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12 wichtige türkischstämmige Menschen in Berlin von Kultur bis Politik

Türkischstämmige Menschen prägen Berlin. In ihrer Geschichte ist der 30. Oktober 1961 ein zentrales Datum: An diesem Tag wurde das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei unterzeichnet. Das zweiseitige Dokument, das vor 60 Jahren verfasst wurde, ermöglichte die Entsendung türkischer Arbeitskräfte nach Deutschland, sie wurden als „Gastarbeiter“ bezeichnet.

Ihr Zuzug hatte enormen Einfluss auf die deutsche Gesellschaft und Kultur. Bis heute bilden Menschen türkischer Herkunft eine der größten ethnischen Minderheiten in Deutschland. Allein in Berlin leben rund 200.000 türkischstämmige Menschen. In dieser Liste zum Jubiläum des Anwerbeabkommens stellen wir 12 türkischstämmige Berliner:innen vor, die die Hauptstadt und Deutschland nachhaltig geprägt haben.


Aras Ören (Schriftsteller und Schauspieler)

Aras Ören gilt als erster türkische Schriftsteller, der sich im deutschen Literaturbetrieb einen Namen machen konnte. Foto: Imago/Matthias Reichelt

„Was will Niyazi in der Naunynstraße?“ Diese Frage stellt sich Aras Ören in seinem gleichnamigen Berlin-Poem, das 1973 veröffentlicht wurde und als erstes populäres Werk eines türkischen Literaten in Deutschland gilt. Der Schriftsteller und Schauspieler zog 1969 von Istanbul nach Berlin, um eine Theatergruppe für türkische Migrant:innen auf die Beine zu stellen und seine Karriere anzukurbeln.

Noch im selben Jahr schloss er sich der Künstlergruppe Rote Nelke an und vernetzte sich mit der politischen und kreativen Alternativszene West-Berlins. Gleichzeitig hielt sich Ören mit Gelegenheitsjobs in Fabriken über Wasser, wobei er Schicksale, Hoffnungen und Probleme der türkischen Gastarbeiter:innen aus erster Hand erfuhr. Diese Eindrücke und das eigene Leben in Kreuzberg verarbeitet der Schriftsteller in seiner Berlin-Trilogie. Eindrücklich schildert er hierbei das migrantische Leben in Berlin. Es geht um Fremdenfeindlichkeit, Sprachbarrieren, Armut, geplatzte Träume vom besseren Leben in Deutschland, prekäre Wohnverhältnisse, harte Arbeitsbedingungen, Heimweh, Identifikation und Integration.

In seinen Poemen gibt Aras Ören Menschen eine Stimme, die in breiten Teilen der deutschen Gesellschaft ignoriert werden, thematisiert Probleme der Integrationspolitik auf schonungslose Weise und liefert einen unglaublichen Eindruck in das Kreuzberg der 1970er-Jahre.

Aras Ören spielte auch in Fernsehproduktionen mit: In „Gleichnisse – Ümran, Du nicht Feierabend machen“ (1973) fällt er von einem Baugerüst. Die Arbeiter helfen ihm und versuchen dem Chef zu erklären, was passiert ist. Foto: Imago/Telepress

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete Ören als Redakteur beim SFB, wo er die türkische Redaktion mitgründete und ab 1996 leitete. 1999 wurde der Schriftsteller für die Poetik-Dozentur an die Universität Thüringen berufen. Seit 2012 ist er aktives Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Seine Berlin-Trilogie wurde 2019 neu aufgelegt und gilt nach wie vor als eines der wichtigsten literarischen Werken eines türkischen Schriftstellers in Deutschland – undd zählt natürlich zu unseren 100 Berlin-Büchern, die man gelesen haben sollte.


Dilek Kalayci (Politikerin)

Dilek Kalayci bekleidete in ihrer langen Karriere viele wichtige Ämter in Wirtschaft und Politik. Zuletzt war sie Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Foto: Imago/snapshot

Dilek Kalayci ist SPD-Politikerin in Berlin und trat 2016 das Amt der Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung an. Geboren wurde sie 1967 in Kelkit in der Türkei, im Alter von drei Jahren zog sie gemeinsam mit ihren Eltern nach West-Berlin. Nach ihrem Wirtschaftsmathematik-Diplom arbeitete Kalayci bei der deutschen Kreditbank. In den folgenden Jahren hatte sie wichtige Berliner Ämter inne.

