• Stadtleben
  • Travis J. Todd über sein Projekt „Silivon Allee“

Stadtleben

Travis J. Todd über sein Projekt „Silivon Allee“

travis_toddtip: Was machen Sie eigentlich hier? Warum sind Sie nicht in Kalifornien?

Travis J. Todd: Das Silicon Valley ist total überfüllt. Es gibt viel zu viele Start-ups. Es ist einfach schwierig dort, die Aufmerksamkeit der Investoren zu bekommen. Da musst du wirklich der Beste der Besten sein, wenn du es schaffen willst. Und das Leben im Valley ist sehr teuer. In Berlin findest du günstige Mieten, viele junge Kreative, viele Universitäten, viel Kultur. Das zieht Start-ups an, weil sie so mehr Raum für Experimente haben.

tip: Aus dem Valley haben Sie aber trotzdem etwas mitgebracht.?

Todd: Stimmt! Ich war ja fünf Monate dort. Und was in Berlin tatsächlich fehlt, sind regelmäßige Treffen, bei denen sich Gründer von Start-ups austauschen können. Und der Austausch ist am Anfang das Wichtigste: Feedback bekommen für seine Ideen, von den Fehlern der anderen lernen, Leute kennenlernen, die einen mit Investoren oder Programmierern bekannt machen können. Deswegen haben wir Silicon Allee gegründet.

tip: Warum gab es bisher solche Treffen in Berlin nicht??

Todd: Die Deutschen sind sehr paranoid, wenn es um ihre Ideen geht. Sie haben immer Angst, dass ihnen jemand etwas klaut. Wir Amerikaner haben das längst abgelegt. Wir denken: Um die beste Idee zu verwirklichen, musst du sie teilen.

tip: Und dann klaut sie jemand …

Todd: Tja, wenn du es dann nicht schaffst, es besser zu machen, obwohl es deine Idee war, dann hast du etwas falsch gemacht.

tip: Sie organisieren Silicon Allee zusammen mit Schuyler Deerman und dem britischen Journalisten David Knight. Wofür brauchen Sie den englischsprachigen Journalisten?

Todd: Uns war von Anfang an wichtig, dass Silicon Allee auf Englisch stattfindet, weil so viele der Start-ups in Berlin von jungen Leuten aus der ganzen Welt gegründet werden. Und begleiten sollen das Ganze Texte über die Szene, auch in Englisch, denn nur so wird das, was hier passiert, weltweit wahrgenommen. Und bisher gab es eben noch keine englischsprachige Seite mit News über die Szene in Berlin. Wie sollen Investoren im Silicon Valley also davon erfahren? Sie hätten höchstens Google Translate nutzen können.

tip: Und? Interessiert es die großen Investoren in den USA, was in Berlin passiert?

Todd: Langsam ja. Es ist tatsächlich bisher auch ein Problem, dass es nicht viel Geld in Berlins Tech-Szene gibt. Aber es kommt. Die ersten Start-ups wie Soundcloud oder 6Wunderkinder haben bereits große Investments bekommen. Andere haben ihre Ideen weiterverkauft, City Deal zum Beispiel. Je mehr so etwas passiert, desto mehr Geld gibt es in der Stadt, das dann wieder investiert wird. Und der erste große Investor, Earlybird, hat hier vor ein paar Wochen ein Büro am Rosenthaler Platz aufgemacht. Es passiert gerade viel in Berlin. Und wir wollen mit Silicon Allee genau diese Botschaft verbreiten.

tip: Sie betreiben ja selbst auch ein noch sehr junges Unternehmen in Berlin.

Todd: Ja, vor etwa einem Jahr habe ich mit meinen Partnern Min Sung Kim und Benedikt Bingler ein Start-up gegründet, es heißt Buddy Beers. Du kannst bei uns deinen Freunden online ein Bier ausgeben. Sie bekommen einen Gutschein auf ihr Smartphone geschickt, zeigen den in einer der Bars, mit denen wir zusammenarbeiten – das FC Mag­net zum Beispiel, das Edelweiss im Görlitzer Park oder im Locke Müller am Spreewaldplatz – und dann bekommen sie ein Bier.

tip: Schön, aber ich könnte meinen Freunden das Bier ja auch einfach an der Bar bezahlen…

Todd: Aber nicht, wenn sie in einer anderen Stadt leben oder auf einem anderen Kontinent. Wir testen buddybeers.com gerade nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen deutschen Städten, in Großbritannien, in der Schweiz und in Amerika. So ist die Idee auch entstanden: Mein kleiner Bruder, der in Florida lebt, wurde 21 Jahre alt und ich wollte ihm zu seinem Geburtstag ein Bier ausgeben. Das war unmöglich. Die beste Idee für ein Start-up ist etwas, das Leute wirklich brauchen können.

tip: Und was haben Sie von dem Ganzen? Geld verdienen werden Sie mit Silicon Allee wohl eher nicht.

Todd: Meine Partner und ich, wir von Buddy Beers profitieren natürlich auch von einem Netzwerk wie Silicon Allee.

Interview: Anne Lena Mösken

www.siliconallee.com Treffen: einmal im Monat, St. Oberholz, Rosenthaler Straße 72, Mitte, [email protected]

Buddy Beers www.buddybeers.com

Mehr über Cookies erfahren