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„Hey Tiktok, wie viel ist dir Sicherheit wert?“ – Beschäftigte streiken

Text: Ruta Dreyer
Veröffentlicht am: 29.07.2025
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TikTok will Moderator:innen in Berlin entlassen und durch KI ersetzen. Rund 160 Arbeitsplätze wären betroffen. Am 28. Juli sind die Beschäftigten zum zweiten Mal in den Warnstreik getreten.

Kundgebung während des Tiktok-Streiks vor dem Arbeitsgericht Berlin. „Hey Tiktok! Wie viel ist dir Sicherheit wert?“ ist eine der Fragen auf den Transparenten. Foto: tipBerlin

„Seitdem wir uns mit unserer prekären Lage endlich Gehör verschafft haben, trage ich voller Stolz diese neongelbe Weste“, verkündet Sara in ihrer Rede vor dem Arbeitsgericht Berlin. Neben ihr stehen ihre Kolleg:innen, Tiktok-Beschäftigte wie sie, die sich mit gelben Westen über der Brust, schwarzen Caps auf dem Kopf und und weißen ver.di-Fahnen in der Hand zum Streik versammelt haben. Schulter an Schulter stehen sie inmitten einer Geräuschkulisse aus Pfeifen und Rufen, die man schon von Weitem hört.

Es ist der zweite Warnstreik der Tiktok-Moderator:innen in Berlin. Nach der Ankündigung des Unternehmens im März, etwa 160 Beschäftigte entlassen und durch eine KI ersetzen oder die Aufgaben an andere Dienstleister auslagern zu wollen, haben sie begonnen, Protest zu organisieren. In der vergangenen Woche fand der erste Warnstreik statt. Bei dem Termin im Arbeitsgericht am 28. Juli wollte Tiktok eine Einigungsstelle zur Beschleunigung der Kündigungen anrufen. Zeitgleich fand eine Kundgebung vor dem Gebäude statt.

„Diese Menschen vor mir, das sind meine Schwestern und Brüder, weil wir die gleichen Sorgen teilen, die gleiche Wut und Frust gegenüber unserem Arbeitgeber, aber auch die gleiche Hoffnung“, ruft Sara. Besonders schwerwiegend ist die Situation für ausländische Beschäftigte, deren Aufenthaltsgenehmigung an eine Erwerbsarbeit gebunden ist. Die Gewerkschaft ver.di fordert vom Unternehmen drei Jahresgehälter als Abfindung und eine Verlängerung der Kündigungsfristen.

Den Pfeiler für Sicherheit ausreißen

Die Entlassungen sollen vor allem die „Trust-and-Safety-Abteilung“ betreffen, also jene Abteilung, die für die Überprüfung der Posts hinsichtlich geltender Vorschriften und Gesetze verantwortlich ist.

Politische Manipulation und Diskriminierung kommen in den sozialen Medien immer häufiger vor, entsprechend wichtig ist es, das zu erkennen und zu unterbinden. Diese Arbeit kann aufgrund der oftmals gewaltvollen Inhalte eine extreme psychische Belastung sein.

In einem Redebeitrag des Professors Hendrik Heuer vom Center for Advanced Internet Studies auf der Kundgebung wird klar, dass KI alleine für diese Aufgabe nicht ausreichend ist, da ihr oftmals das kontextuelle Verständnis zum Erkennen bestimmter Inhalte fehle. Für den Beschäftigten Yousef geht es beim Streik deshalb um zwei Ebenen: die persönliche, auf der es um die individuellen Arbeitsplätze geht, aber auch die gesellschaftliche, also die Aufgabe, einen möglichst sicheren Raum in den sozialen Medien zu erschaffen. Auch er selbst sieht sich hier jeden Tag mit Rassismus konfrontiert.

Der Streikende Ali sieht es ähnlich: „Wie soll es sicherer werden, wenn man den Pfeiler rausnimmt, der für Sicherheit dasteht?“, fragt er. Besonders perfide ist, dass die Streikenden selbst die KI zuvor trainierten, die sie nun ersetzen soll.

Streik bei Tiktok geht über Berlin hinaus

Bereits der erste Streik der Tiktok-Moderator:innen hat bundesweit Wellen geschlagen, nicht zuletzt, weil es der erste bei einer Social-Media-Plattform in Deutschland überhaupt ist. Doch die Diskussion, ob Arbeitsplätze in Zukunft immer häufiger durch eine KI ersetzt werden, geht über den Sektor der sozialen Medien hinaus. Der Streik stellt damit nicht nur einen berlinschen Arbeitskonflikt dar, sondern ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Spannungsfelds mit Konfliktlinien, die sich womöglich gerade erst beginnen abzuzeichnen.

Für die Streikenden ist klar, dass sie die Auswirkungen dieses gesellschaftlichen Umbruchs nicht einfach so hinnehmen werden. Ali betont: „Wir werden kämpfen“. Tatsächlich ist gewerkschaftliche Arbeit der Belegschaft bei TikTok kein Fremdwort. Während der gewerkschaftliche Organisierungsgrad bei circa 70 Prozent liegt und 2022 die Gründung eines Betriebsrats erfolgte, finden zudem regelmäßige Treffen einer Betriebsgruppe statt.

„We trained your machines: Pay us what we deserve“, rufen die Streikenden kämpferisch. „Unsere Hoffnung macht uns stark, Tiktok die Stirn zubieten“, lässt Sara in ihrer Rede verlauten. Auf dem Platz vor dem Arbeitsgericht ist eine Sache am stärksten zu spüren: Solidarität.


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