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Psychologie

Angst vor Corona? Fünf Tipps, seine Ängste zu reduzieren

Die Nachrichten überschlagen sich, viele Menschen haben Angst vor Corona. Es wird von Ausgangssperren und Passierscheinen gesprochen, die Regale in Supermärkten sind teilweise leer, das unsichtbare Virus lauert überall, man sorgt sich um die eigene Gesundheit und die der Familie und Freunde. In diesen bedrohlichen Zeiten, in denen man auch viel allein sein muss, in häuslicher Quarantäne, kann man leicht Ängste entwickeln. Die Ärztin in der Psychosomatik Hanna Liesenfeld gibt Tipps, wie man die Corona-Angst in den Griff bekommt

Angst vor Corona? Eine Frau ist ins sich versunken. Wir haben fünf Tipps, wie man die Ängste vor dem Virus reduzieren kann.
Wegen dem Ausbruch des Corona-Virus verspüren viele Menschen Ängste, man kann die Angst mit speziellen Übungen und Verhaltensweisen reduzieren. Foto: Unsplash

Sich richtig informieren:  

Kontrollverlust kann schlimm sein. Deswegen haben manche Menschen Angst im Flugzeug oder wenn sie im Auto nicht selbst am Steuer sitzen. Auch momentan beschleicht uns das Gefühl: Corona fährt, wir sitzen hinten und wir müssen uns gut anschnallen. Das tun wir auch. Durch Politik, Gesundheitswesen und die Solidarität der Einzelnen. Trotzdem: Angst zu haben ist normal. Um dem entgegenzuwirken, sollte man sich informieren. In der Psychotherapie wird das Psychoedukation genannt.

Das Wissen über Erkrankung und Therapie kann Patienten bei der Bewältigung helfen. So auch hier. Je besser wir Bescheid wissen, desto einfacher können wir eine gefühlte Gefahr richtig einordnen und so unsere Angst reduzieren. Das heißt, in nächster Zeit sollten wir gute Corona-Edukation betreiben. Ein Übermaß an Fallzahlen, Meinungen und Infos kann allerdings schnell überfordern. Am besten eine vertrauensvolle Plattform aussuchen (zum Beispiel die Website des RKI oder der NDR-Podcast von Christian Drosten) und möglichst bei ihr bleiben. 

Die Fantasie einsetzen:  

In unsicheren Zeiten werden Menschen kreativ. Im Kopf drehen sich die Gedanken: Von der Corona-Apokalypse zum Horror-Szenario, einem Leben ohne Klopapier. Gedanklich ist alles möglich. Die eigene Fantasie kann man derzeit aber besser nutzen. Für Imaginationsübungen zum Beispiel. Die sind schon lange ein wichtiger Bestandteil der psychotherapeutischen Traumatherapie. Man muss aber kein Trauma erlebt haben, um von ihnen zu profitieren. Weniger Angst und Anspannung oder die Vorstellung eines sicheren Orts, kann derzeit jeder gebrauchen.

Nach einem langen Tag in Quarantäne und vielen besorgniserregenden Corona-News, kann man es mit der Tresorübung probieren: Sich einen Tresor vorstellen, Tür aufmachen, alle Sorgen reinlegen (Corona inklusive), Tür zu machen, abschließen. Den Schlüssel gedanklich irgendwo deponieren, wo man drankommt. Denn es geht nicht um Verdrängung. Sondern darum, die Kontrolle über seine Angst zu haben und nicht andersrum. Und sich eine Pause zu gönnen, wenn alles zu groß wird. Das mag absurd klingen, ist es aber nicht. Einfach mal ausprobieren, die Zeit dafür haben wir gerade.  

Achtsamkeit üben: 

Die Welt ist im Krisenmodus und gleichzeitig hält Corona für das individuelle Leben die Pausentaste gedrückt. Einfach so. Ohne zu fragen. Doch, ob erzwungen oder nicht, erscheint die Welt in diesen Tagen achtsamer. Mit mehr Bewusstsein. Dafür, wie fragil das eigene Leben ist und dafür, dass das Überleben nur Zusammen geht. Achtsam sein kann uns auch bei Ängsten helfen. Die Übungen dazu sind vielfältig. Gemeinsam haben sie, dass man im Jetzt sein soll. Ohne zu bewerten.

Beim „Body-Scan“ zum Beispiel geht es um die konzentrierte Beobachtung was der Körper an den verschiedenen Stellen gerade wahrnimmt. Ohne Wertung oder den Versuch, seine Umgebung ausschließlich zu beschreiben. Das is erschreckend schwierig und muss geübt werden. Daher mehrmals am Tag einen Wecker stellen und eine Übung machen. Achtsamkeit ist ein wichtiger Bestandteil von Verhaltenstherapien. Aktuell scheint überhaupt ein guter Zeitpunkt zu sein, unser Verhalten zu überdenken. 

Angst zum Ausdruck bringen:  

Oft ist Angst abstrakt und schwer zu fassen. Dann wissen wir gar nicht genau, warum und wovor wir eigentlich Angst haben. Momentan ist der Grund kollektiv und konkreter denn je. Und trotzdem ist das Gefühl von Angst immer individuell, sowohl in der Intensität und den Hintergründen. Deswegen kann es hilfreich sein, dieses Gefühl zum Ausdruck zu bringen. Egal wie. Ob verbal, im Austausch mit anderen oder zum Beispiel künstlerisch. Aufmalen, was Angst macht, so funktioniert auch ein Teil der Kunsttherapie. Wer das nicht möchte, kann statt malen schreiben. Die Angst aufschreiben und anerkennen, kann sie manchmal kleiner erscheinen lassen. 

Bewusst Ablenkung suchen: 

Die aktuelle Nachrichtenlage verunsichert. Den ganzen Tag zu Hause zu verbringen, mit nur einem Mausklick entfernt von den neuesten Erkrankungszahlen, macht es nicht besser. Dabei können aus nachvollziehbaren, sogenannte „katastrophisierende“ Ängste werden. Das bedeutet zum Beispiel, wenn man auf eine reale Bedrohung mit übertriebenen Schlussfolgerungen reagiert und sich etwa ausmalt, die Quarantäne sei vielleicht für immer. Um das zu verhindern, sollte man sich Ablenkung gönnen. Zum Beispiel durch Bewegung: Sport wirkt angstlösend. Wenn man also beim Corona-Kopfkino mal wieder in der ersten Reihe sitzt, eine Runde um den Block laufen. 


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