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Berlin verstehen

12 Dinge, die Berliner*innen an Touris so richtig nerven

Berlin wäre nicht, was es ist, wenn es die vielen Touris nicht hätte. Sie spülen Geld in die klammen Kassen der Metropole, führen einem gelegentlich vor Augen, in was für einer tollen Stadt wir wohnen, und bringen manchmal Schwung in Partys, die voll mit so coolen Berliner Einheimischen sind, dass sie schon wieder langweilig werden. Aber manchmal nerven sie auch ganz schön — Donnerwetter, wie sie manchmal nerven! Wann und wieso? Das steht in unserer Liste. Wir haben 12 Dinge gesammelt, die Berliner*innen an Touris so richtig nerven.


Wenn sie in Hauseingänge pinkeln

12 Dinge, die Berliner*innen an Touris so richtig nerven: Urin in Hauseingängen
Vollgepisste Hauseingänge mag niemand. Foto: imago images/ Chromorange

Urin stinkt. Wenn es länger steht und trocknet, stinkt es noch mehr. Und wenn es aus der Blase von Besoffenen stammt, wird’s richtig eklig. Deswegen gibt es diese weißen Becken aus Keramik, in die man es normalerweise hineinbefördert und zack, wegspült. Das Wasserklosett ist wirklich eine der besten Erfindungen unserer Zivilisation. Leider gibt’s davon in der Öffentlichkeit zu wenig und in der Nähe von Spätis schon mal gar keine.

Das ist nicht eure Schuld, liebe Touris, sondern die Schuld der Stadt. Es ist aber sehr wohl eure Schuld, wenn ihr euer stinkendes Bier-Urin in Hauseingänge laufen lasst. Gebt euch doch mal ein bisschen mehr Mühe beim Wildpinkeln! Machen wir doch auch. Sucht euch einen Park oder wenigstens einen Grünstreifen. Oder pinkelt zwischen Autos, die mögen wir hier in Berlin eh nicht so gerne. Noch eine Möglichkeit: Ihr fragt in einer Bar, ob ihr mal kurz aufs Klo dürft und zahlt zur Not 50 Cent. Im Gegensatz zu Obdachlosen könnt ihr euch das offensichtlich leisten.


Wenn sie gröhlend in der Schlange vorm Club stehen und sich dann wundern, wenn sie nicht reinkommen

Wer in der Schlange rumgröhlt, muss sich nicht wundern, an der Tür abgewiesen zu werden. Foto: imago/Owsnitzki

Ja, die Türen an Berliner Clubs sind hart. Gerade sind sie wegen der Pandemie sogar so hart, dass fast niemand zum Tanzen hindurch kommt. Aber auch in Pandemie-freien Zeiten hat die harte Türpolitik einen Grund. Der ist, dass die Clubs versuchen, Safe Spaces zu kreieren, in denen sich Frauen*, queere Menschen und andere Minderheiten nicht vor den Übergriffen irgendwelcher aufgeblasenen, toxisch männlichen Typen fürchten müssen. Wenn Touris dann in Gruppen von fünf bis sechs Männern besoffen in der Schlange stehen und rumgrölen, ist es kein Wunder, wenn die Türsteher*innen sie nicht in den Club lassen. Und das ist auch gut so. Denn solche Gruppen neigen nun mal dazu, sich unangemessen zu verhalten.


Wenn sie darüber meckern, dass Berlin zu dreckig ist

12 Dinge, die Berliner*innen an Touris so richtig nerven: Gemecker über Dreck
Dreckige Orte sind Berlins kleinstes Problem. Foto: imago images/Steinach

Ja, Berlin könnte sauberer sein. Es könnte aber auch mehr Personal in den Bürgerämtern haben, mehr Radwege und mehr Bäume. Ein besseres Abwassersystem, weniger marode Schulen, mehr Lehrer*innen. Mehr günstige Mietwohnungen und weniger raffgierige Investor*innen. Berlin hat viele Probleme. Vollgepinkelte U-Bahnhöfe und Sperrmüll auf den Straßen gehören aber nicht zu den drängendsten. Deswegen, Ilse und Winfried aus Aalen im Schwabenland, verdrehen wir hier in Berlin nur genervt die Augen, wenn ihr euch über den Dreck an Neuköllner Straßenecken echauffiert. Und kommt uns ja nicht mit eurer Kehrwoche! Aber wenn es euch in den Fingern juckt, könnt ihr den Müll in eurem Mercedes GLS-SUV gerne zur Müllverbrennungsanlage fahren.


