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Selbstständig in Berlin: Die besten Steuertipps

Pixabay.com, ©math_muell CC0-Lizenz

Als riesige Metropole ist Berlin ein El-Dorado für Menschen, die sich selbstständig machen wollen. Zumindest zeigen die Zahlen, dass in keinem anderen Bundesland so viele Gründungen erfolgen wie hier. Damit das Start-Up erfolgreich verläuft, wird mehr als nur eine gute Idee benötigt, die einen von der Konkurrenz abhebt. Die Fähigkeit, gut zu wirtschaften und das Wissen, was bei der finanziellen Seite alles zu beachten ist, gehört für einen längerfristigen Erfolg dazu. Daher ist es gut einige Kniffe zu kennen, die dabei helfen, unnötige Kosten und Steuern zu vermeiden.

Tipp 1: Kosten im Blick halten

Das wichtigste für das eigene Unternehmen ist der vollständige Überblick über die eigenen Zahlen. Grundlegend dafür ist eine richtige Buchführung. Der Umfang der Buchführung und die Buchführungspflicht hängen dabei von der Größe des Unternehmens und dem Umsatz beziehungsweise dem Gewinnüberschuss ab. Eine Unterstützung bei der Buchführung kann durch spezielle Softwareprogramme erfolgen. Diese erleichtern unter anderem das Erstellen von Rechnungen, Einnahme-Überschuss-Rechnungen oder Jahresabschlüssen und ermöglichen einem involvierten Steuerberater einen kompletten Gesamtüberblick.

Idealerweise wird mit der Buchführung auch schon vor der Gründung begonnen, da die Kosten, die im Vorfeld der Gründung entstehen, dann im Anschluss der Gründung als Betriebsausgaben geltend gemacht werden können. Damit wird der zu versteuernde Gewinn reduziert.

Tipp 2: Möglichkeit zu Abschreibungen nutzen

Es gibt die Möglichkeit, Investitionen abzuschreiben. Wirtschaftsgüter mit einem geringen Wert von bis zu 487,90 Euro, können sofort abgeschrieben werden. Große Anschaffungen werden über mehrere Jahre abgeschrieben. Wer sich also als Arbeitsmittel einen Laptop oder PC anschafft, sollte die Rechnung gut aufbewahren und daran denken, in den folgenden Jahren die Kosten anteilsmäßig als Werbungskosten anzugeben.

Über wie viel Jahre abgeschrieben wird, hängt von der voraussichtlichen Nutzungsdauer der Gegenstände ab. Während Computer über drei Jahre abgeschrieben werden, dauert es bei Büromöbeln 13 Jahre. Allerdings gibt es auch die Möglichkeit der außergewöhnlichen Abschreibung. Ist ein Gegenstand vor Ablauf des Abschreibungszeitraums nicht mehr nutzbar, kann dieser in dem darauffolgenden Jahr mit der noch offenen Summe komplett abgesetzt werden.

Tipp 3: Umgang mit der Umsatzsteuer

Wer unter die Kleinunternehmerregelung fällt, muss auf seinen Rechnungen keine Umsatzsteuer vorweisen. Gegenüber Privatkunden hat das den klaren Vorteil, dass bessere Preise angeboten werden können. Gegenüber Geschäftskunden macht es finanziell keinen Unterschied, da die Umsatzsteuer auch wieder abgesetzt werden kann. Hier gibt es dann nur einen bürokratischen Vorteil, da in dem Fall keine Umsatzsteuervoranmeldung gemacht werden muss.

Unter die Kleinunternehmerregelung fallen Selbstständige, deren Einnahmen 17.500 Euro im Jahr nicht übersteigen. Wer bürokratischen Aufwand mit dem Finanzamt scheut, sollte anfangs darauf zurückgreifen. Wer jedoch von Anfang an die Umsatzsteuer, die er an andere Unternehmen zahlt, vom Finanzamt zurückfordern können möchte, sollte auf die Kleinunternehmerregelung verzichten. Je höher die eigenen Investitionen, desto sinnvoller ist ein Verzicht auf diese Regelung.

