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Keine Lust auf EM-Finale? Was ihr stattdessen am Sonntag tun könnt

Es ist wirklich nicht leicht, sich der dauernden Fußball-Partystimmung zu entziehen. Und das Finale der EM 2024 wird Berlin fest im Griff haben. Die Biergärten ausgebucht, die Plätze auf der Fanmeile umkämpft – kann schon sein, dass einem das überhaupt nicht gefällt. Aber keine Sorge: Wir zeigen euch Veranstaltungen am 14. Juli, bei denen ihr entspannt euren Besuch planen könnt, wenn der Platz mit der besten Sicht auf die Leinwand für euch eher Nebensache ist. Und falls ihr doch das Spiel sehen wollt: Irgendwer hat erfahrungsgemäß immer einen Fernseher aufgestellt.


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Sommerfest im Haus am Waldsee

Das wunderbare Haus am Waldsee macht ein Sommerfest am Tag des Finalspiels – und hat Jenny Erpenbeck eingeladen. Foto: Imago/Schöning

Sollen die Leute sich doch den Public-Viewing-Stress alleine machen. Das Haus am Waldsee hat für den 14. Juli das Sommerfest angesetzt und bietet euch Kunst und Kultur statt Fußball. Der Kunstort im Südwesten der Stadt zeigt momentan Josephine Prydes Schau „How Frequency The Eye“ und hat darüber hinaus ein kleines Partyprogramm auf die Beine gestellt. Euch erwarten Performances von ML Buch, Gray Voice Ensemble, Niclas Riepshoff und TDD Bon Appétit und eine hochkarätige Lesung: Jenny Erpenbeck, die kürzlich den International Booker Prize gewonnen hat, kommt mit ihrem Buch „... über Christine Lavant“ aufs Sommerfest. Das feine Café im Haus am Waldsee ist natürlich ebenfalls geöffnet.

  • Haus am Waldsee Argentinische Allee 30, Zehlendorf, 14.7. 13–20 Uhr, Sommerfest: Eintritt frei, Ausstellung: 8, erm. 5 Euro, mehr Infos hier

Sommerfest im Jüdischen Museum

Gemeinsames Mannschaftsfoto von FC Viktoria 89 Berlin und TuS Makkabi Berlin. Letztere machen mit beim Sommerfest des Jüdischen Museums. Foto: Imago/Matthias Koch

Gut, die Wahrscheinlichkeit, dass ihr bei diesem Sommerfest so gar nicht mit Fußball in Berührung kommt, ist gering: Das Jüdische Museum stellt seine Party im Rahmen des Fußballkultursommers klar unter ein sportliches Motto. Im Museumsgarten wird gedribbelt und gekickt, der TuS Makkabi Berlin hat einen Parcours aufgebaut, Livemusik gibt es auch, und natürlich könnt ihr die Ausstellungen besuchen.

  • Jüdisches Museum Berlin Lindenstraße 9-14, Kreuzberg, 14.7. 14–19 Uhr, Eintritt frei, online

„Ku’damm 59 – das Musical“

Szene aus „Ku’damm 59“: Das Stück läuft auch am 14. Juli. Foto: Dominic Ernst

Vor drei Jahren feierten Peter Plate, Annette Hess und Ulf Leo Sommer als Kreativ-Team ihr Musical-Debüt mit „Ku’damm 56”, der Adaption des gleichnamigen Fernsehfilms (Drehbuch: Annette Hess). Jetzt geht die Geschichte der Schöllack-Schwestern Monika, Eva, Helga und deren Mutter Caterina in die nächste Runde. Wiederum handelt es sich um mehr als einen reinen Feelgood-Abend: Neben Themen wie Emanzipation wird auch das Schweigen über die NS-Zeit thematisiert. Das Stück läuft am Sonntagnachmittag, aber wer fest entschlossen ist, das Endspiel zumindest teilweise zu verpassen, kann sich ein Ticket für die Abendvorstellung um 19.30 Uhr buchen. Eine Pause ist eingeplant, rund zwei Stunden und 40 Minuten dauert die Vorführung.

  • Theater des Westens Kantstraße 12, Charlottenburg, 14.7., 19.30 Uhr, mehr Infos und Tickets in verschiedenen Platzkategorien hier

„Wir shufflen das“: Non-stop-Party im Sisyphos

Schlange vorm Sisyphos. Im Club in Rummelsburg könnt ihr getrost das große EM-Finale ignorieren. Foto: Imago/Emmanuele Contini
Schlange vorm Sisyphos. Im Club in Rummelsburg könnt ihr getrost das große EM-Finale ignorieren. Foto: Imago/Emmanuele Contini

„Ob Shuffeln, Hiphop oder Ballett, legt heiße Sohlen aufs Parkett! Von Freitag bis Montag ohne Pause tanzt ihr auf der Sisy-Sause!“, lässt der Club verlautbaren. So lange die Party fett ist, lassen sich stumpfe Reime verzeihen. Die Feier im Sisyphos ist wie gewohnt ausufernd, am Freitag geht es los, und am Montagmorgen dürften dann die Letzten den Club verlassen. Zwischendurch gar nicht zu bemerken, dass das Endspiel stattfindet, dürfte leicht sein. Mehr Partys am Wochenende in Berlin findet ihr hier.