Wenn sie bei H&M und Primark einkaufen

Primark gibt es nicht nur in Berlin. Foto: imago images/Ralph Peters

Was geht wohl in den Köpfen von Touris vor, die, kaum in Berlin angekommen, erstmal die H&Ms der Stadt und den Primark am Alex stürmen? Wissen die nicht, dass sie die Klamotten, die dort von den Wühltischen und Kleiderbügeln aus den Laden vollstinken, ebenso gut in Krefeld, Kopenhagen oder Kempten kaufen können? Zugegeben verhalten sich viele Berliner*innen im Urlaub wahrscheinlich nicht besser und gehen in Barcelona als erstes zu Zara und H&M, obwohl es in Berlin davon drölfzig Filialen gibt. Den lokalen Händler*innen ist damit aber nicht geholfen, weder in Berlin noch in Barcelona. Dabei gibt es sie noch. Sie verkaufen ihre Waren neu und Second Hand, teuer und günstig.


Wenn sie Berlin als „failed state“ bezeichnen

12 Dinge, die Berliner*innen an Touris so richtig nerven: Arroganz
Möchte lieber nicht in Berlin wohnen: Boris Palmer. Foto: imago images/Eibner

Es gibt eine goldene Regel, die weder rechte Idioten noch Boris Palmer verstanden haben. Okay, eigentlich gibt es viele goldene Regeln, die weder der Tübinger Oberbürgermeister noch die braunen Ewiggestrigen kapiert haben. Diese eine aber lautet: Beschmutze immer dein eigenes Nest. Das kann man gut am Beispiel von Familien veranschaulichen. Wenn jemand über seine eigene Schwester sagt, sie sei dreist, weil sie ihm (ihr) immer Klamotten aus dem Kleiderschrank klaut und außerdem sei sie schlecht geschminkt, dann ist das okay. Schließlich waren in der Kindheit noch ganz andere Sachen okay, oder zumindest so halb (zum Beispiel, und hier wird die Metapher greifbar, den anderen mit Dreck oder Sand zu bewerfen).

Wenn aber irgendein dahergelaufener Heiopei die eigene Schwester beleidigt, ist das nicht okay. Genau so verhält es sich mit der Stadt, die man liebt. Wenn also irgendein dahergelaufener Heiopei, der obendrauf auch noch aus Baden-Württemberg kommt (Boris Palmer), Berlin als „failed state“ bezeichnet, dann kommt das in der Hauptstadt nicht gut an. Vor allem nicht, wenn man im gleichen Atemzug sagt, das eigene Städtchen solle bloß nicht so werden wie Berlin. Wie schlecht das in Berlin ankommt, zeigten zum Beispiel Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) oder Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), die Palmer höflich einluden, Berlin wieder zu verlassen.


Wenn sie Segway fahren

Touris auf Segways: nervig, aber auch irgendwie herzallerliebst. Foto: imago images/Jochen Tack

Eigentlich gibt es in Berlin keinen Ort, wo Platz für nervende Touris auf Segways ist: nicht auf dem Gehweg, nicht auf dem Radweg, nicht auf Plätzen und nicht auf der Straße. Wobei das ja irgendwie schon wieder bewundernswert wäre: Wenn ihr mit euren Segways den Autofahrer*innen dieser Stadt den Besitz ihrer Blechkisten madig machen würdet, liebe Touris. Wahrscheinlich würden sie es euch nicht mal übel nehmen, weil man jemanden auf einem Segway nun mal nicht ernst nehmen kann. Und die radfahrenden Berliner*innen würden euch feiern. Insgeheim feiern wir euch wahrscheinlich übrigens eh alle, wenn ihr Segway fahrt. Euch macht es nämlich anscheinend nichts aus, wenn man über euch lacht. Im Gegensatz zu uns. Dazu sind wir hier in Berlin viel zu cool und zu schwarz angezogen und essen zu viel veganes Ceviche.


