Stadtleben

Tacheles reden

Der Rat für die Künste gratuliert dem Kunsthaus Tacheles zu seinem 20. Geburtstag am 13. Februar. Heiner Müller bezeichnete 1991 das Tacheles als das neue Symbol des zusammenwachsenden Berlins – neben dem Brandenburger Tor“, so beginnt eine Pressemitteilung, um zu urteilen: „20 Jahre nach dem Fall der Mauer und 20 Jahre nach der Gründung des Kunsthauses steht das Projekt vor dem Aus, das wie kaum ein anderes modellhaft für den Aufbruch einer jungen Generation von Künstlerinnen und Künstlern steht, die sich in den wilden 90er Jahren Freiräume erschlossen, um sie kreativ mit Leben und Arbeiten auszufüllen.“ Das Credo hieß damals: „Die Ideale sind ruiniert, rettet die Ruine!“

Der Rat der Künste analysiert die Lage ein wenig und fragt: „Obwohl das Projekt im Kulturleben der Stadt eine schwindende Rolle gespielt hat und eher von Touristen als von Berlinern frequentiert wurde, stellt sich dennoch die Frage, welche Lücke eine Räumung des Tacheles in Berlin hinterlassen würde.“ Und der Rat der Künste weint: „Der Verlust wäre unschätzbar groß und sollte unbedingt verhindert werden!“, um gleich noch in den Kaffeesatz zu schauen: „Das Tacheles muss neu erfunden, muss wieder mit frischen Ideen besetzt werden. Die Zukunft des Kunsthaus Tacheles wird in erster Linie davon abhängen, ob es diesen utopischen Raum, den es einmal geschaffen hat, wieder beleben kann.“ Lieber Rat der Künste, wenn ihr doch an anderer Stelle mal eure Stimme erhoben hättet! Künstlerhaus Bethanien? Im Übrigen: Die Stadt hat ihr Geld in die Auffrischung der Mauermaler gesteckt, und die Akteure von damals haben dem Tacheles längst den Rücken gekehrt und machen so etwas Zukunftsträchtiges wie das Radialsys­tem. Und wenn das Tacheles verschwindet, ist das zwar bedauerlich, aber nach einem Jahr fragt man sich: „War da was?“

Mehr über Cookies erfahren