers News Opera in den Räumen des Architekturforums aedes im Pfefferberg, dann muss man nicht lange nachdenken, weil man sich ein wenig Neugier bewahrt hat. Versprochen war eine Aufführung Neuer Musik im öffentlichen Raum in einer mobilen und temporären Architektur.

Ich muss gestehen, diese Architektur war erst einmal unsichtbar. Im Raum, wo die Galerieoper stattfand, dominierten einfach die Musiker mit Saxofon, Schlagzeug und Gitarre, dazu zwei Sprecherinnen bzw. Ansagerinnen, die sich im Licht der projizierten Bilder von Juliane Ebner bewegten. Man hatte sicher genug damit zu tun, diese eigenwillige, seltsame Musik zu begreifen. Man hatte genug damit zu tun, zwischen Sprechgesang, Gesang und klar gesprochenen Texten zu unterscheiden oder sie zusammenzubringen.

Das war auch anrührend, aus den Sprachfetzen sich die Welt erklärt zu bekommen oder eine Ahnung davon zu erhalten, was in den Köpfen hängen bleibt, wenn man sie mit Nachrichten übergießt. Diese sogenannte Galerieoper ist ein im besten Sinne feuilletonistischer Streich, eine Herausforderung an den Menschenverstand. Spätestens, wenn die Sprecherin deutlich ins Publikum ruft: „Ein Loch ist nur von den Rändern her zu verstehen“, ahnt man, dass es sich bei der Aufführung um eine Abrechnung mit dem Nichts handelt, das uns medial unaufhörlich entgegenquäkt. Man kann in es hineinschütten, was man will, es wird nie gefüllt. Kommt doch einmal etwas dabei heraus, wird es sich gewiss umeine Verschwörungstheorie handeln. Das ist denn schon genial, wie dieses Stück auf die Pauke haut, wenn es den Teilchenbeschleuniger ins Spiel bringt, der angeblich Schwarze Löcher produzieren wird.

Es ist ein wunderbares Stück, das überraschend klug zu einem erfreulichen Ende gebracht wird, wenn darüber philosophiert wird, wie groß einem guten Golfspieler das „Hole“ erscheint, während dem schlechten das Loch unendlich klein erscheint. Dann hat man endlich begriffen, wo man dieses kleine Stück Musik in Bildern und Tönen erleben durfte. Im Baukastensystem einer mobilen Architektur.              

Foto: Ohrenstand Mobil von Eyland 07

Layers News Opera im Aedes Pfefferberg, 27.+28.2., 19 Uhr

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