Wenn sie uns unsere Currys für sechs Euro nicht gönnen können

12 Dinge, die Berliner*innen an Touris so richtig nerven: Neid
Man muss auch gönnen können. Zum Beispiel Currys für sechs Euro. Foto: imago images/Panthermedia

Okay, Döner für unter zwei Euro ist vielleicht tatsächlich ein bisschen eklig. Gibt’s in Berlin auch nur noch an ausgewählten Dönerbuden, schmeckt nicht gut und ist außerdem pervers, weil Tiere dafür sterben mussten. Döner für zwei Euro brauchen wir also echt nicht. Worauf wir aber auf keinen Fall verzichten wollen, sind Currys oder vietnamesische Nudelsalate für sechs oder sieben Euro, die echt lecker schmecken und die wir auf Klappbänken serviert bekommen. Wir bestellen sie aus klebrigen Speisekarten und schütten Sojasauce aus klebrigen Flaschen drüber.

So geht das, wenn man günstig und lecker berlinerisch-vietnameisch-thai-koreanisch essen will. Probiert es aus! Aber, liebe Touris, hört auf, mit so einem leidenden Unterton in der Stimme zu sagen, dass ein Curry in Düsseldorf mindestens 12 Euro kostet. Das tut uns leid. Wir können auch nichts dafür, dass ihr in so einer schnöseligen Stadt wohnt.


Wenn sie mit komischem Unterton feststellen, dass man auf der Sonnenallee ziemlich viel Arabisch hört

In Berlin hört man viele Sprachen und auf der Sonnenallee besonders viel arabisch. Foto: Winfried Rothermel

Menschen, die selbst oder deren Vorfahren in ein anderes Land eingewandert sind, siedeln sich mit Vorliebe dort an, wo schon viele andere Menschen ihrer Kultur wohnen. Das ist in New York so, das ist in Melbourne so, das ist in Shanghai so, und das ist auf Malle so. In Argentinien und Brasilien gibt es ganze Dörfer, in denen fast nur deutsch gesprochen wird. Manche haben sogar deutsche Namen, wie „Blumenau“. Berlin ist eine diverse Stadt, in der Menschen mit den unterschiedlichsten Wurzeln leben.

Allerdings gibt es eben Länder und Regionen, aus denen besonders viele Menschen hierher gekommen sind. Dazu gehören die Türkei, der Libanon und Syrien, aber auch Vietnam. Und deswegen gibt es in Berlin Orte wie die Sonnenallee, aber auch das Dong Xuan Center. Damit muss man klar kommen oder sich weiter in Hintertupfingen langweilen und die ganze Woche nur Schweinebraten essen.


Wenn sie sich darüber beschweren, dass Berlin so abgelegen ist

12 Dinge, die Berliner*innen an Touris so richtig nerven: Faulheit
Nach Prag ist es von Berlin nicht weit. Foto: imago images/Xinhua

Ja, Berlin ist irgendwie schon fast Osteuropa. Nach einem Blick auf Google Maps sollte das eigentlich jedem klar sein. Es liegt nicht in diesem Getümmel aus westeuropäischen Großstädten, wo Brüssel, Brügge, Antwerpen, Paris und Köln allesamt in unter drei Stunden zu erreichen sind. Von hier aus braucht man mit dem Zug oder mit dem Auto lange nach Italien und nach Spanien erst recht. Aber dafür ist man schnell in Prag oder in Warschau oder in Bratislava. Das ist schön. Außerdem ist Westeuropa nicht der Nabel der Welt.


