• Stadtleben
  • 12 spannende Orte in Tegel: Von Gräbern über Inseln zu Brücken

Berliner Kieze

12 spannende Orte in Tegel: Von Gräbern über Inseln zu Brücken

Einer der schönsten Berliner Ortsteile ist ziemlich unterschätzt und liegt am nördlichen Rand unserer Stadt. Tegel bietet viel Grün und viel Wasser, Industriegeschichte, tolle Architektur und Kultur. Wir haben 12 spannende Orte in Tegel gesammelt, die ihr kennen solltet.


Die Borsigwerke

12 spannende Orte in Tegel: Das Borsigtor ist heute denkmalgeschützt.
Das Borsigtor ist heute denkmalgeschützt. Foto: imago images/Andreas Gora

Das mächtige, denkmalgeschützte Borsigtor markiert den Eingang zu den Borsigwerken. 1837 gegründet, ist Borsig eine Berliner Traditionsfirma. Früher stellte das Maschinenbau-Unternehmen vor allem Dampflokomotiven her und war in der Ära der Eisenbahnen der größte Lokomotivenlieferant in Europa, weltweit schaffte es Borsig auf Platz Zwei. 2003 ging der Mutterkonzern von Borsig in Essen insolvent, obwohl Borsig in Berlin selbst profitabel wirtschaftete. Es folgten bewegte Jahre, heute beschäftigt die Borsig-Gruppe etwa 500 Mitarbeiter*innen. Herzstück des Geländes ist der Borsigturm, der möglicherweise das erste Hochhaus Berlins ist.

  • Borsigwerke Am Borsigturm 1, Tegel

Die Sechserbrücke

Die Sechserbrücke trägt ihren Namen, weil es früher einen „Sechser“ kostete, sie zu überqueren. Foto: imago images/Jürgen Ritter

Die Sechserbrücke heißt eigentlich Tegeler Hafenbrücke. Sie ist eine dieser Brücken in Berlin, die einem in Erinnerung bleiben, nachdem man sie einmal überquert hat. Mit 91 Metern Länge überspannt sie die Mündung zum Tegeler Fließ und damit die Einfahrt zum Tegeler Hafen. Mächtige Stahlstreben stützen die Brücke, die, wenn sie nicht rot wäre, wegen ihrer Bauart sehr an den Eiffelturm erinnern würde. Ihren umgangssprachlichen Namen verdankt die Brücke einem Fischer namens Siebert. Bevor die Brücke 1909 fertig gestellt wurde, verdiente sich Siebert ein Zubrot, indem er Reisende mit seinem Kahn für fünf Pfennig (einen sogenannten Sechser) ans andere Ufer brachte. Die späteren Brückeneigentümer behielten diesen Preis für die Querung des Fließes bei. Berlin hat noch mehr interessante und besonders schöne Brücken. Hier sind 12 davon.

  • Sechserbrücke Greenwichpromenade, Tegel

Die Insel Scharfenberg

12 spannende Orte in Tegel: Eines der wenigen Internate Deutschlands befindet sich auf der Insel Scharfenberg.
Eines der wenigen Internate Deutschlands befindet sich auf der Insel Scharfenberg. Foto: imago images/Joko

Internate kennen deutsche Kinder ja eher aus Büchern wie „Harry Potter“ oder Enid Blytons „Hanni und Nanni“. Die Internatskultur ist in einfach Deutschland nicht allzu weit verbreitet. Eines der wenigen Internate, die es in Deutschland gibt, befindet sich auf der Insel Scharfenberg im Tegeler See. 450 Schüler gehen in die Ganztagsschule, davon leben 70 im Internat. Das Besondere an der Schule war immer, neben dem Umstand, dass sie sich auf einer Insel befindet, dass an sie eine „Schulfarm“ angeschlossen war. Seit 1923, ein Jahr nach der Gründung der Schule, helfen die Internatsschüler, die rund 23 Hektar der Schulfarm zu bewirtschaften. Noch eine Besonderheit: Die ZDF-Serie „Unser Lehrer Doktor Specht“ wurde hier 1994 gedreht.

  • Schulfarm Insel Scharfenberg Schwarzer Weg 103, Tegel

Vogelweide

Seit 40 Jahren beinahe steht Patron Dieter Schmid am Herd und zaubert im Norden Berlins französische Spezialitäten mit tollen Saucen für seine Gäste. Die Karte liest sich herrlich klassisch: Fischsuppe, Schnecken, Entenbrust, Hasenrückenfilet und Mousse au Chocolat. Wechselnde Drei-Gang-Menüs zum sehr fairen Preis.

