Stadtleben

Schwindel mit den Bio-Eiern

„Ach, du faules Ei!“ („BZ“), „Betrug mit Bio-Eiern?“ („Kurier“) oder „Bio-Eier von Käfig-Hühnern“ („taz“): Ende November wurde die deutsche Öffentlichkeit von der Tierschutzorganisation Peta aufgescheucht. Peta hatte darüber informiert, dass sie angebliche Freiland- und Bio-Eier mithilfe des auf ihnen aufgedruckten Stempels und der Internetseite www.was-steht-auf-dem-ei.de – sie wurde vom Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) ins Netz gestellt – bis hin zu den Erzeugungsanlagen im Brandenburger Spreenhagen und nach Bestensee zurückverfolgt hatte. Mit dem Ergebnis, dass, so die Tierschutz-Aktivisten, „nirgendwo ein freilaufendes Huhn“ gesichtet wurde. Dabei hatten die Peta-Mitarbeiter die zu dem Eier-Multi Landkost und dem Bio-Gefügelhof Deersheim gehörenden Hühnerba­ra­cken nicht – wie der tip bei einer ähnlichen Aktion im Jahr 2003 – nur an einem einzigen Tag umstreift. Sondern „sind dort zwischen März und Oktober 2008 wiederholt aufgetaucht“, erklärt Edmund Haferbeck, Peta-Aktivist und promovierter Agrarwissenschaftler.
Im Gegensatz zur tip-Reportage „Ja, wo laufen sie denn?“ vom Sommer 2003, in der wir ebenfalls angebliche Freilandeier, die wir damals bei den Discountern Aldi und Lidl gekauft hatten, bis nach Spreenhagen und nach Bes­tensee zu Landkost zurückverfolgten und ebenfalls kein frei laufendes Huhn fanden, ist die Resonanz auf die Peta-Informationen diesmal enorm. „Die Welt“, „Focus“, „Der Spiegel“, verschiedene Fernsehsender und sogar der abgelegene „Kölner Stadtanzeiger“ berichten. Und die betroffenen Ei-Erzeugerfirmen wehren sich: Schutz vor Vogelseuchen, etwa der Hühnergrippe, und das demzufolge behördlich angeordnete Aufstallungsgebot, also die Pflicht, die Hühner im Stall zu behalten, sei an der fehlenden Freilandhaltung schuld, heißt es dabei sowohl in der Presseerklärung von Landkost als auch in der des Bio-Gefügelhofes Deersheim. „Der Landkreis Dahme-Spreewald hat seit dem 18.03.08 für die Gemarkung Bestensee die Aufstallung angeordnet“, schreibt die Deersheim Gmbh. Landkost dehnt die behördlich verhängte Ausgangssperre für Hühner sogar noch aus: „Zum Schutz der Legehennen vor Seuchen, wie der Vogelgrippe, ist (…) mit der Gefügelpestverordnung vom 18. Oktober 2007 eine generelle Stallpflicht in Deutschland eingeführt worden, von der die zuständigen Landkreise Ausnahmen zulassen können.“
Wer die Pressestelle des Landkreises Dahme-Spreewald anruft und nach den vom dortigen Verterinärsamt verhängten Aufstallungszeiten fragt, erhält allerdings eine etwas andere Auskunft. „Zwischen dem 18.3.2008 und dem 10.6.2008 bestand Aufstallungspflicht. Und dann wieder ab dem 20.10.2008“, sagt die Pressesprecherin Heidrun Schaaf. Was bedeutet, dass die Hühner vor Mitte März 2008 und zwischen Mitte Juni und Mitte Oktober 2008 eigentlich rausgedurft hätten.

Text:
Eva Apraku
Foto: Jens Berger

Den vollständigen Artikel finden Sie im tip 26/08

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