Stadtleben

Spaßschloss

Es ist nicht ganz schlüssig, was sich die ehrenwerte Redaktion von „Monopol“ hat einfallen lassen, das sogenannte Stadtschloss ein paar ausgesuchten Künstlern zum Fraß vorzuwerfen. Es ist nach Besichtung der verschiedenen Vorschläge irgendwie immer dasselbe. Wer Jonathan Meese einlädt, sich am Schloss zu versuchen, der muss sich doch darüber im Klaren sein, dass dabei nur Nonsens herauskommen kann.

SchlosspalastVollkommen klar dürfte auch gewesen sein, dass auch Thomas Rentmeister nur seine Idee recyceln würde. Er hüllt die Schlossfassade in Penatencreme ein und löst damit auch nur Achselnzucken aus.

 
Vorhersehbar war und ist genauso, dass Christoph Schlingensief das Gebäude in ein afrikanisch angehauchtes strohbedecktes Etwas verwandeln würde. Es tut mir aber wirklich weh, wenn der angebliche Ironiker Daniel Knorr das Stadtschloss präsentiert „wie eine Westberliner Millionärsgattin, die aus Versehen einem Kardinal das Kreuz geklaut hat“. Da fällt mir kaum etwas anderes ein, als dem jungen Mann mit seinen festzementierten Vorurteilen und Aversionen zu empfehlen, sich selbst einen Kranz zu kaufen, auf eine nahe gelegene Friedhofsmauer zu setzen und darauf zu warten, bis er dran ist.

 Richtig langweilig ist auch der Vorschlag von Anselm Reyle, dem nichts anderes einfallen will, als dem Schloss die hässliche Fassade des Palastes zu verpassen. Allein Andreas Hofer setzt dem Schloss tatsächlich eine andere Krone = Ikone auf. Er macht aus dem Schloss das Raumschiff, das Spielberg in „Die unheimliche Begegnung der dritten Art“ landen ließ.

Nun gut. Der Albernheiten sind genug gewechselt. Nun lasst uns endlich Kunst sehen, die nichts mit der Schlossfassade zu tun hat. Oder schreibt doch noch einen neuen Wettbewerb aus, der noch viel alberner ist. Der hässliche Berliner Dom verdiente dringend eine Modernisierung, das Zeughaus sollte endlich auf seine martialischen Verzierungen verzichten, und die Straße Unter den Linden beim kommenden U-Bahnbau völlig abgerissen und im Geist des 21. Jahrhunderts neu errichtet werden. Aber bitte nicht von Künstlern.

Foto: Anselm Reyle

 

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