  • Vogelweide Schulstraße 2, Tegel, Tel. 030/433 96 02, Mi-Sa 18-24 Uhr

Der Tegeler Forst

Die „Dicke Marie“ ist vermutlich der älteste, auf jeden Fall aber einer der ältesten, Bäume Berlins. Foto: Imago/Schöning

Der höchste und der älteste Baum Berlins stehen nah beieinander im Tegeler Forst. Unter der „Dicken Marie“ spielten schon die Humboldt-Brüder, die ganz in der Nähe im nach ihnen benannten Schloss aufwuchsen. Mehr als 500 Jahre hat die Stieleiche auf dem Buckel! Ebenfalls ein stattliches Alter hat die Tegeler Lärche, die 1795 gepflanzt wurde, heute 45 Meter misst und damit Berlins höchster Baum ist. Wir haben 12 besondere Bäume in Berlin zusammengestellt. Denn obwohl jeder der zehntausenden Bäume in der Stadt kostbar ist, gibt es doch ein paar, die besonders interessant sind. Einer ist sogar nach dem King of Pop benannt.

  • im Tegeler Forst nahe Greenwich Promenade, Tegel

Wirtshaus „Im Alten Fritz“

Die vielleicht älteste Gaststätte Berlins (eine Urkunde spricht von der Eröffnung als Gasthaus im Jahr 1410) wurde früher als Brauerei genutzt. Nachdem das Gebäude entkernt und zu einem urigen Restaurant mit Biergarten umgebaut wurde, gibt es hier zünftig-moderne Landhausküche mit Gerichten wie Himmel & Erde, Kalbsleber, Rinderroulade, Landente oder Spare-Ribs. Zudem gibt es jeden Donnerstag gepökeltes Riesen-Eisbein mit Erbspüree und Sauerkraut für 14,50 Euro.


Der russisch-orthodoxe Friedhof in Tegel

12 spannende Orte in Tegel: Bekannte Persönlichkeiten liegen auf dem einzigen russisch-orthodoxen Friedhof Berlins.
Bekannte Persönlichkeiten liegen auf dem einzigen russisch-orthodoxen Friedhof Berlins. Foto: imago images/Schöning

Auf dem einzigen russisch-orthodoxen Friedhof Berlins liegen so einige russische Prominente: zum Beispiel der Opernsänger Sergei Dmitrijewitsch Warjagin, der als größter Sänger des zaristischen Russland gilt, der letzte Botschafter des Zaren in Berlin, Swerbejew, der russische Außenminister Sergej Sasonow und der Publizist und Vater von Vladimir Nabokov. Damit die Verstorbenen in heimischem Boden ihre letzte Ruhe finden konnten, ließ Zar Alexander der Dritte 4.000 Tonnen Erde aus 50 Regionen Russlands herankarren.

  • Russisch-Orthodoxer Friedhof Wittestraße 37, Tegel

Der Kult-Flughafen Tegel

Vom Dach des Flughafens kann man wunderbar Flugzeuge starten und laden sehen.
Vom Dach des Flughafens kann man wunderbar Flugzeuge starten und laden sehen. Foto: Imago/Joko

Tegel ist Kult, auch wenn die Tage des citynahen Airports endgültig gezählt scheinen. Der BER wird nun doch – wider Erwarten, muss man beinahe sagen – fertiggestellt. Über Zukunftskonzepte wird derzeit verhandelt, so oder so ist ein Umbau sicher. Ehe der Airport zur Megabaustelle wird, solltet ihr diesen noch einmal besuchen.

  • Flughafen Tegel Saatwinkler Damm, Tegel

Das Tegeler Fließ

12 spannende Orte in Tegel: Pflegen seit Jahren das einzigartige Tegeler Fließ: Die Wasserbüffel von Landwirt Helmut Querhammer.
Pflegen seit Jahren das einzigartige Tegeler Fließ: Die Wasserbüffel von Landwirt Helmut Querhammer. Imago/Ritter

Seit dem Jahr 2015 sind die robusten (Nutz-)Tiere mit den markanten, geschwungenen Hörnern und dem ruhigen Gemüt im Einsatz, gewissermaßen als tierische Landschaftspfleger. Die konventionelle Pflege wäre ebenso mühsam wie kostspielig, weshalb das ökologische Projekt initiiert wurde – mit Erfolg. Heute erfreuen sich vor allem Ausflügler, die durchs Tegeler Fließ ziehen, über die grasenden Wasserbüffel. Im Frühjahr sah es so aus, als würde der Vertrag zwischen Land und dem Landwirt Helmut Querhammer auslaufen. Wir haben nachgefragt, wie es mit den Wasserbüffeln weitergeht – und zum Glück eine positive Antwort erhalten.

