Stadtleben

Schweinegrippe!

Dass Theater krank machen kann, ist nicht neu, und das nicht nur wegen Proben­unfällen, depressiven?Stücken und der Gefahr deutlich erhöhter Leber- und Laberwerte infolge ausgiebigen Kantinen-besuchs. Jetzt kommt zu den bekannten Risiken für Leib und Seele die Schweinegrippe hinzu. Besonders gefährlich sind große Menschenmengen! Und die lassen sich im Zuschauerraum, zumindest wenn das Theater halbwegs erfolgreich ist, nicht vermeiden. So wird jeder Theaterbesuch zum Russischen Roulette mit der Influenza, was ja zumindest die oft so schmerzlich vermisste existenzielle Dimension und eine echte Erfahrung ins Theater zurückbringt.

Das Einzige, was hilft: Händewaschen, Atemmasken und Medikamente, deren Nebenwirkungen noch nicht ganz klar sind. Vielleicht halten wir uns in drei Jahren ja alle für Napoleon, wenn wir das Zeug heute spritzen. Dann wäre das hier endlich mal ein lustiges Land, in dem die ganzen Normalgeisteskranken ihrem Wahn freien Auslauf lassen. Und damit wären wir dann beim Theater als Dauerzustand und überall. Auch die anderen Abwehrmaßnahmen eröffnen viel versprechende Aussichten auf die Spielzeit.

Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Zuschauer mit der Eintrittkarte eine Atemmaske überreicht bekommen: 800 Zuschauer mit?Atemmasken – mit diesem Anblick zu konkurrieren, dürfte manchem Bühnenbild schwer fallen. Auch die Vorstellung, wie 800 Zuschauer vor Beginn der Vorstellung ihre Hände waschen, ist heiter. Wer einmal versucht hat, im Theater seinem Harndrang freien Lauf zu lassen, weiß: Das kann sich ziehen. Wenn dann kurz vor Mitternacht die Vorstellung beginnt, wird der erste Zuschauer, der nießen muss, von seinen Sitznachbarn vermutlich mit den frisch gewaschenen Händen erwürgt. Die Chancen stehen also gut, dass die Schweinegrippe dem Theaterbesuch ganz neuen Reiz verleiht.     

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