Stadtleben

Sex im Club

 

Ich habe mir schon gedacht, dass Sie das interessieren würde, ist ja auch ein schönes Sommerthema. Also habe ich für Sie recherchiert und kann Ihnen mitteilen: Sex im Club kommt vor – wenn auch qualitativ nicht immer so, wie man es sich wünschen würde.

Sex im Club ist eine improvisierte Angelegenheit, bei der Beteiligte oft mit einer ganzen Reihe widriger Umstände konfrontiert werden (Toilettentür schließt nicht, DJ-Pult fällt um etc.) Prozentual wird dabei die Quote orgiastischer Höhepunkte nur unwesentlich von der erreich­ten Quote intimer oder öffentlich vorgeführter Peinlichkeiten getoppt. Erzählt jemand von seinem Sex-im-Club-Erlebnis, nimmt der Berichtende im Nachhinein meist eine distanzierte Haltung ein, sagt: „War ’ne blöde Aktion“ oder „Der/die wohnt zum Glück nicht in Berlin.“ Noch nie habe ich gehört, dass jemand meinte: „Der Fick auf dem Club-WC war so phänomenal – wir heiraten nächste Woche!“

Dennoch scheint das Thema die Menschen zu beschäftigen, und in Nebenräumen und Toilettenkabinen wird weiterhin an dessen Optimierung gearbeitet – und nicht nur dort. Hier ein Überblick einiger „erotischer Nischen“ in gastronomischen Einrichtungen.

Die Toilette: Die WC-Situation in Berliner Clublocations ist schlecht: lange Schlangen, korrupte Pächterinnen oder eine auf dem Hinterhof platzierte Dixi-Toilette. Hier macht der stechende Geruchmix von Che­mikalien und Körperausscheidungen nur in sehr, sehr seltenen Fällen Lust auf mehr. Unvorstellbar, aber wahr: Sex auf dem Dixi kommt trotzdem vor. Einige noch währenddessen mit dem Edding verfasste Kommentare auf der Klo­tür wie „Mike, du geile Sau!“ belegen dies.

Das Getränkelager: Keine Couch, keine Heizung, kein schummriges Licht – das schnörkellose Ambiente mag als Kulisse für ein zügiges, basisorientieres Vorhaben genügen. Allerdings gibt es bequemere Positionen, als mit nack­tem Hintern auf einer Kis­te Be­ck’s zu vögeln.

Der Backstage-Bereich: In den Freidrink-Oasen geht es oft langweiliger zu, als vermutet. Wenn zufällig mal kein A-Promi anwesend ist, starren alle Anwesenden apathisch auf einen billigen Tisch oder – und hier droht die Gefahr – auf diejenigen, die Action machen.

An der Bar: Ist Sex nur bedingt zu empfehlen, wie die mittlerwei­le als wahr bestätigte Legende der Bar 25 um ein rotes Telefon beweist. Eine Frau saß hier eines Partymorgens am Tresen und entdeckte darauf platziert ein rotes Telefon. Sie griff zu und begann mittels Kommunikationsgerät in aller Öffentlichkeit zu masturbieren. Auch durch Ansprache der Mitarbeiter ließ die Frau sich nicht stören, die bedeckten sie am Ende schamhaft mit einem Bettlaken. Hiernach wurde die Frau nie mehr gesehen, und das Telefon wurde aus dem Verkehr gezogen. Gut so, denn wie jeder seit dem Kalten Krieg oder vielleicht auch nur aus einem B-Movie weiß: Das legendäre, rote Telefon sollte man nur im Notfall berühren, sonst – Super-GAU.

Auf dem Parkplatz: So viel steht fest. Wenn Sie’s bis hierher geschafft haben, schaffen Sie’s auch bis nach Hause (notfalls mit dem Taxi).

Gute Fahrt wünscht Ihnen Jackie A.

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