Stadtleben

Trend: Frauen Boxen

Boxen gilt als perfekte Schulung für mehr Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit. Das entdecken auch immer mehr Frauen, die das Training als Work-out nutzen

FrauenboxenEin Montagabend im Herbst. 18 Uhr, die Uni ist zu Ende, es ist bereits dunkel. Regen. Ein Wetter, beim dem jeder, der die Wahl hat, lieber in einem netten Cafй sitzen und einen Kakao trinken würde. Ich nicht, ich gehe zum Boxen. Zum Frauenboxen.

Was ich als Nächstes zu tun habe, weiß Stephan Katic, der Box-Coach im Kampfsportcenter der Humboldt-Uni in der Linienstraße, ganz genau: „Sie schlägt mit links, du wehrst den Schlag ab und schlägst links-rechts. Lasst eure Schläge schön aus der Hüfte kommen, damit sie volle Wucht haben. Das könnt ihr euch auch merken, wenn euch mal ein Typ blöd kommt.“ Über den letzten Satz des Trainers muss ich lachen. Noch finde ich es ziemlich schwierig, meinen Körper seinen Anweisungen entsprechend zu koordinieren.

Lilly, eine meiner Mitstreiterinnen, Deutsch- und Informatikstudentin, ist davon überzeugt, dass Boxen ein toller Sport für den ganzen Körper sei. Vor allem aber gefällt ihr der psychologische Aspekt dabei: „Es geht nicht nur um körperliche, es geht auch viel um geis­tige Kraft.“ Maria, Umweltmanagementstudentin, dagegen sieht die ganze Sache pragmatischer: „Boxen ist super gut. Das ist Kloppen mit Regeln und viel Technik.“ Ich selbst fühle mich nach jedem Training großartig. Nicht nur, dass ich schön erschöpft bin. Auch dem weiblichen Selbstvertrauen tut es unheimlich gut, mal ein bisschen zu kämpfen und dabei seine aggressive Seite auszuleben.

Nicht erst seit dem Film „Million Dollar Baby“ (USA 2004) von Clint Eastwood, in der sich eine toughe Hillary Swank alias Maggie Fitzgerald hartnäckig nach oben boxt, streifen sich immer mehr Frauen Boxhandschuhe über. „Allerdings“, so Alexander Mazur, Pressesprecher des Deutschen Boxverbandes, „boxen Frauen vor allem, um fit zu bleiben und um etwas für ihre Figur zu tun.“ Boxen sei schließlich besonders gut für „Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit“. Dennoch wachse im Gefolge international erfolgreicher Boxerinnen wie Laila Ali, Tochter der US-Box-Legende Muhammad Ali, oder der Deutschen Regina Halmich, bei boxenden Frauen auch das Interesse am Wettkampf im Ring. Immerhin wird Frauenboxen in London 2012 erstmals olympisch.

Doch bei Stephan Katic, im Frauenbox-Kurs an der Humboldt-Universität, ist man von Medaillenträumen erst mal noch weit entfernt. Zwar will der Coach sein Training keinesfalls als harmlose Box-Aerobic missverstanden wissen und betont vor Neueinsteigerinnen, dass es bei ihm um echten Kampfsport geht. Der Run auf seine Kurse spiegelt sich hinsichtlich der Beteiligung an Frauenboxkämpfen bei den Hochschulmeis­terschaften jedoch kaum wieder. Katic: „Frauen haben weniger Interesse in den Ring zu steigen.“ Umso intensiver stürzen sich die Uni-Sportlerinnen jedoch ins Aufwärmtraining, etwa dem Seilchenspringen, den Kräftigungsübungen, wie den klassischen Liegestützen, der Arbeit am Sandsack und auch in die Partnerarbeit, dem Sparring. Schon kommen die Fäuste meiner Sparrings-Partnerin angeflogen. „Hilfe, meine Nase“, schießt es mir intuitiv durch den Kopf. Hinter meinen vorgehaltenen Unterarmen gehe ich in Deckung. Dabei, das hat Alexander Mazur vom Deutschen Boxverband gesagt, seien Verletzungen im Amateur-Boxsport eher selten. Der Pressesprecher etwas jovial-machohaft: „Ich kenne eine, die hat Zahnmedizin studiert, die boxt schon lange und war fünfmal deutsche Meisterin. Die sieht immer noch sehr hübsch aus!“

Text: Josephine Apraku
Fotos: Harry Schnitger

Unter bestimmten Voraussetzungen können an einigen Universitäten quch Nicht-Studenten an Uni-Sport­kursen und so auch am (Frauen-) Boxen teilnehmen.

Infos dazu und zu den Kursen unter:
www.tu-sport.de
www.hs-sport.fu-berlin.de

MS-Boxstudio

Trainingsort: Linienstraße 121, Mitte, Tel. 45 30 18 03, www.ms-boxstudio.de
Zusammen mit A-Lizenz-Boxtrainer coacht Stephan Katic unabhängig vom Uni-Betrieb Frauen und Männer, die ihre Koordinations- und Reaktions­fähigkeit sowie ihre Beweglichkeit
und Ausdauer mit Hilfe von Box-Training schulen wollen.

SV Astoria

Prinzenallee 8, Wedding, Tel. 28 03 52 31, www.sv-astoria.de
In diesem ältesten Boxverein Deutschlands trainieren Frauen zusammen mit Männern, ein Probe­training ist jederzeit ohne Anmeldung möglich, Infos über Trainingszeiten etc. auf der Homepage.

IsiGym Boxsport

Potsdamer Straße 152, Tiergarten, Tel. 0174-393 92 06, www.boxverein-berlin.de
In der großen, gut ausgestatteten Boxhalle sind alle Boxinteressierten Kinder, Frauen und Männer herzlich willkommen. Einsteiger können an Schnupperkursen teilnehmen.

Budokan Kampfsportschule

Rheinstraße 45, Friedenau, Tel. 852 67 63, www.budokan-berlin.com
Neben Kampfsportarten wie Kickboxen oder Muay-Thai werden bei Budokan auch Boxkurse angeboten, an denen gleichermaßen Männer wie Frauen teilnehmen können.

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