So war sie unter anderem Kreisvorsitzende der SPD Tempelhof-Schöneberg, Vertreterin des Landesverbandes Berlin im Bundesparteirat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen und Stellvertreterin des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller. Seit 2016 ist sie Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Außerdem bekleidet sie wichtige Wirtschaftsposten bei Vivantes, der Kaiser-Friedrich-Stiftung und der Berliner Sparkasse.

Dilek Kalayci kann auf eine lange Karriere zurückblicken. Seit 1995 prägte sie die Politik der Hauptstadt mit. Am 6. August 2020 verkündete Kalayci ihren Rückzug aus dem Berliner Abgeordnetenhaus und dem Senat, zur Berlin-Wahl 2021 trat sie nicht mehr an.


Kadir Memiş (Tänzer und Choreograf)

Kadir Memiş (rechts) ist ein erfolgreicher Tänzer und Choreograf. Seine Werke sind von den Eindrücken der Großstadt geprägt. Foto: Imago/Pop-Eye

Kadir „Amigo“ Memiş kombiniert in seinen Choreografien traditionelle anatolische Tänze, die er in seiner Kindheit in dem türkischen Dorf Danişment kennenlernte, mit modernen Breakdance-Moves. Mit dieser interessanten Verbindung entwickelte der Tänzer und Choreograf einen völlig neuen Tanzstil namens ZeyBreak.

Memiş kam mit zehn Jahren aus der Türkei nach Deutschland. Seine Eltern waren bereits in den 1960er-Jahren als Arbeitsmigrant:innen eingewandert, ließen ihren Sohn allerdings vorerst bei Verwandten in Danişment, bevor sie ihn nach Berlin holten. Anfangs ohne Deutschkenntnisse sammelte der junge Memiş spannende Eindrücke der Großstadt. Der ewige Trubel, die flackernden Lichter, mächtige Hochhäuser und die vielfältigen Menschen faszinierten ihn und prägten seinen künstlerischen Werdegang. 1993 gründete er die Berliner Tanzgruppe Flying Steps, die mit ihren grandiosen Performances mehrmals die Breakdance-Weltmeisterschaft gewinnen konnten.

Heutzutage ist Kadir Memiş einer der wichtigsten Berliner Tänzer und Choreografen. Seine Projekte sind in Deutschland und der Türkei populär und zeigen, wie gut die Kombination verschiedener Einflüsse und Kulturen funktionieren kann.


Hatice Akyün (Journalistin, Moderatorin, Drehbuchautorin, Schrifstellerin, Rednerin)

Hatice Akyün bei einer Lesung in Berlin. Die Journalistin, Drehbuchautorin, Schriftstellerin und Moderatorin ist eine zentrale Repräsentantin der Gastarbeiterkinder-Generation in Deutschland. Foto: Imago/Gerhard Leber

Hatice Akyün ist eine wichtige Impulsgeberin in der deutschen Integrationsdebatte. Regelmäßig schreibt sie kritische Reportagen für große Medien wie „Tagesspiegel“, „taz“, „Spiegel“ und „Zeit“, in denen Klischees, Probleme und Ungerechtigkeiten thematisiert werden.

Akyün zog 1972 als Kleinkind mit ihren Eltern von Anatolien nach Duisburg. Nach einer Ausbildung beim Amtsgericht Duisburg, einem BWL-Studium in Düsseldorf und einem Volontariat bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zog sie im Jahr 2000 nach Berlin. In der Hauptstadt kam ihre Karriere schnell ins Rollen. So feierte Akyün als Journalistin, Moderatorin, Drehbuchautorin, Schrifstellerin und Rednerin große Erfolge. Hatice Akyün steht für eine Gesellschaft ein, in der Einwanderung nicht mehr als Problem gesehen wird sondern als Chance. So plädiert sie für kulturelle Vielfalt und eine erfolgreiche Integration, die frei von Stereotypen und Benachteiligungen ist. Akyün ist eine ausdrucksstarke Repräsentantin der Generation der türkischen Gastarbeiterkinder in Deutschland.

Für ihren gesellschaftlichen Einsatz erhielt sie Auszeichnungen wie den Berliner Integrationspreis und den Sonderpreis für Toleranz und Integration der Initiative Hauptstadt Berlin.


