Stadtleben

Tipps für Bewegungsmuffel

MatthiasSeidelErst eine halbe Stunde Jogging auf dem Laufband zum Aufwärmen, danach Gewichte stemmen im Freihantelbereich oder zwei bis drei Runden an den Geräten – so sieht die klassische Trainingseinheit im Fitnessstudio aus. Matthias Seidel, Personal Trainer im Aspria Spa + Sporting Club, setzt auf ein Kontrastprogramm: erst Basketball und Kurzsprints in der Sporthalle, bei schönem Wetter Jogging am Lietzensee, danach geht’s weiter mit „Functional Training“ – so nennt man Übungen, die an natürliche Bewegungsabläufe angepasst sind. Dabei werden keine Fitnessmaschinen eingesetzt, sondern Seilzüge, Matten oder Gewichte.

Statt nur die Muskeln zu trainieren, geht es beim ganzheitlichen Functional Training auch um Gelenke, Sehnen und Balance – eben um den ganzen Körper. Und beim Aufwärmen achtet Seidel nicht nur auf die Pulsfrequenz, sondern auf etwas ganz anderes: den Spaßfaktor. Deshalb schickt er selten jemanden aufs Laufband, sondern startet die Trainingseinheit lieber spielerisch. „Abwechslung ist beim Training enorm wichtig“, meint der Personal Trainer, „denn Abwechslung sorgt für Motivation“.
Im Sport ist Motivation die Grundlage für alles. Man braucht sie, um anzufangen, um sich aufzuraffen und nach einem langen Arbeitstag vielleicht doch noch die Sporttasche zu packen. Man braucht sie aber auch, um durchzuhalten, wenn nach zehn Minuten Jogging der Atem pfeift oder die Beine schwer werden. Matthias Seidel meint, dass Motivation oft ein Ergebnis von Lernprozessen ist: „Motivation entsteht durch die Erkenntnis, dass der Weg des geringsten Widerstands nicht der richtige ist.“ Diese Erkenntnis vermittelt er seinen Klienten, und je besser ihm das gelingt, desto größer ist der nachhaltige Erfolg des Trainings. Denn nur wer motiviert ist, bleibt auch ohne Anleitung durch einen Profi in Schwung.

mirko_wegnerIn der Psychologie wird Motivation als ein Antrieb für Handlungen definiert: „Es ist die Ausrichtung des Lebensvollzugs auf ein bestimmtes Ziel hin“, sagt Mirko Wegner. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Sportpsychologie an der Humboldt Universität und fügt hinzu, dass das Thema eine Menge mit „Energisierungsfragen“ zu tun hat.
Eine zentrale Energisierungsfrage lautet: Welche Sportart ist die richtige für mich? Dazu liefert die Psychologie hilfreiche Forschungsergebnisse. Beim Thema Motivation werden Menschen in verschiedene Typen unterteilt. Da gibt es zunächst mal die leistungsorientierten – sie werden motiviert durch die Möglichkeit, die eigene Performance zu verbessern. Dann gibt es die machtorientierten – sie werden beflügelt, wenn sie Einfluss nehmen können. Das kann eine Chef-Position im Büro ermöglichen, aber auch ein emotionaler Einfluss auf andere Menschen ist für diesen Typus ein großes Erfolgserlebnis. Oder die besonders geselligen Menschen: Sie werden motiviert durch soziale Faktoren. Sie tun etwas, weil sie gern mit anderen Menschen zusammen sein oder gute soziale Beziehungen führen und fördern möchten.

Um eine Sportart zu finden, die zu mir passt, muss ich zunächst mal meinen eigenen Motivationstyp herausfinden. Weil viele Menschen ihre eigene Persönlichkeitsstruktur falsch beurteilen, kann es nicht schaden, ein paar Freunde um eine Einschätzung zu bitten. In vielen Fällen gibt es eine Verbindung zwischen dem Motivationstyp und den sportlichen Vorlieben. Leistungsorientierte Menschen mögen oft technische Sportarten, machtorientierte Sportler haben Spaß an Wettkämpfen und Menschen mit sozialer Motivation sind in Vereinen besser aufgehoben als beim einsamen Waldlauf. Wenn die passende Sportart gefunden ist, taucht schon die nächste Energisierungsfrage auf, die gerade für Anfänger ex­trem wichtig ist: Wie überwinde ich den inneren Schweinehund? Denn bevor ich ein sportliches Ziel erreiche – egal ob es der Berlin-Marathon in einer neuen persönlichen Bestzeit ist oder einfach nur eine Joggingrunde im Tiergarten – muss ich mich erst mal aufraffen, und das mehr als nur einmal. Wenn das Training seinen Zweck erfüllen soll, sind jede Woche mindestens zwei Trainingseinheiten fällig.

Um das eigene Durchhaltevermögen zu verbessern, sollten Anfänger für sich selbst mit Belohnungen Anreize setzen. „Belohnungen erhöhen die Motivation“, sagt der Sportwissenschaftler Wegner. „Nach dem Training darf man sich ruhig etwas gönnen.“ Die Belohnung sollte zu den individuellen Vorlieben passen. Der eine freut sich nach dem Sport auf ein kühles Bier, der andere auf einen faulen Abend vor dem Fernseher. Gerade am Anfang ist es wichtig, das Training mit positiven Empfindungen zu verknüpfen, die der Sport in dieser Zeit vielleicht noch nicht liefert. „Die ersten Wochen sind für die meisten Anfänger eine kritische Phase“, bestätigt Matthias Seidel, der Personal Trainer. Er empfiehlt, den Sport wie einen wichtigen beruflichen Termin fest in den Wochenkalender zu integrieren. Vermeiden sollte man in den ersten Trainingswochen längere Pausen, etwa durch Urlaube. „Das bringt die Leute völlig aus dem Trainingskonzept, danach muss man bei Null neu starten.“
Die gute Nachricht lautet: Für eine Verwandlung vom trägen Antisportler in einen fitten Freizeitathleten ist es nie zu spät. „Man kann in jedem Alter mit Sport beginnen“, ermutigt Wegner die spät berufenen Anfänger. Und: Nach einigen Wochen Training zeigen sich meist die ersten Erfolgserlebnisse. Die Kilos schwinden, das Körpergefühl wird besser, die Bikini-Figur zeichnet sich ab. Sobald das Training spürbare oder sichtbare Erfolgserlebnisse bringt, kann man die externen Belohnungen weglassen. Dann liefert der Sport genug Belohnung, um die nötige Motivation für die nächsten Trainingseinheiten zu entwickeln. 

Text: Oliver Burgard
Fotos: Kerstin Anders/Hipi

Einige Fitness-Adressen:

Aspria Spa + Sporting Club
Karlsruher Straße 20, Charlottenburg, Tel: 89 06 888 68
www.aspria-berlin.de

Elixia Health & Wellness Group
Prager Platz, Wilmersdorf, Tel: 85 40 68 00
Heidenauer Straße 26, Hellersdorf, Tel: 99 27 76 00
Lankwitzer Straße 19-24, Lichterfelde, Tel: 27 49 02 70

Gesundheitszentrum Primavita
Argentinische Allee 40, Zehlendorf, Tel: 81 81 03 01

Sport- und Kulturzentrum Pankow
Nordendstraße 56, Pankow, Tel: 74 07 25-0

 

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