Stadtleben

Spreepark-Zwangsversteigerung

SpreeparkKann man Kindheitserinnerungen versteigern? Der leicht bange Blick ganz weit oben vom Riesenrad über die damals noch geteilte Stadt: zum Ersten. Das Rumpeln in den glücklicherweise absolut trabant­unähnlichen Autos des Bummi-Kinderkarussells: zum Zweiten. Zuckerwatte, Zuckerwatte, Zuckerwatte: zum Dritten.
Nun wird das Erbbaurecht für den Vergnügungspark, der nach der Wende ab 1992 Spreepark hieß, am 3. Juli, 10 Uhr, beim Amtsgericht Köpenick zwangsversteigert. Das zuständige Finanzamt möchte endlich seine rund 100?000 Euro Grundsteuerschulden zurückhaben.

Der Bezirk schreibt für das Grundstück auch weiterhin einen Vergnügungspark vor. Zu schön wär‘s. Einige Interessenten für das vor mehr als zehn Jahren geschlossene, wie verwunschen zugewachsene 30-Hektar-Areal mit überwiegend schrottreifen Fahrgeschäften hatten in den letzten Jahren abgewinkt, von den Bar-25-Leuten bis zu internationalen Freizeitparkunternehmen. Der neue Besitzer sollte etwas Zeit mitbringen, der zu ersteigernde Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2061. Und natürlich: Geld. In der ersten Bieterrunde sind, der Verkehrswert ist auf 1,62 Millionen Euro beziffert, mindestens 900?000 Euro fällig. Für die allermeisten Gläubiger der 2002 pleite­gegangenen Spreepark GmbH von Norbert Witte dürfte sich dieses ­Ende nach dem Titel der letzten Veranstaltung vor der Versteigerung anfühlen: „Spuk unterm Riesenrad“, das Open-Air-Remake der DDR-Serie. Die rund 15 Millionen Euro an Altschulden der GmbH, die vor allem bei den Banken aufgelaufen sind, gehen damit nämlich, anders als die Kindheitserinnerungen, verloren.     

Text: Erik Heier
Foto: imago_stock_people

 

Kultur und Freizeit in Berlin

 

 

Mehr über Cookies erfahren