Stadtleben

Spanier

Spanier also. Davon gibt’s ja in Berlin jede Menge. Nicht so viele, die bleiben, dafür umso mehr Touristen. Sie sind meist in Gruppen unterwegs, in denen streng darauf geachtet wird, dass die Durchschnittsgröße der spanischen Nationalmannschaft nicht überschritten wird. Eher klein bemessen ist auch ihr Taschengeld für den Urlaub in Berlin – jedenfalls haben die Angestellten der Weinerei, wo man so viel für Essen und Trinken bezahlt, wie man angemessen findet, vor nichts so viel Angst wie vor Spaniern, die sich zu fünft für zehn Euro betrinken und den Bauch vollschlagen.

Spanien_www.postkarte-verschicken.de_Axel_MuellerDennoch hat man natürlich in Deutschland die Spanier sehr lieb. Das waren ja immer die nicht ganz so fremden Gastarbeiter – also ohne Kopftuch und Minarett – und außerdem kennt man ihr Land als belieb­tes Urlaubsziel mit südlicher Sonne und deutschem Bier. Ein Kollege von mir hat jahrelang in einer großen deutschen Tageszeitung über seine andalusische Fami­lie geschrieben; wie sein Vater Knoblauch im Schreber­garten anpflanzt und sein Bruder in Madrid ein Auto kauft. Die Kolumne war der absolute Renner. Auf dem Ticket „heißblütiger Spanier“, der auch noch druckreif schreibt, kann man unheimlich gut reisen. Spanische Männer sind hier sehr begehrt – vor allem bei Frauen, die Exotik suchen, dafür aber nicht die EU verlassen wollen oder generell nicht auf Rasta­lo­cken stehen. Die suchen sich gern einen Spanier mit torrerohaftem Blick und einem süßen Sprachfehler.

Nur spanische Frauen sind hier nicht so gern gesehen, vor allem die katalanischen müssen vorsichtig sein. Das liegt an der „taz“, die mit einer ganzen Serie über die katalanische Frau als solche die Atmosphäre vergiftet hat. Der „taz“ nach ist die katalanische Frau eine aufgedonnerte Zicke, die in hochhacki­gen Schuhen schlecht gelaunt durch das Leben stakst – immer auf der Suche nach einem Mann, der ihr Nichtstun finanziert. Das Klima in der Stadt ist also nicht so doll für spanische Frauen.

Insgesamt müssen wir Berliner uns aber wieder mehr um die Spanier kümmern. Neulich gab es so eine Art Schrei nach Zuwendung. Für ein paar Tage hatte der Fremdenverkehrsverband der kanarischen Inseln den ganzen Alexanderplatz gemietet und mit seltsamen Zelten zugestellt, in denen für die Inseln geworben wurde. Dabei hatte man gedacht, dass die Berliner eh seit Jahrzehnten dorthin fahren: die Schwulen nach La Palma, die alleinstehenden Kreuzbergerinnen nach Gomera, die Charlottenburger nach Gran Canaria. Diese Liebe scheint ein wenig abgekühlt. Aber auch umgekehrt handelt es sich nicht gerade um eine Herzensangelegenheit. Wenn man Spanier fragt, warum so viele von ihnen Berlin besuchen, sagen die meisten, dass es schön billig hier ist.

Foto: www.postkarten-verschicken.de_Axel Müller/Pixelio 

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