Stadtleben

Townhouses

Neben meinem Büro liegt ein Spielplatz, der neulich zum Park umgewidmet wurde. So verkündet es jedenfalls ein großes Schild auf einem Baugrundstück daneben. Hier entsteht ein modernes Appartementhaus mit Eigentumswohnungen direkt am Schendelpark, steht da.
Schendelpark! Ich stelle mir vor, wie irgendwelche reichen Russen oder Skandinavier eine schöne Eigentumswohnung über Immoscout kaufen und dann merken, dass der Park vor der Tür ein kleiner Spielplatz mit Klettergerüst und Tischtennisplatte ist.

Zurzeit gibt es so eine Art Wettbewerb im Schönreden, und gewonnen hat der Begriff Townhouse, den man heute statt Reihenhaus benutzt: schnell hochgezogene, oft strahlend weiße, nicht selten handtuchschmale Wohnwaben, deren Garagen passgenau Autos vom Schlage eines VW Touran aufnehmen können. Wohnghettos, die wir unseren Eltern niemals hätten durchgehen lassen, deren Spießigkeit durch glamouröse Namensgebungen camoufliert wird. Hauptsache, es klingt schön grün, klassisch und nach verkehrsberuhigter Spielstraße. Friedrichsgärten, Puccini-Gärten oder so ähnlich heißen diese Siedlungen, die fatal an die rohbauüberzogenen Küsten der Costa del Sol erinnern.
Konsequenterweise sollte man das Regipsschloss, das bald wiederaufgebaut wird, in 500 praktische Reihenhäuser unterteilen – dann wäre es zwar immer noch hässlich, aber immerhin ein gutes Geschäft. Mein Namensvorschlag: Downtownhouses im Central Park, irgendein Grünstreifen in der Nähe wird sich schon finden.

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