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„Für Schwarz-Grün fehlt mir die Fantasie“

ParkerDie ältere Garde der Grünen scheint sich zu verabschieden, ist die Grüne Jugend jetzt am Zug?
Wir reden jetzt gerade mal über einen Zeitraum von zwei Wochen und es ist nicht so, dass alle auf einmal nur auf die Grüne Jugend gucken. Wir freuen uns allerdings sehr, dass Gesine Agena, unsere ehemalige Sprecherin, jetzt für den Bundesvorstand kandidiert. Wir hätten dann für unsere Positionen direkt eine Ansprech­partnerin in der Parteizentrale.

Wie unterscheiden sich die Positionen von denen der Grünen Partei??
Zum Beispiel beim Fiskalpakt hätten wir gerne deutlich gemacht, dass wir eine andere Vorstellung von Europa haben. Und in der Debatte um den Atomkompromiss sehen wir die Dinge auch anders.

Wie haben Sie den Wahlabend erlebt??
Zunächst mal war ich einfach komplett erschöpft wie viele, die Wahlkampf gemacht haben. Und auch enttäuscht, sicher. Aber auf der anderen Seite – wir sind ja nun nicht gerade aus dem Bundestag geflogen. Es gibt also auch bei mir keine Existenzkrise. Wir müssen einfach überlegen, was wir daraus jetzt machen.

Was wäre das aus Sicht der Grünen Jugend?
Die Menschen dürfen auf gar keinen Fall Angst vor uns bekommen. Wir sind eben nicht die Verbotspartei, das müssen wir einfach noch mehr rausstellen.

Sondern?
Wir sind nicht nur Veggie Day, wir setzen uns ein für eine bessere Flüchtlingspolitik, für eine offene und gerechte Gesellschaft, für ein anderes Europa.

Ökologie?
Ja, sicher auch. Aber die Debatte ist schwer zu führen, wenn wir Gerechtigkeitsaspekte außen vor lassen.

Da wären wir bei der leidigen Steuer­diskussion.
Ja, und ich glaube, das einstimmig beschlossene Finanzkonzept ist richtig, auch wenn wir viel Haue dafür bekommen haben. Es war aber nicht hilfreich, dass prominente Grüne sich kurz vor der Wahl davon distanziert haben.

Meinen Sie Winfried Kretschmann?
Nicht nur, es war von einigen Seiten schwierig.

Politiker wie Kretschmann lassen einige auf  eine schwarz-grüne Koalition hoffen.
Also, das Wahlergebnis ist ja interessanterweise für alle Parteien irgendwie unerfreulich. Für mich persönlich kann ich sagen, dass mir die Fantasie für Schwarz-Grün fehlt, ich kann mir Jürgen Trittin nicht als Vizekanzler unter Angela Merkel vorstellen. Und ich sehe inhaltlich bei unserem Programm kaum Überschneidungen. Und eine Regierung­ nur um der Regierung willen ist auch sinnlos.

Also eher Rot-Rot-Grün?
Das wird sich zeigen.

Interview: Iris Braun

Foto: Oliver Wolff

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