Stadtleben

Skaten in Berlin: Lennie Burmeister

LennyBurmeisterDer linke Arm von Lennie Burmeister, nun, der ist wirklich keine Schönheit. Unzählige Abschürfungen haben Krater in die Haut gegraben, am Ellbogen hat sich infolge harter Kollisionen eine wabbelige Beule gebildet. Doch eigentlich ist das nur Kinderkram. „Richtig übel ist eine ausgekugelte Schulter. Das tut höllisch weh“, sagt er. Den Verschleiß seines Körpers verdankt er seinem Job: Burmeister ist einer der wenigen deutschen Skateboard-Profis. Er hat all die großen Contests gefahren, wirbt für Textilfirmen und Getränke-Hersteller und jettet für Fotoshootings und Videodrehs um die Welt. Zum Beispiel nach Japan oder Neuseeland. Oder Kuala Lumpur, wo die Polizei wegen ihm eine Straße sperrte, weil sie fürchtete, seine auf einem Dach vollführten Tricks könnten zu Unfällen abgelenkter Autofahrer führen. „Ein Hammermoment, völlig surreal“, erinnert er sich lachend.

Seine Karriere begann Burmeister 1988 im niedersächsischen Nienburg. Zehn war er da und mochte es, dass es im Skateboarding so selbstbestimmt und zugleich familiär zuging. Er machte sich im nahen Bremen bald einen Namen als Allroundtalent, 1999 verschlug es ihn dann nach Berlin. „Die Stadt hat einfach das Terrain“, sagt er. Die Piazzetta am Kulturforum ist für ihn der „Traumspot schlechthin“, einer der besten weltweit. Aber auch das Unfertige und Imperfekte in Berlins Architektur reizt Burmeister. Wo andere runtergerockte Höfe oder kaputte Gehwege sehen, da sieht er Spots. „Beim Skaten geht es darum, mit Widrigkeiten umzugehen und diese zu meistern“, sagt er.

Das gilt insbesondere für einen Profi. Das viele Reisen, so Burmeister, sei schon toll. Zugleich müsse man aber immer wieder funktionieren. Das Abliefern eines Tricks, der hinterher auf dem Foto oder im Clip so leicht und locker aussieht, könne Stunden dauern. „Da willst du aufgeben, bist verzweifelt, dann hast du wieder Hoffnung und dann dauert es doch wieder länger – dass man da manchmal nicht durchdreht, ist fast schon ein Wunder.“

Burmeister hat jene „mentale Folter“ zurückgeschraubt. Er ist mittlerweile 33, mindestens drei Jahre will er noch auf hohem Niveau skaten. Was danach kommt – „mal schauen“. Er hat geschauspielert, unter anderem in der Hauptrolle in Ulrich Köhlers hochgelobtem Film „Bungalow“. Seine nahe Zukunft sieht er dennoch eher im Design und Bau von Skateparks in ganz Deutschland.

Beim Fototermin in „Betonhausen“, einem von Burmeister mitgestalteten Pool an der Skatehalle Friedrichshain, haut er sich aber noch mal rein. Nach dem gefühlt zehnten Versuch ist er mit seinem Frontside Ollie, einem Sprung über die Kante, immer noch nicht zufrieden. „Los, noch einen“, ruft er. „Ich bin doch gar nicht abgehoben.“ Und rollt erneut los.

Text; RF
Foto: Oliver Wolff
Burmeister auf DVD
„Bungalow“; D 2002; R: Ulrich Köhler; D: Lennie Burmeister, Trine Dyrholm, Devid Striesow; 84 Minuten; erschienen bei Filmgalerie 451; weitere Filmlinks siehe S.?23

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