Wenn sie schwarzfahren und sich dann über die BVG beschweren

Die BVG braucht das Geld, das Touris für Tickets ausgeben. Foto: Imago Images/Wölk

Eigentlich ist es mit Touris, die sich über die BVG beschweren, das gleiche wie mit Boris Palmer, der über Berlin lästerte und fassungslosen Berliner*innen entgegen schmetterte, dass er nicht wolle, dass Tübingen wie Berlin werde (siehe oben). Man beschmutzt nicht das Nest von anderen, sondern nur das eigene! Wenn wir hier in Berlin über die BVG lästern ist das eine Sache. Aber wer aus einer Stadt wie Köln in Berlin zu Besuch ist, wo es nicht mal eine richtige U-Bahn gibt, und dann über die BVG herzieht, der bewegt sich auf dünnem Eis. Sich dann auch noch kein Ticket zu kaufen und der BVG das Geld zu verwehren, mit der sie besser werden könnte, schlägt dem Fass den Boden aus.


Wenn sie sich direkt vor die Türen stellen, nachdem die Bahn eingefahren ist

12 Dinge, die Berliner*innen an Touris so richtig nerven: Dickfälligkeit
Eigentlich nicht so schwer: Erst aussteigen lassen, dann selbst einsteigen.Foto: imago images/Frank Sorge

„Nur weil du dich direkt vor die Tür stellst, wenn die Bahn einfährt, kommste nicht schneller rein, Hildegard!“ Das müsste den nervösen Touri-Omis aus dem Sauerland echt mal jemand sagen. Und wenn er schon dabei ist, könnte dieser Sermon folgen: „Niemand steigt extra wegen dir eine Station später aus oder hat Lust, sich an dir vorbeizuquetschen, nur weil du Angst hattest, dass die Bahn ohne dich fährt. Andersherum sind die meisten Menschen gewillt, dich durch zu lassen, wenn du aussteigen musst. Deswegen ist es nicht nötig, dich zwei Stationen vorher an die Tür zu stellen. Vorher steigen nämlich noch zahlreiche andere Menschen aus und ein. Und wahrscheinlich steigen die, an denen du dich zwei Stationen vor deinem Ziel vorbeidrückst, sogar vor dir oder mit dir aus.“


Wenn sie „links gehen, rechts stehen“ auf Rolltreppen nicht kapieren

Links gehen, rechts stehen: eigentlich ein einfaches Prinzip. Foto: imago images/photothek

Wir Großstädter*innen sind, und das ist zwar eine unbelegte Annahme, aber wahrscheinlich wahr, öfter in Eile als die Menschen auf dem Land. Wir hetzen zur U-Bahn, obwohl die nächste in fünf Minuten kommt und schlängeln uns so schnell wie möglich an langsam gehenden Menschen auf Bürgersteigen vorbei. Etwas, was uns das Leben erleichtert, ist das Prinzip „links gehen, rechts stehen“ auf Rolltreppen. Wenn Menschen vom Land, die Rolltreppen nur bei Karstadt in der nächsten Mittelstadt und einmal im Jahr am Bahnhof der nächsten Großstadt begegnen, nicht verstehen, ist das ja irgendwie verständlich. Schließlich gibt es ja auch Berliner*innen, die das Prinzip noch immer nicht kapiert haben. Beide Gruppen, die dickfälligen Berliner*innen und die verträumten Touris, nerven auf Rolltreppen, wenn man es eilig hat.


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Nicht nur Touris bringen Berliner*innen manchmal auf die Palme, eigentlich nerven sich alle gegenseitig: Urberliner, Radfahrer, Hipster. Alle hassen alle. Vor allem aber regen sich Urberliner gerne über Neuankömmlinge auf: Wir haben 12 Dinge gesammelt, die Berliner an Zugezogenen nerven.

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