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Stefan Schridde über seinen Murks.Showroom

murks_2BP8818_A_1Herr Schridde, Sie kennen das: erst der Auswahl-Stress vor dem Kauf eines Druckers oder einer Espressomaschine. Und dann macht das Gerät nur wenige Monate nach Ablauf der Garantie schlapp.?
Hersteller bauen ihre Produkte oft nur für die Dauer der Gewährleistungszeit. Man will gerne wieder neue Produkte verkaufen. Weswegen sich die Produktqualität zunehmend verschlechtert hat.

Sie sprechen oft von „geplanten Obsoleszenzen“. Das klingt nach Verschwörung. ?
Der Beweis für geplante Obsoleszenzen ist eindeutig erbracht. Wir haben diesbezüglich letztes Jahr ein Gutachten herausgebracht, das bis heute unwidersprochen ist. Inzwischen haben sich der Bundestag und Ministerien des Themas angenommen. Die Verbraucherzentralen verlinken auf Murks-nein-danke.de, das Umweltbundesamt erstellt eine weitere Studie und die Stiftung Warentest legte weitere Beweise vor.


Gibt es bestimmte Produktarten, die in dieser Hinsicht besonders negativ auffallen??
Man findet diese Problematik stark im elektrischen Bereich, also bei Druckern, Computern, E-Books, Navigationsgeräten oder Haushaltsgeräten. Man findet Murks aber auch im Textilbereich: Reißverschlüsse, die wegen ihrer schlechten Qualität nicht mehr schließen, oder Schuhsohlen, die sich schnell abreiben.

Führen Sie bei Murks-nein-danke.de auch eine Positivliste? Über Produkte, die sich als sehr haltbar erwiesen haben? ?
Selbst wenn es so eine Positivliste geben und man beispielsweise Produkte benennen würde, die drei und mehr Jahre gehalten haben, dann würde man diese Sachen nur noch gebraucht bekommen, denn die Sortimente ändern sich ständig. Deswegen auch der Tipp, ruhig mal öfter zu Gebrauchtwaren zu greifen: Was lange gehalten hat, hält meistens noch länger.

Was wird im Murks.Showroom, der am 5. März eröffnet, zu sehen sein? ?
Wir zeigen dort Murks-Exponate, die mir Konsumenten zugesandt haben. Man muss einfach mal sehen und anfassen können, was da alles kaputtgeht. Aber es geht auch um Aufklärung: Wie erkenne ich Murks rechtzeitig beim Einkaufen? Wir laden die Besucher ein, ihre vermurksten Sohlen vorbeizubringen. Es ist eine Wanderausstellung, die wir zusammen mit der IG Metall durch Deutschland reisen lassen werden. Es ist der erste Schritt zu dem geplanten Murkseum, wo wir uns dem Thema Murks auf tausend Quadratmetern umfassend widmen wollen.

Interview: Eva Apraku

Foto: Benjamin Pritzkuleit

[email protected] METALL Haus der IG Metall, Alte Jakobstraße 149, Kreuzberg, 5.3.–2.4., Mo–Do 9–18 Uhr, Fr 9–14.30 Uhr, www.murkseum.de/showroom

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