Stadtleben

Temporär

„Die Kunst ist super“, verkündete Udo Kittelmann bei der Neueinrichtung des Hamburger Bahnhofs. Das Motto hat die Galerie Zink übernommen und ein wenig weiterentwi­ckelt. Mit dem Motto „Die Wand ist total super“ eröffnete sie eine neue Reihe von temporären Wandinstallationen in ihrem Interimsbüro in der Rosa-Luxemburg-Straße 24, 2. Stock. Der belgische Künstler Rinus Van de Velde hat die erste Installation der Reihe „Die Wand ist total super“ gestaltet. Bis zur Fertigstellung der neuen Galerieräume in der Linienstraße 21 Ende des Jahres wird man sich auf ein Abenteuer und überraschende Experimente freuen dürfen.

Denn schon das Haus in der Rosa-­Luxemburg-Straße ist sehenswert. Erst recht die Zweizimmerwohnung, Küche, Bad, lohnt den Aufstieg in die 20er Jahre, als das Haus errichtet wurde. Zugegeben, es riecht ein wenig muffig, weil in den letzten 20 Jahren nicht einmal renoviert wurde und die Wohnung im Grunde genommen so aussieht, als hätte ein Junggeselle eine Party gegeben und am nächsten Tag zur Party nach der Party geladen – ein wenig unaufgeräumt also. Aber es ist herrlich, mitzuerleben, wie Erbsensuppe vegetarisch oder mit Speck aus großen Töpfen konsumiert, wie herumgealbert, ein wenig Bier getrunken und letztendlich auch die auf die Wand gemalte Arbeit von Rinus Van de Velde goutiert wird. Kunst ist total super. Mit Kunst kommt man in Berlin inzwischen überallhin, auch außerhalb der vielen wunderbaren Galerien, die eine Kunsthalle völlig überflüssig machen. Man kommt sogar nach Charlottenburg in die Franklinstraße 5 zur Ausstellung von Jörg Steinbach und Werner Keller ins Kunstforum des Volkswagen Automobile, wo Kunst zwischen Autos an die Wand gehängt beziehungsweise aufs Podest gestellt wird, wobei dort die Frage erlaubt sein muss, wem diese Kombination wirklich nützt – den Künstlern eher weniger.

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