  • Tegeler Fließ Tegel

Die Humboldt-Bibliothek

12 spannende Orte in Tegel: Die Humboldt Bibliothek ist ein architektonisches Kleinod im Norden Berlins.
Die Humboldt Bibliothek ist ein architektonisches Kleinod im Norden Berlins. Foto: Barnos / wikimedia commons / CC BY-SA 4.0

Sein Entwurf sollte zugleich monumental und intim sein. Man kann sagen: Das ist Charles Moore gelungen. Die Humboldt-Bibliothek in Tegel sollte Teil eines neuen Kulturquartiers werden, aufgrund eines finanziellen Engpasses wurde allerdings nur diese Leihbücherei verwirklicht. Die aber kann sich sehen lassen. Dem 1989 fertiggestellten Haus ist ein vom Klassizismus inspirierter Eingangsbereich vorgelagert, mehrgeschossige Regalreihen erinnern an historische Klosterbibliotheken, die gewölbte Decke an ein Kirchenschiff. Die Westseite ist verglast und gibt so den Blick auf den Hafen frei. Das Ausleihen von Medien als auch Nutzen der Arbeitsplätze ist wieder möglich, so wie auch in vielen anderen Berliner Bibliotheken.

  • Humboldt-Bibliothek Karolinenstraße 19, Tegel, Öffnungszeiten: Mo-Fr 11-18 Uhr, Reservierung von Arbeitsplätzen telefonisch unter 030/902 94 59 35 oder vor Ort

Die Greenwichpromenade

Im Frühling blühen tausende Tulpen an der Greenwichpromenade. Foto: imago images/Jürgen Ritter

Sicher kein Geheimtipp, aber doch immer wieder schön. Mit der U-Bahnlinie 6 kommt man in weniger als 30 Minuten von der Friedrichstraße in Mitte zum U-Bahnhof Tegel. Von dort sind es durch die Fußgängerzone mit ihrer beeindruckenden Dichte an Eisdielen nur noch wenige Gehminuten bis zur Greenwichpromenade, wo bei gutem Wetter viele Anwohner flanieren und sich eigentlich immer Enten und Schwäne tummeln. Mit etwas Glück sieht man am Hafen „Moby Dick“ ankern, ein Ausflugsschiff in Form eines Wals.

  • Greenwichpromenade Tegel

Schloss Tegel

12 spannende Orte in Tegel: Das Schloss Tegel gehörte vielen, aber heute noch immer den Nachkommen der Gebrüder Humboldt.
Das Schloss Tegel gehörte vielen, aber heute noch immer den Nachkommen der Gebrüder Humboldt. Foto: imago images/Jürgen Ritter

Zwei der berühmtesten Söhne Berlins wuchsen auf dem Schloss Tegel auf: Alexander und Wilhelm von Humboldt. Es ist der einzige märkische Herrensitz, der noch heute den Nachkommen früher Eigentümer gehört. 1558 ließ Joachim der Zweite es für seinen Hofsekretär Hans Bretschneider im Stil der Renaissance erbauen. Danach jagte Kurfürst Friedrich Wilhelm auf dem Gelände und nutzte das Gebäude als Jagdschloss, bis es 1766 in den Besitz der Familie von Humboldt gelangte. Das Humboldt-Museum, das sich im Schloss befindet, bleibt im Sommer 2020 wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

  • Schloss Tegel Adelheidallee 19, Tegel

Mehr Berliner Kieze:

Übrigens: Nächstes Jahr kommt ein spannender Ort hinzu. Denn das Strandbad Tegel hat endlich neue Betreiber. Ihr wollte noch mehr Stadtteile erkunden? Wie wäre denn mal mit einem Ausflug nach Südwesten: In Dahlem ist die hektische Stadtmitte scheinbar unendlich weit entfernt. Städtischer wird es dagegen schon in Steglitz, hier sind unserer 12 Tipps. Und wenn ihr glaubt, ihr seid nicht mehr in Berlin, weil ihr in Spandau seid, stimmt das nicht so richtig.

Mehr über Cookies erfahren