Tipp 4: Home Office als Arbeitsplatz

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Je nach gewähltem Arbeitsplatz können auch dafür entstehende Kosten abgesetzt werden. Meist wird aus Kostengründen das eigene Unternehmen erstmal zu Hause gegründet. Im Home-Office sind die Kosten allerdings nur absetzbar, wenn ein extra Büroraum für die arbeitsrelevanten Tätigkeiten genutzt wird. Dann können anteilsmäßig für diesen Raum Miet- und Energiekosten abgesetzt werden.

Ebenso können anteilsmäßig Reparaturkosten, Mietnebenkosten, oder im Falle einer Eigentumswohnung Gebäudekosten abgeschrieben werden. Angegeben werden diese als Betriebsausgaben. Insgesamt darf die private Nutzung des Raums allerdings nur weniger als 10 Prozent betragen.

Tipp 5: Bewirtungen absetzen

Bei wichtigen Terminen und Gesprächen mit Geschäftskunden, die auswärts stattfinden, können die anfallenden Bewirtungskosten ersetzt werden. Wie hoch der absetzbare Anteil der Bewirtungskosten ist, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Um überhaupt eine Erstattung zu erhalten, müssen die Kosten dokumentiert und nachgewiesen werden. Die meisten Gaststätten verfügen mittlerweile über entsprechende Quittungsnachweise. Die Auflistung der Speisen und Getränke befindet sich auf der Vorderseite, wobei auf der Rückseite die bewirteten Personen, der Bewirtungsanlass, Datum und Unterschrift festzuhalten sind.

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Bei Anerkennung der Kosten sind 70 Prozent als Betriebsausgaben absetzbar. Die Vorsteuer ist jedoch zu 100 Prozent absetzbar. Bewirtungskosten können auch innerhalb des Unternehmens auftreten. Werden bei einer betrieblichen Veranstaltung Sekt und Gebäck gereicht, sind diese als Betriebskosten voll absetzbar. Werden jedoch Kleinigkeiten gereicht, die über einen Akt der Höflichkeit hinausgehen, fallen diese für gewöhnlich unter Bewirtungskosten. So zum Beispiel, wenn Würstchen oder eine kleine Mahlzeit gereicht werden.

Tipp 6: Keine unnötige Gewerbesteuer zahlen

Die Gewerbesteuer wird von der Gemeinde veranschlagt und ist von der Höhe des Gewerbeertrags abhängig. Dieser errechnet sich aus dem Gewinn des Betriebs und eventuellen Hinzurechnungen oder Kürzungen. Zudem wird noch ein Freibetrag von 24.500 EUR abgezogen. Der Freibetrag gilt jedoch nur für Einzelunternehmen und Personengesellschaften. Kapitalgesellschaften können keinen Anspruch auf den Freibetrag nehmen.

Um keine Gewerbesteuer zahlen zu müssen, sollte auch geprüft werden, ob eine freiberufliche Tätigkeit vorliegt. Denn als Freiberufler liegt keine Gewerbesteuerpflicht vor. Wer als Diätassistent, Drehbuchautor, Therapeut oder Webdesigner durchstarten möchte, steht also schon mal auf der sicheren Seite.

Tipp 7: Ehrlich bleiben

Jeder möchte natürlich möglichst viel Gewinn machen und dabei möglichst wenig Steuern zahlen. So lange die legalen Wege genutzt werden, ist dies auch völlig in Ordnung. Und es gibt tatsächlich jede Menge Kniffe, die völlig legal sind. Manchmal benötigt es erst einiges an Zeit und Erfahrung, um das Optimum für sich selber herauszuholen.

Allerdings sollte niemand anfangen die Zahlen zu manipulieren, um weniger Steuern zahlen zu müssen. Abgesehen vom schlechten Gewissen, kann dies finanziell nach hinten losgehen. Steuerhinterziehung kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf, in schweren Fällen bis zu zehn Jahren geahndet werden. Ebenso kann eine Geldstrafe von bis zu 50.000 EUR, in schweren Fällen sogar noch darüber hinaus fällig werden.

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