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Tanz im August 2012 – Übersicht der Stücke

MirrorsandMusicMirror and Music (Saburo Teshigawara/Karas, Tokio)
In seinem Gruppenstück betreibt Saburo Teshigawara, der „Kalligraf der Bewegung“, ein abstraktes Spiel mit Gegensätzen und Spiegelungen. Dabei hat der japanische Allround-Künstler aber vor allem die Zerstörung und Metamorphose von Formen im Blick. Wie Atome, die sich gegenseitig abstoßen, werden acht Tänzer durch den Raum getrieben und machen dabei das akustische Phänomen Musik visuell erfahrbar. Klänge scheinen sich buchstäblich aus den Körpern zu ergießen, Bewegungen werden von Lichtblitzen zerhackt und durch verwirrende Effekte gespiegelt.
10.+11.8. Haus der Berliner Festspiele

ZombieAporiac_Jean_Luc_TangheZombie Aporia (Daniel Linehan, Brüsell/NY)
„Performative Monster“ erschafft der junge amerikanische Choreograf Daniel Linehan in seiner neuesten Arbeit. Bewusst amateurhaft zelebriert ein Tänzertrio eine Art Konzert in acht Sequenzen, in denen Sprache, Rhythmus und choreografische Vorgaben auf Kollisionskurs gebracht werden. Was auf den ersten Blick wirkt wie ein Low-Budget-Musical, ist in Wirklichkeit ein perfekt durchdachter, ironischer Kommentar zu einer Gesellschaft, die nur noch Formate übernimmt und keine Originalität mehr kennt. Mit Stimme, Körper und Kamera kopieren, fragmentieren und verzerren Linehan und seine Mit-Zombies Realität und kulturelle Versatzstücke.
11.+12.8. Podewil

Parts_c_Bart_GrietensNew Works (P.A.R.T.S., Brüssel)
Das diesjährige Programm der Absolventen von P.A.R.T.S. zeigt erneut, dass die Schule von Anne Teresa De Keersmaeker vielversprechende Choreografen hervorbringt. Präsentiert wird eine kleine Auswahl an erfrischend heiteren Gruppenstücken. Der erste Abend thematisiert die soziale Codierung von Körpern und den Bedeutungsgehalt von Bewegung, der zweite befasst sich mit dem Verhältnis von Sprache bzw. Text und Bewegung.
12.+13.8. HAU 3

KharbgaKharbga – Power Games (Chatha/Aicha M’Barek & Hafiz Dhaou, Tunis/London)
In einem Feld aufgeschütteter Kiesel suchen sechs Tänzer mit- und gegeneinander ihren Weg. Sie werfen sich auf die Steinhügel, tragen sie ab oder stampfen hypnotisch auf sie ein. Inspiriert von dem nordafrikanischen Strategiespiel Kharbga haben die tunesisch-französischen Choreografen Aпcha M’Barek und Hafiz Dhaou eine lustvolle Versuchsanordnung entworfen, die ihre Tänzer mit Begeisterung erproben. Gleichzeitig können die Machtspiele auf unsicherem Grund auch als choreografische Antwort auf die jüngsten Ereignisse des „Arabischen Frühlings“ gelesen werden.
12.+13.8. Akademie der Künste

Clean_RoomClean Room – 1. Staffel (Juan Dominguez, Berlin/Madrid)
Juan Dominguez überträgt in seiner Choreografie die Kodierungen und Funktionsweisen von Fernsehserien in das Medium Theater. In der ersten Staffel der Bühnenserie treten drei Künstler in sechs Episoden auf. Die Darsteller auf der Bühne kommunizieren mit Darstellern an anderen Orten der Welt per Skype-Video. Durch die Vermischung von Vor- und Rückblenden, Echtzeit-Aufnahmen, unterschiedlichen Charakteren, Situationen und Räumen verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Die Zuschauer haben zudem die Möglichkeit in einem Internet-Forum Kommentare und Feedback zu hinterlassen und so die Weiterentwicklung der Serie aktiv mitzubestimmen.
12./14./16.8. Podewil

PassoPasso (Ambra Senatore, Turin)
Die fünf Tänzer in  Ambra Senatores verspieltem Tanztheaterstück  „Passo“ gleichen sich wie ein Ei dem anderen: Sie tragen ein grünes Kleid und einen schwarzen Pagenkopf, so dass die feinen Unterschiede erst auf den zweiten Blick sichtbar werden. Poetische Momente wechseln mit Slapstick-Einlagen und streng choreografierte Sequenzen mit burlesken Theatergags, so werden nicht zuletzt Geschlechterklischees persifliert.
13.+14.8. HAU 1

It’s going to get worse and worse and worse, my friend (Lisbeth Gruwez/Voetvolk VZW, Antwerpen)
In diesem Solo konfrontiert sich die Tänzerin und Choreografin Lisbeth Gruwez mit einer Rede des ultra-konservativen TV-Predigers Jimmy Swaggart. Maarten van Cauwenberghe hat aus Swaggarts Rede eine komplexe Toncollage komponiert, die die beängstigende Spannung zwischen Formstrenge und Kontrollverlust akzentuiert. Mit immer autoritärer werdenden Gesten dirigiert sie unsichtbare Massen.
14.+15.8. Podewil

Cheap_LectureCheap Lecture & The Cow Piece (Jonathan Burrows & Matteo Fargion, Brüssel/London)
Der britische Choreograf und der italienische Komponist treten in diesem Stück in einen Dialog mit John Cages legendärem performativen Vortrag „Lecture On Nothing“, der wie kaum ein anderer die Entwicklung von zeitgenössischem Tanz und Performance Art beeinflusst hat – auf virtuose, augenzwinkernde Weise.
14.+15.8. Schaubühne

ThemThem (Chris Cochrane, Dennis Cooper, Ishmael Houston-Jones, NY)
Sieben durchtrainierte junge Männer prallen in diesem Stück aufeinander. Vorangetrieben von Chris Cochranes expressiven Gitarrenklängen und Dennis Coopers düsteren Texten über Tod und Selbstverlust stürzen sie gemeinsam zu Boden. 1986 hätte Ishmael Houston-Jones’ „Them“ beinahe zur Schließung des legendären New Yorker Kulturzentrums PS 122 geführt. 25 Jahre später hat der Choreograf  das schonungslose Werk über männliche Aggressivität und Sexualität und die omnipräsente Angst vor Aids  gemeinsam mit den Mitstreitern von damals an eine Generation junger Tänzer weitergegeben.
15.+16.8. HAU 2

Drugs_kept_me_aliveDrugs kept me alive (Jan Fabre, Troubleyn & Antony Rizzi, Antwerpen)
In diesem Monolog für einen Überlebenskünstler (Ausnahmeperformer Antony Rizzi tanzt ein schlagfertiger Seiltänzer auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod. Seine Komplizen tragen so illustre Namen wie Ecstasy, Ketamin, GBH oder Speed. Das Einzige, was ihn wirklich am Leben erhält, ist sein Bedürfnis nach Intensität und Rausch.
16.+17.8.

Fotos: Bengt Wanseliu, Jean Luc Tanghe, Bart Grietens, Jef Rabillon, Juan Domingez, Viola Berlanda, Lud Depreitere, Herman Sorgeloos, Ian Douglas, Wonge Bergmann

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