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In Berlin steigen die Syphilis-Zahlen trotz Pandemie – dafür gibt es einen Grund

Eigentlich kann es ja gar nicht sein. Große Teile der ersten Jahreshälfte sollten wir zuhause bleiben. Mal bei uns bleiben. Und vor allem keinen Fremden (oder auch Bekannten) zu nahe kommen. Trotzdem, die Zahlen lügen nicht: Die Zahl der Syphilis-Neuinfektionen in Berlin ist in der ersten Jahreshälfte 2020 gestiegen. Nanu?

Sex macht meist Spaß, Syphilis tatsächlich eher nicht. Foto: Imago Images/agefotostock

Berlin ist schon länger als Hauptstadt der Syphilis bekannt

Neu ist es ja nicht, dass Berlin die Hauptstadt der Syphilis ist. Seit Jahren ist die Hauptstadt ganz vorne dabei, wenn es um die prozentuale Verbreitung geht. Und wahrscheinlich auch bei diversen anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Das ist schon deshalb wenig überraschend, weil kaum eine andere Stadt so viele freizügige Partys bietet, so viele Sexclubs, so viele Cruising Areas und Swingerfeste. Bekanntlich fallen dort, wo gehobelt wird, Späne. Viele lassen sich allerdings schwer zusammenkehren, statistisch. Denn: Viele Geschlechtskrankheiten sind nicht meldepflichtig. Es gibt nur gefühlte Werte.

Bei der Syphilis ist das anders. Hier gibt es harte Fakten – vom Robert-Koch-Institut. Hier zählte man im Zeitraum Januar bis Juli in Berlin 690 Infektionen. Im Vorjahreszeitraum waren es dagegen 651. Immerhin doch knappt 40 Fälle mehr. Was natürlich nicht weltbewegend ist. Aber in Zeiten einer Pandemie eben doch bemerkenswert.

Syphilis überträgt sich vergleichsweise langsam

Die Deutsche Presse-Agentur hat angesichts der Zahlen mit dem Berliner Arzt Sven Schellberg gesprochen. Der erklärte: „Während der Corona-Zeit hat die Zahl der Erkrankungen zugenommen, für die man etwas längere Kontakte braucht“ Und Syphilis überträgt sich tatsächlich verhältnismäßig langsam. Je länger das Liebesspiel, umso wahrscheinlicher die Übertragung.

Das Bakterium Treponema pallidum, hier als Illustration, ist verantwortlich für Syphilis. Grafik: Imago/agefotostock

Der Experte sieht da nun auch die Ursache für den Anstieg. Denn während der Zeit der beschränkten Sozialkontakte kann der*die sexhungrige Großstädter*in nicht wie sonst mal eben in den Puff, den Saunaclub oder zu 27 Grindr-/Tinder-/etc-Dates sprinten.

Weil der Druck aber manchmal stärker ist als Berlins Corona-Regelwerk, würden eben doch einige weiter Sex haben (wieder keine Überraschung). Nur eben häufiger mit gleichen Partner*innen. Und eben weniger schnell. Auf dem heimischen Sofa bumst es sich im Zweifel entspannter als im Berghain. Und da nehmen sich viele mal so richtig Zeit. Wobei natürlich grundsätzlich auch eine Infektion schon bei einem Kuss passieren kann, wenn es schlecht läuft.

Kein spaßiges Pandemie-Souvenir

Ein spaßiges Pandemie-Souvenir ist Syphilis übrigens nicht. Zuerst erleben Infizierte grippeartige Beschwerden, etwa Fieber, Antriebslosigkeit, häufig Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Dann kommt es zu harten Lymphknotenschwellungen. Später kann es zu Knoten führen, die aufbrechen und zu Geschwüren werden. Das Gute: Früh erkannt lässt sich die Infektion gut mit Antibiotika in den Griff bekommen.

Was lernen wir also daraus? Dass einige umtriebigen Berliner*innen wohl gerade mehr Zeit für ausgewählte Partner*innen haben und ihnen so Syphilis ins Haus schleppen. Aber auch, dass der launige Gruppensex im Parkgebüsch (den es diesen Sommer durchaus an gewissen Orten regelmäßig gab) zwar unter Corona-Gesichtspunkten eine Katastrophe war. Bei schnellem Partner*innenwechsel aber zumindest das Syphiulisrisiko etwas geringer ist. Eine tolle Erkenntnis… irgendwie.

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