Stadtleben

Tegel

Jetzt darf es auch hoffentlich bald wieder gut sein mit Tempelhof. Jahrelang interessiert sich kein Schwein für diesen Flughafen, außer ein paar Unternehmensberatern, die in schlecht sitzenden grauen Anzügen ganze zwölf Mal am Tag nach Friedrichshafen oder Graz fliegen, und plötzlich überbieten sich alle mit grauenhaften „Ick-gloob-ick-spinne“-Kampagnen dafür oder dagegen.

Gott sei Dank ist das vorbei: Jetzt kann bitte mal jemand ganz schnell eine Bürgerinitiative für den Flughafen Tegel starten, der nicht nur ebenso weltweit konkurrenzlos zentral liegt wie Tempelhof (von Charlottenburg, Wedding oder Prenzlauer Berg sogar noch zentraler) und von dem aus man nicht nur nicht in irgendwelche Nester fliegen kann, sondern eben zu wichtigen Zielen wie Mallorca, New York oder Paris. Der außerdem der architektonisch bestdurchdachte Flughafen der Welt ist, weil man nur hier in Tegel direkt vor jedes Gate fahren kann, ohne zuvor durch die kilometerlange Vorhölle einer Shopping-Mall zu müssen. Schließlich werden heutige Flughäfen nicht für Passagiere konzipiert, sondern für die Konzerne, die den Weg zum Check-in mit Boutiquen, verbrecherischen Duty-Free-Shops und Sexshops pflastern.

Man muss in Tegel auch nicht in irgendwelche Air-Trains hasten, um zu einem anderen Terminal zu kommen, oder wie in München auf irgendwelchen Laufbändern die komplette Unterkellerung begutachten, um zum Einchecken zu kommen. Dieser von Meinhard von Gerkan konstruierte Flughafen hat keine düstere Nazivergangenheit und mit dem aus Anklam stammenden Flugpionier Otto Lilienthal einen grundsympathischen Namen. Man steigt dort nicht wie in Schönefeld in einem Ort aus, der aussieht wie die Suburbs von Bukarest und muss auch nicht auf einem zugigen Bahngleis vergeblich auf einen zügigen Abtransport durch die Deutsche Bahn ins Berliner Zentrum hoffen, sondern kann mit dem Airport-Bus in nullkommanix in die Stadt kommen – sogar ins öde Tempelhof.

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