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Friedrichshain-Kreuzberg

Temporäre Spielstraßen: Impuls für den Kiez, Spaß für die Kinder

Unter dem Motto „Straßenland in Kinderhand“ wurden an den vergangenen zwei Sonntagen temporäre Spielstraßen in Friedrichshain-Kreuzberg eingerichtet. Und Anwohner*innen übernahmen die Organisation. Kann das gut gehen?

Kiezlotsin auf einer temporären Spielstraße in Friedrichshain-Kreuzberg
Eine Kiezlotsin am 10. Mai: als Modellversuch dürfen in der Zeit von 13-19 Uhr auf bestimmten Straßen keine Autos fahren. Foto: imago/IPON

Friedrichshain-Kreuzberg ist flächenmäßig der kleinste Bezirk, aber an der Einwohnerzahl gemessen ganz groß: der Bezirk gehört zu den dicht besiedelsten Landstrichen in ganz Europa. Das bedeutet aber auch, dass es an Räumen fehlt, an Grün, an Freiflächen. Was sich gerade in der Pandemie als Problem herausstellt – so war in den vergangenen Wochen der Boxhagener Platz zum Beispiel so überfüllt, dass die Menschen vom Ordnungsamt aufgefordert wurden, den Park zu verlassen. Und die vom Rat der Bürgermeister in Berlin beschlossene Schließung der Spielplätze verschärfte die Situation nur.

Temporäre Spielstraßen – nicht nur für Kinder

Eine Lösungsidee: temporäre Spielstraßen. Das klingt natürlich erstmal wieder nach bezirklichem Sonderweg, nach regelrechtem Corona Irrsinn: Friedrichshain-Kreuzberg will 30 Straßen zu Kinderspielplätzen umwandeln. An den vergangenen zwei Sonntagen konnten sich Friedrichshain-Kreuzberger dann ein eigenes Bild machen: von 13 bis 19 Uhr ausgewählte Straßen im Bezirk für den Autoverkehr gesperrt, damit Kinder (und Erwachsene) dort Raum zur Bewegung haben können.

„Es war ein sehr schneller Prozess“, berichtet eine der zuständigen Stadträt*innen, Clara Hermann (B’90/Die Grünen). Das Bezirkamt wählte selbst 19 Straßen nach bestimmten Kriterien aus: Wie dicht ist der Kiez besiedelt? Ist es eine Nebenstraße, die der Bezirk selbstständig sperren kann? Gibt es dort Spielplätze oder eben besonders wenig Raum für Kinder?

Bobbycarparcours und Federball auf den temporären Spielstraßen

Parallel lief ein Meldedialog, über den sich Anwohner*innen melden konnten, die für „ihre“ temporären Spielstraßen Verantwortung übernehmen wollten. Und siehe da: nach nicht einmal zweieinhalb Tagen waren schon genug Freiwillige beisammen.

Eine der Kiezlots*innen war die Grüne Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Antje Kapek. Sie hat die vergangenen zwei Sonntage in der Lübbener Straße als Kiezlotsin die Spielstraße aufgebaut, sie überwacht und auch wieder abgebaut. In der ersten Woche noch den ganzen Tag, in der folgenden den halben.

„Die ganze Straße wurden bespielt“, erzählt sie. Es wurden Tische rausgestellt, Nachbarn hätten auf der Straße gemeinsam – mit Abstand – gegessen, Seifenblasen geblasen. Sogar ein Federballnetz wurde über die ganze Straße gespannt und ein Bobbycarparcour eingerichtet.

„Für mich war das ein großes Fest, das nicht nur gezeigt hat, dass Kinder den Raum zum Spielen und Atmen brauchen, sondern dass es auch Kieze und Nachbarschaften auf eine ganz neue Art und Weise zusammenbringt“, so Kapek. Sie sieht die Einrichtung der temporären Spielstraßen einen „unfassbar großen Zugewinn – persönlich, für den Kiez, und auch politisch.“

Gespräche unter neuen Freund*innen

Ähnlich sieht es Kerstin Stark, die an der Wassertorstraße als Kiezlotsin unterwegs ist. Die Anwohnerin ist sonst im Verein Changing Cities aktiv, der auch stark involviert in das Projekt war. Bislang wurde die Spielstraße in ihrem Kiez gut aufgenommen, berichtet sie: „Die Kinder freuen sich auch. Am letzten Sonntag war dann auch ein Kind schon kurz vor 13 Uhr da und wollte schon auf die Straße. Es war putzig zu sehen, dass es auf das Zeitfenster wartete, an dem es sich frei bewegen kann, ohne Autos.“

Aber nicht nur die Kinder kamen auf die temporäre Spielstraßen, erzählt sie: „Ich bin mit sehr vielen Leuten ins Gespräch gekommen, mit denen ich sonst nie ins Gespräch gekommen wäre“. Nachbarn, denen sie sonst einfach zu selten begegne. „Ich habe auch viele Geschichten über den Kiez gehört, wie es in den letzten zwanzig Jahren war. Zum Beispiel von einem ehrenamtlichen Fußballtrainer oder Platzwart, der hier geboren und aufgewachsen ist, seine Frau hier kennengelernt und die Kinder hier aufgezogen hat.“

Auf den temporären Spielstraßen erobern Kinder die Straße mit Kreide zurück.
Auf den temporären Spielstraßen erobern Kinder die Straße mit Kreide zurück. Foto: imago/IPON

Über die Plattform „Fix my Berlin“ können sich interessierte Anwohner*innen melden, die sich einbringen möchten. Und laut Herrmann will der Bezirk bis zu 30 solcher Straßen einrichten. Bürger*innen sollen gerne beim Straßen- und Grünflächenamt Vorschläge machen, wo es eine geben sollte.

Entlastung von überfüllten Spielplätzen durch die temporären Spielstraßen

„Die verkehrsrechtliche Anordnung gilt erst einmal für zwei Monate“, so die Stadträtin, „und sie verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn Initiative vor Ort weitermachen möchte und wir auch. Aber wenn es gut funktioniert, spricht nichts dagegen, dass die temporäre Spielstraße dauerhaft bleiben kann“. Denn die gesperrten Straßen sollen auch die Spielplätze entlasten, die oft überfüllt sind.

Eine Hürde könnte die Anzahl an Kiezlots*innen sein: mindestens sieben Ehremamtliche braucht es, um eine Straße einzurichten und zu organisieren. Je mehr, desto besser – denn das entlastet jeden einzelnen. Unterstützt werden sie vom Bezirksamt, zum Beispiel mit Vordrucken von Hinweis- und Hygieneschildern. Dazu stellt das Amt Tankwägen, damit große und kleine Kinder auch die Flora im Kiez gießen können, und auch die bezirklichen Parkläufer unterstützen.

Die Kiezlots*innen Kapek und Stark jedenfalls sind motiviert: „Ich bin nicht nur Politikerin, sondern auch Anwohnerin und Berlinerin“, sagt Kapek, „und diese Aktion ermöglicht ein ganz neues Bonding mit meinem Kiez!“


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