  • Sisyphos Hauptstraße 15, Rummelsburg, Fr 12.7., 22 Uhr bis Mo 15.7., 10 Uhr, mehr Infos hier

„Turandot“ an der Staatsoper

„Turandot“ läuft am 14. Juli zum letzten Mal in dieser Spielzeit an der Staatsoper. Foto: Matthias Baus
„Turandot“ läuft am 14. Juli zum letzten Mal in dieser Spielzeit an der Staatsoper. Foto: Matthias Baus

Philipp Stölzl agiert seit vielen Jahren als medialer Grenzgänger zwischen Theater, Oper und Film – zuletzt lief seine Adaption von Stefan Zweigs „Schachnovelle“ im Kino. Im Musiktheater konzentriert er sich seit 2013 mit der beeindruckenden Inszenierung von Verdis „Il Trovatore“ vor allem auf italienische Komponisten. Giacomo Puccinis letzte Oper „Turandot” (1926) blieb unvollendet. Stölzl bringt die Titelfigur als überlebensgroße Marionette auf die Bühne, die von einem totalitaristisch geprägten, uniformen Volk angebetet wird. Der venezolanische Dirigent Rafael Payare steht am Pult der Staatskapelle Berlin. Am Ende erklingt das von Franco Alfano nach Skizzen Puccinis komponierte Finale zum letzten Mal in dieser Spielzeit. Um 21 Uhr lädt die Staatsoper sogar zu einer späten Führung ein, die allerdings schon ausverkauft ist. Wer an den Tagen vorm Fußball-EM-Finale kostenlos in den Genuss kommen will, kann sich bei der „Staatsoper für alle“ ein Plätzchen sichern.

  • Staatsoper Unter den Linden 7, Mitte, So 14.7., 18 Uhr, mehr Infos und Tickets hier

Oktoberfest – the Musical

„Oktoberfest” im Renaissance-Theater: Wenn ihr wollt, könnt ihr nach dem Schlussapplaus noch in Charlottenburg zum Public Viewing. Foto: Ann-Marie Schwanke – Siegersbusch

Autor Phil LaZebnik und Komponist Harold Faltermeyer entwickelten das Musical vor einigen Jahren in Los Angeles. Darin wird die Entstehung des legendären Oktoberfestes erzählt. Vielleicht historisch nicht ganz genau, dafür umso vergnüglicher. Faltermeyers Wunschregisseur für die deutsche Premiere war Guntbert Warns, der den Spaß mit u.a. Christoph Marti und Tobias Bonn (Geschwister Pfister) sowie Winnie Böwe inszeniert. Noch bis zum 11. August ist der blau-weiße Lokalkolorit zu erleben, am Tag des Finalspiels der Fußball-EM läuft der Spaß sogar so früh, dass ihr danach noch Chance habt, eine Leinwand zu finden – oder Reißaus zu nehmen.

  • Renaissance-Theater Knesebeckstraße 100/Hardenbergstraße, Charlottenburg, So 14.7., 16 Uhr, weitere Infos hier

Ins Freiluftkino statt zum EM-Finale: „How to have sex“

Das Freiluftkino Insel macht in diesem Sommer wieder Station in den Atelier Gardens in Tempelhof. Und wenn ihr am Abend des Finalspiels wirklich keine Lust auf Fußball haben solltet, dann könnt ihr es euch dort bequem machen. Gezeigt wird Molly Manning Walkers gefeiertes Coming-of-Age-Drama „How to have sex“ aus dem Jahr 2023 über drei Teenagerinnen und einen Sommerurlaub, in dem die 16-jährige Tara fest entschlossen ist, ihr erstes Mal zu erleben. Was sonst noch in den Freiluftkinos läuft, seht ihr in der Programmübersicht für Berlin.

  • Freiluftkino Insel in den Atelier Gardens Oberlandstraße 26-35, Tempelhof, So 14.7., 21.30 Uhr, weitere Infos und Programm hier

Gaswerk Music Days

Markant: die Gaswerksiedlung. Das Gelände rund um die Klinkerhäuser wird zum Schauplatz für ein Musikfestival. Foto: Imago/Hohlfeld

Die Gaswerksiedlung in Rummelsburg ist ein architektonisches Kleinod, ein Traum aus dunklem Backstein. Am Wochenende des EM-Finales kommt dort richtig Leben in die Bude: Bei den „Gaswerk Music Days“ geht es drei Tage lang um experimentelle Klänge. Am Sonntag sind unter anderem Newen Afrobeat und The Heliocentrics dabei. Los geht es um 16 Uhr, in der Nacht erwarten euch DJ-Sets nach den Konzerten, und ach: Das EM-Finale wird auch irgendwo übertragen. Mehr über die „Gaswerk Music Days“ lest ihr hier.

