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Siemensstadt²? Vor Baubeginn soll Berlins neuer Stadtteil getauft werden

Im Osten von Spandau liegt der Berliner Ortsteil Siemensstadt, der in erster Linie Industriegebiet, aber auch Wohnort von rund 13.000 Menschen ist. Bis spätestens 2035 soll er sich zu einem CO2-neutralen Prestige-Areal mausern, in dem das Leben, Arbeiten und Forschen der Zukunft möglich sein soll.

Baubeginn für Berlins Silicon Valley soll schon 2022 sein. Wie der neue Stadtteil dann heißen soll und auch in anderen Belangen dürfen und sollen Berliner*innen jetzt mitentscheiden.

Siemensstadt, im Hintergrund der Berliner Fernsehturm: Der Außenseiter-Ortsteil soll bis 2035 Berlins neuer Prestige-Bezirk werden.
Siemensstadt, im Hintergrund der Berliner Fernsehturm: Der Außenseiter-Ortsteil soll bis 2035 Berlins neuer Prestige-Bezirk werden. Foto: Foto: Imago/Heinrich

Siemensstadt sollte Fabriken und Büroräume der Firma zusammenfassen

1914 erhielt ein rund zwanzig Hektar großes Gebiet im Berliner Westbezirk Spandau den Namen Siemensstadt. Die Berliner Produktionsstätten des Technologie-Konzerns Siemens waren zuvor über das ganze Stadtgebiet verteilt gewesen. Die Siemens & Halske AG kaufte Ende des 19. Jahrhunderts eine fast unbewohnte und verkehrstechnisch kaum erschlossene Naturlandschaft aus Wald, Wiesen und Feuchtgebieten auf. Und fasste auf dieser ihre Berliner Fabriken und Büroräume zusammen.

Neben dem Industriegebiet entstanden zudem grüne Wohnsiedlungen, die damals vornehmlich von Arbeitnehmer*innen der Siemenswerke bewohnt wurden. Heute leben rund 13.000 Personen in dem Ortsteil, der im Osten von Charlottenburg, im Süden von der Spree und im Westen von Haselhorst begrenzt wird. Teile der Wohnsiedlungen in Siemensstadt wurden 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Ein Teil der Großsiedlungen in Berlin-Siemensstadt zählt seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Foto: Imago/Ritter

Bis spätestens 2035 soll Siemensstadt in neuem Glanz erstrahlen

Gut 100 Jahre später, im Jahr 2018, unterschrieben Berlins Bürgermeister Müller (SPD) und Siemens-Vorstandschef Cedrik Neike den Vertrag für die Realisierung eines Megaprojekts: Auf rund siebzig Hektar, also einer Fläche von rund hundert Fußballfeldern, soll die Firma Siemens einen Innovations- und Zukunftscampus errichten: Büros für Startups, Forschungslabore und Hightech-Produktionsanlagen sollen wesentlicher Teil des Konzepts sein.

Die neue Siemensstadt soll CO2-neutral, ein Vorbild in puncto Nachhaltigkeit und Innovation werden, zugleich aber ihre bauliche Geschichte unangetastet lassen.

Siemensstadt 2.0? Siemensstadt²? Darüber, wie Berlins neuer Bezirk heißen wird, kann abgestimmt werden

Im Spätsommer 2019 gewann das Berliner Architekturbüro Ortner&Ortner den Wettbewerb für die Gestaltung des Berliner Silicon Valley. Ein prägnantes Hochhaus im Zentrum, ein Stadtplatz, Hallen und Flächen für die kulturelle und öffentliche Nutzung, ein Hotel, Wohnungen und Büros planen dir Architekten konkret für Siemensstadt 2.0.

Einblick in ein innovatives Stadtquartier: Der Gewinnerentwurf des Architektenbüros von Ortner&Ortner für die neue Siemensstadt.
Einblick in ein innovatives Stadtquartier: Der Gewinnerentwurf des Architektenbüros von Ortner&Ortner für die neue Siemensstadt. Bild: SIEMENS

Wobei der Name noch nicht in Stein gemeißelt ist: Wie die Zukunftsstadt heißen soll, darüber können Berliner*innen derzeit auf der Webseite des Projekts im Bereich Bürgerbeteiligung abstimmen. Zur Auswahl stehen, typisch-deutsch, etwas starr klingende Bezeichnungen wie Berlinwerk Siemensstadt und Zukunftsfeld Siemensstadt.

Auch in anderen Belangen ist die öffentliche Meinung zu einem von Berlins größten Zukunftsprojekten gefragt: Ideen für die städtebauliche Planung können über die Siemens-Webseite ebenfalls eingeschickt werden.

Einige Details am Bebauungsplan sind noch umstritten

Einige Details zum Bau der neuen Siemensstadt bleiben indes noch umstritten: Um den Stadtteil besser an Berlins Zentrum anzubinden, soll bis 2029 die stillgelegte Siemensbahn reaktiviert und an das Berliner S-Bahn-Netz angeschlossen werden.

Stillgelegter Bahnof Siemensstadt: Schon 2029 sollen hier wieder Züge fahren.
Stillgelegter Bahnof Siemensstadt: Schon 2029 sollen hier wieder Züge fahren. Foto: Imago/Ritter

Wie das Berliner Abendblatt im November 2020 berichtete, kritisiert beispielsweise die Initiative Planungswerkstatt Neue Siemensstadt, der Anwohner*innen und Beschäftigte aus dem Kiez angehören, das Projekt werde vollkommen „übereilt“ umgesetzt. Die Bürgerbeteiligung sei „ungenügend“, der Anschluss der Siemensbahn komme für die geplanten Wohngebiete zu spät, darüber hinaus sei durch die neue Bahnlinie mit einer unverhältnismäßigen Lärmbelastung zu rechnen.

Ob der Bau für das Megaprojekt 2022 tatsächlich anläuft, bleibt abzuwarten – in der Vergangenheit hat sich Berlin, man denke an den BER, nicht gerade mit pünktlichem Zeitmanagement hervorgetan.


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