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Taxisterben in Berlin: Not wegen Corona und BER – und Uber profitiert

Gerade einmal 300 der mehr als 7000 Taxis in Berlin dürfen den BER bedienen. Dazu kommt der Stillstand der Branche durch Corona. Während immer mehr Taxi-Unternehmen Insolvenz anmelden, profitiert die amerikanische Taxi-App Uber. Dies bringt auch Nachteile für Fahrgäste mit sich.

Berlins Taxifahrer*innen sind jetzt Impf-Chauffere. Einen finanziellen Ausgleich bedeutet das jedoch nicht. Imago Images/Future Image

BER: Taxis fahren leer zurück – „Bankrotterklärung für die Branche“

Als der Flughafen Tegel noch in Betrieb war, sei es 5000 Berliner Taxis „gerade einmal so“ gelungen das Passagieraufkommen am alten Flughafen zu bewältigen, erzählte der Berliner Taxi-Unternehmer Hüsamettin Ülgen tipBerlin Ende Oktober, als der neue Flughafen BER unmittelbar vor seiner Eröffnung stand.

Er sah schlimme Zeiten für sich und seine Kolleg*innen kommen – denn von den mehr alss 7000 Taxis in Berlin hatten nur 300 eine Ladeberechtigung für den BER erhalten und somit die Erlaubnis Fahrgäste nicht nur zum Flughafen, sondern auch wieder zurück in die Stadt zu fahren. Die absurd wenigen Zulassungen und die vielen leeren Fahrten kämen einer Bankrotterklärung für die Branche gleich, so Ülgen.

Die Situation hat sich seit der BER-Eröffnung nicht gebessert – im Gegenteil

Nach gut zwei Monaten Betrieb am neuen Berliner Flughafen hat sich für die Berliner Taxifahrer*innen nichts gebessert. Im Gegenteil: Die Corona-Krise zerstört Taxis in Berlin das Geschäft, das amerikanische Unternehmen Uber fischt immer mehr Kund*innen ab und die Situation rund um den BER hat sich seit Ende Oktober 2020 nicht verändert.

„Dem Verkehrsminister Andreas Scheuer ist egal, was auf Berlins Straßen passiert“, sagt Taxifahrer Ülgen. Seit der BER-Eröffnung seien in Berlin rund 1100 Taxis abgemeldet worden. Auch er sei als Taxiunternehmer gezwungen Kündigungen auszusprechen und Fahrzeuge zu verkaufen.

Laut Ülgen spielt die Situation der Berliner Taxi-Branche dem Fahrdienst Uber in die Hände. Der private Fahrdienst machte den Taxi-Fahrer*innen der Stadt auch schon zuvor das Leben schwer.

Noch lockt Uber mit niedrigen Preisen, diese dürften langfristig jedoch steigen

Uber-Fahrzeug wartet Ende 2019 vor dem Kulturforum in Tiergarten. Derzeit erscheinen die Uber-Preise noch billig, doch sie könnten steigen, zudem ist der Fahrgast nicht versichert. Foto: Imago Images/Ritter

Bereits jetzt sind rund 4800 Uber-Fahrzeuge in Berlin unterwegs. Im Vergleich dazu: Nach den Insolvenzen der letzten Wochen sind es noch rund 6600 Taxis. Vielen Menschen erscheint eine über Uber gebuchte Fahrt als kostengünstige Alternative zu einer Taxifahrt. Ülgen betont jedoch, es sei ein Irrglauben, dass durch Uber-Fahrten immer Geld gespart würde.

Zu den Stoßzeiten würden die Preise aufgrund der höheren Anfrage steigen. Im Gegensatz zu Taxifahrer*innen müssten sich private Uber-Fahrer nicht an gesetzliche Tarife halten und könnten Preise so mehr oder weniger selbst festlegen.

Laut Ülgen ist es also zu erwarten, dass die Preise für Uber-Fahrten weiter anzögen, sollte der private Fahrdienst seine Vorherrschaft auf Berlins Straßen weiter ausbauen.

Für Fahrgäste hätte Ubers Dominanz weitere Nachteile: Diese seien während einer Uber-Fahrt nicht versichert. Und in Randbezirke, wie beispielsweise Marzahn, müssen Uber-Fahrer gar nicht erst. Für geprüfte Taxi-Fahrer*innen hingegen gilt in Berlin eine stadtweite Beförderungspflicht.

Aufgrund der schlechteren Bedingungen sei es für nur wenige seiner Kolleg*innen attraktiv Fahrgäste künftig für Uber zu befördern, sagt Taxi-Unternehmer Ülgen.

Taxifahrer sind jetzt Impf-Chaffeure –  aber kein finanzieller Ausgleich in Sicht

Seitdem Berlin gegen Corona impft, können sich Senior*innen kostenlos von einem Taxi abholen und zum Impfzentrum fahren lassen. Den Fahr-Coupon können Taxi-Fahrer bei der Krankenkasse abrechnen.

Einen wesentlichen, finanziellen Ausgleich dürften die Impffahrten für die angeschlagene Taxibranche jedoch nicht bedeuten. „Ich rechne mit 3-5 Prozent Umsatzsteigerung“, sagt Ülgen. Darüber hinaus ginge den Fahrer*innen Zeit verloren, während sie auf die älteren Personen vor den Impfzentren warteten.

Für Taxi-Fahrer Ülgen jedoch kein Grund für zusätzlichen Unmut: „Das machen wir gern für die älteren Menschen.“


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