Stadtleben

Shermin ante portas (2)

Dass bei einem Intendanzwechsel am Theater mehr oder weniger zahlreiche Schauspieler und andere Mitarbeiter wechseln (oder gewechselt werden), ist ein normaler Vorgang. Dass es dabei so vernehmlich öffentlich rumpelt wie vor Kurzem am Maxim Gorki Theater im Vorfeld des Wechsels der Intendanz von Armin Petras zu seiner Nachfolgerin Shermin Langhoff, ist schon nicht mehr ganz so üblich.
Dass die langjährige Pressesprecherin eines Theaters nach ersten Erfahrungen mit dem ­künftigen Leitungsteam darum bittet, das Vertragsverhältnis aufzulösen, ­ohne ein neues Jobangebot andernorts zu haben, muss man wohl als deutliches Statement verstehen: Offenbar ist es der Gorki-Pressesprecherin Claudia Nola lieber, sich ab kommender Spielzeit einen neuen Job zu suchen, als an einem von Shermin Langhoff geführten Theater zu arbeiten.

Das ist bemerkenswert. Claudia Nola, nebenbei eine der integersten, professionellsten Pressesprecherinnen an Berliner Bühnen, ist in den vergangenen zwölf Jahren das Kunststück gelungen, auch in eher haarigen Zeiten stets gut gelaunt loyal zu ihrem Theater zu bleiben, ohne gegenüber Journalisten halbgare oder verunglückte Premieren schönlügen zu wollen. Nola besitzt ein in der Branche rares und entsprechend kostbares Kapital: Glaubwürdigkeit. In Kombination mit hohen Sympathiewerten und Metiersicherheit ist das ziemlich unschlagbar.

Für Shermin Langhoffs kommende ­Gorki-Intendanz ist Claudia Nolas ­Weggang ein bemerkenswerter Verlust. Und zumindest bei Leuten, die Nola kennen und aus vielen Jahren der ­erfreulichen Zusammenarbeit schätzen, nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass an diesem Theater alles rundläuft.

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