Stadtleben

Thema: Homophobie im Fußball

Hertha Junxx

tip Öffentlich loben das Outing jetzt alle. Wird das auch die Mentalität in der Umkleide und den Fankurven ändern?
Torsten Siebert?(LSVD) Ja, aber das braucht Zeit. Wobei man die Fans nicht als die Bösen darstellen sollte. Ich glaube, die würden mit einem geouteten Spieler vernünftig umgehen. Die schlimmsten Sprüche kommen übrigens nicht aus der Kurve, sondern von den VIP-Plätzen.

tip Mit Ihrer Aktion „Rote Karte für Homophobie“ haben Sie ein ähnliches Ziel wie Hitzlsperger.
Torsten Siebert?(LSVD) Wir bieten anonyme Beratung und Coaching, auch über anderthalb Jahre hinweg. Mit Diskussionen und Workshops für Betreuer und Trainer geht es uns um die Sensibilisierung für Sprache, auch die der Eltern im Jugendfußball. Die sind oft schlimmer als die Spieler selbst. Und Schiedsrichter wissen oft nicht, dass sie aufs Publikum einwirken können bei Homophobie – mit Verwarnung oder Platzverweis.

Torsten Sieberttip Welche Effekte kann das Coming-out für Ihre Arbeit haben?
Torsten Siebert?(LSVD) Vorbildfunktion. Endlich muss man nicht mehr in die englische 4. oder schwedische 2. Liga schauen. Es herrschte ein Klima der Ignoranz und des Tabuisierens. Vor allem die Ausrede: Bei uns gibt’s das nicht.

tip Welche Unterschiede gibt es zwischen Profis und Amateuren??
Torsten Siebert?(LSVD) Bei Profis ist der Druck höher, ganze Karrieren hängen davon ab, Sponsorenverträge. Über den Amateurbereich spricht man zu wenig, obwohl das viel mehr Menschen betrifft. Dort ist das soziale Leben stark mit dem Fußballclub vermischt. Manchem hilft das, für andere ist gerade das beim Outing abschreckend.

tip Bei Hertha BSC gibt es den schwulen Fanclub Hertha Junxx. Andererseits macht Hertha, anders als Tennis Borussia oder Union Berlin, nicht bei Ihrer Aktion mit.
Torsten Siebert?(LSVD) Hertha ruht sich ein wenig darauf aus, dass es die Hertha Junxx gibt. Es ist schwierig, an den Verein mit dem Thema heranzutreten, ohne direkt an die Hertha Junxx weitergeleitet zu werden.

tip Hertha ist nicht dabei, aber der Fußballclub Türkiyemspor. Gehen Migranten mit Homosexualität im Fußball anders um?
Torsten Siebert?(LSVD) Je nach Hintergrund gehen Menschen damit anders um. Türkiyemspor ist seit sehr vielen Jahren wichtiger Partner und der erste Verein mit migrantischem Hintergrund, der sich zu dem Thema konsequent positioniert hat, auch gegen Widerstände.

tip Wird man in den Mannschaften jetzt umso neugieriger sein, wer noch schwul ist?
Torsten Siebert?(LSVD) Das Spekulieren wird zunehmen. Ich erwarte weitere Coming-outs, aber nicht in den nächsten Tagen. Die Profis werden erst mal genau verfolgen, wie die Medien mit Hitzlsperger umgehen.

Interview: Stefan Hochgesand

Foto Fankurve: Imago Sportfotodienst

Foto Torsten Siebert: Gerd Metzner

Aktion „Rote Karte für Homophobie“: ?www.berlin.lsvd.de/projekte/soccer-sound

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