  • Gaswerksiedlung Blockdammweg, Rummelsburg, So 14.7. ab 16 Uhr, Tageskarte 46,90 Euro, mehr Infos zum Festival und zum Programm von Fr–So hier

Berliner Bilderbuchfest

Bilderbuchfest am Helmholtzplatz. Foto: Buchbox

An mehr als 30 Ständen, auf der dann gesperrten Lettestraße, können Klein und Groß zwischen 10 und 17 Uhr durch die schönsten Bilderbücher stöbern. Daneben gibt’s Bastel-Workshops, ein Lesezelt, Livemusik, eine Tombola, Kinderschminken, leckere Crêpes und einen eigenen tipBerlin-Stand. Wenn ihr danach noch mehr Zeit am Helmholtzplatz verbringen wollt, empfehlen wir das Ita-Bistro.

  • Bilderbuchfest Lettestraße/Helmholtzplatz, Prenzlauer Berg, 14.7. ab 10 Uhr, mehr Infos hier

Escher in Motion

Spiel mit Eschers reflektierender Kugel – Foto: Pablo Lapettina / Theater Thikwa

Als bildender Künstler gelang es M.C. Escher, Unmögliches darzustellen und Paradoxien auf Papier zu bringen. Choreografin Linda Weißig und Sound- und Videodesignerin Adi Kum übersetzen das zusammen mit dem inklusiven Thikwa-Ensemble in furiose Bewegungsdramaturgien. Mehr zu „Escher in Motion“ lest ihr hier.

  • Theater Thikwa Fidicinstr. 40, Kreuzberg, So 14.7., 20 Uhr, Website

Bustour zu Orten queerer Geschichte

Klaus Nomi wurde in New York berühmt – und hat an der Deutschen Oper Berlin vorher einst als Platzanweiser gearbeitet. Foto: Imago/United Archives

„Constellations – The Bus Tour“ heißen die Veranstaltungen am Wochenende des EM-Finales, die sich mit nicht mehr existierenden, zerstörten, untergegangenen oder verdrängten Orten queerer Geschichte in Berlin befassen. Die Busfahrt führt unter anderem zur Deutschen Oper, die als wichtiger Treffpunkt der Berliner Schwulenszene in den Blick genommen wird und die auch für den späteren Avantgarde-Star Klaus Nomi eine wichtige Station im Leben war. Eine weitere Station ist das Gründerzeitmuseum von Charlotte von Mahlsdorf. Rund vier Stunden seid ihr unterwegs, vier Touren gibt es, und Sonntagabend wird zum Abschluss gefeiert.

  • Treffpunkt: Markgrafendamm 20a, Friedrichshain, Endunkt: Deutsche Oper, Sa 13.7. 12+17 Uhr, So 14.7. 12+17 Uhr, Teilnahme kostenlos, Programm und Registrierung hier

Tanzen im Gropius Bau

Alice Chauchat, Dance Gathering, 2021–fortlaufend © Konstanze Flamme

Die Choreografin Alice Chauchat schafft Begegnungsräume und lädt Berliner:innen dazu ein, gemeinsam mit ihr und der Sounddesignerin Manuela Schininà diese Räume mit sozialer Interaktion zu füllen. Vorkenntnisse sind dafür nicht nötig, es geht um Intimität und natürlich Unbeholfenheit, denn was auch immer in den zwei Stunden passiert: Es wird nicht völlig glatt laufen, wenn ihr euch spontan aufeinander einstimmt. Wer früher kommt oder länger bleibt, schaut sich noch den Rest des „Radical Playgrounds“-Kunstparcours an, der nur noch bis zum Tag des Finalspiels zu erleben ist.

  • Gropius Bau Parkplatz Stresemannstr. / Ecke Niederkirchnerstr., Kreuzberg, So 14.7., 18 Uhr, Einlass ab 16.30 Uhr, Eintritt frei, mehr Infos hier

Mehr zum Thema

Okay, dann doch lieber Fußball? Berlins beste Public-Viewing-Orte zur EM 2024 stellen wir hier vor. Das Wichtige auf einen Blick: Hier ist der tipBerlin-Guide zur Fußball-EM 2024. Vom Museum bis zum Theater empfehlen wir diese Kulturveranstaltungen rund um die Fußball-EM. Berlin ist eine Fußballstadt: Diese legendären Stadien erzählen Stadtgeschichte. Nicht alle haben Bock auf Fußball: EM, nein danke! Was geht sonst? 12 Highlights im Juli in Berlin. Noch mehr erleben: Alle Tagestipps für Berlin hier.

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