Stadtleben

Temporär oder dauerhaft?

Wir brauchen sie, wir brauchen sie nicht – warum die Entscheidung für oder gegen eine Kunsthalle in Berlin so schwierig ist


Am 31. August schließt die Temporäre Kunsthalle wie geplant nach zwei Jahren, und dann wird die Diskussion wieder aufgenommen, ob Berlin eine dauerhafte Kunsthalle braucht oder nicht. Die aktuelle Ausstellung „FischGrätenMelkStand“ ist das beste Argument ­dafür. Dem Berliner Künstler-Kurator John Bock ist es gelungen, mit 63 Künstlerkollegen eine wunderbar anarchistische, unbedingt empfehlenswerte Schau in die Halle zu bauen, und die Besucher strömen in Scharen, um sich von so viel intelligenter Freude an zeitgenössischer Kunst anstecken zu lassen. Das ist toll. Solche Kunstorte braucht Berlin.


Damit verweist die letzte Schau auf den ­Prolog zur Temporären Kunsthalle, „36 x 27 x 10“ im inzwischen abgerissenen Palast der Republik. 10 000 Menschen wollten in elf ­Tagen erleben, was die Berliner Kunstszene zu bieten hat. Dieser überzeugende Erfolg machte die Temporäre Kunsthalle erst möglich, doch sie konnte daran nicht anknüpfen. Einige Ausstellungen waren echt öde, die Besucher wurden weniger, Leitung und Programmatik wechselten. Eine Kunsthalle ist eben mehr als ein Haus. Sie besteht auch aus einem Konzept und Menschen, die es umsetzen. Allein zu ­sagen, es gibt hier viele großartige Künstler, und denen geben wir irgendwie ein ­Forum, ist zu wenig, das hat das zweijährige Experiment gezeigt. Außerdem hat die Nationalgalerie mit Udo Kittelmann inzwischen einen Direktor, der in Berlin arbeitende, international bedeutende Künstler wie Thomas Demand und Olafur Eliasson in die großen Häuser holt. Das KW und die Berlinische Galerie bespielen den Bereich ebenfalls.


Klaus Wowereit ist für die Kunsthalle. Und das ist auch richtig so. Aber sie wird und soll, und hier hat die klamme Haushaltslage der Stadt mal einen Vorteil, nicht so schnell entstehen. So bleibt noch Zeit, darüber nachzudenken, wie und unter welcher Leitung eine Berliner Kunsthalle erfolgreich arbeiten kann.

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