Emine Sevgi Özdamar (Schriftstellerin, Schauspielerin, Theaterregisseurin)

Emine Sevgi Özdamar ist eine Hochkaräterin in Theater, Literatur und Fernsehen. Im Oktober 2021 erschien ihr Roman „Ein vom Schatten begrenzter Raum“. Foto: Imago/United Archives

Emine Sevgi Özdamar wurde 1946 in Malatya geboren und wuchs in Istanbul auf. Bereits im frühen Kindesalter beschäftigte sie sich intensiv mit Literatur und Schauspielerei. Mit zwölf Jahren stand sie erstmals auf der Bühne des Staatstheaters von Bursa. 1965 reiste die damals 18-Jährige zum ersten Mal nach Deutschland, wo sie ohne Sprachkenntnisse für ein halbes Jahr in einer West-Berliner Elektrofabrik arbeitete. Zurück in Istanbul spielte sie in verschiedenen professionellen Theatergruppen, bis ihr der Militärputsch 1971 Perspektivlosigkeit bescherte.

Inspiriert durch Lieder und Texte von Brecht und Heine, die sie von ihrem ersten Deutschlandbesuch mitgebracht hatte, zog Emine Sevgi Özdamar 1976 für eine Regieassistenz an der Volksbühne nach Ost-Berlin. Mit Benno Besson und Matthias Langhoff feierte sie große internationale Erfolge. Neben ihrer Theaterkarriere übernahm Özdamar etliche Filmrollen und schreibt seit den 1980er-Jahren Erzählungen, Romane und Theaterstücke, die oftmals biografisch geprägt sind. Sie gehört zu den bekanntesten türkischstämmigen Autor:innen und wurde für ihr komplexes Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Seit 2017 ist sie wie Aras Ören Mitglied der Berliner Akademie der Künste. 2021 erschien ihr aktueller Roman „Ein vom Schatten begrenzter Raum“, der liebevoll und detailreich von einem optimistischen Nachkriegseuropa berichtet.


Killa Hakan (Rapper)

Hakan Durmuş wurde 1973 in Kreuzberg geboren. Seine Eltern waren einige Jahre vorher als türkische Gastarbeiter:innen nach Westberlin gezogen. Durmuş erlebte eine wilde Jugend im Arbeiterviertel und war kriminellen Machenschaften nicht abgeneigt. So überfiel er einen Juwelier, wurde Mitglied der berüchtigten 36-Boys und wurde letztendlich wegen einem bewaffneten Überfall zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt.

Im Gefängnis beschäftigte sich Durmuş mit dem Schreiben von Rap-Texten, die er nach seiner Entlassung bei Islamic Force präsentieren konnte. Als eine der ersten türkischsprachigen Hip-Hop-Gruppen ebneten sie den Weg für türkischstämmige Rapper wie Kool Savas und Eko Fresh. In den 2000er-Jahren startete Killa Hakan eine Solokarriere. 2003 erschien sein Album „Rapüstat“, bei dem sowohl auf Türkisch als auch auf Deutsch gerappt wird. Killa Hakan rappt bis heute in türkischer Sprache und hat mit Hip-Hop-Legenden wie Kool Savas, Sido und Samy Deluxe zusammengearbeitet.

Ohne Islamic Force wäre die Berliner Hip-Hop-Geschichte sicher anders verlaufen.


Seyran Ateş (Rechtsanwältin, Autorin, Frauenrechtlerin)

Seyran Ateş setzt sich seit vielen Jahren aufopferungsvoll gegen Unterdrückung und religiösen Extremismus ein. Foto: Imago/epd

Seyran Ateş kam im Alter von sechs Jahren als Kind von Gastarbeiter:innen nach West-Berlin. Ihre türkische Mutter und der kurdische Vater erzogen sie im Sinne des sunnitischen Islam. So wuchs Ateş in einer traditionellen Großfamilie auf und störte sich schon früh an der Ungleichheit der Geschlechter. Mit nur 17 Jahren floh Ateş aus den Zwängen ihres Umfeldes und schrieb ihre erste Autobiografie „Wo gehören wir hin“, in der sie sich bereits mit Unterdrückung und klassischen Rollenbildern auseinandersetzt.

Ab 1983 engagierte sie sich neben ihrem Studium der Rechtswissenschaften in einer Beratungsstelle für Frauen aus der Türkei. Hierbei half sie vielen Frauen, die mit der gleicher Unterdrückung und Diskriminierung zu kämpfen hatten, und wurde daher ein Jahr später Opfer eines Anschlags, bei dem ihre Mandantin getötet und Ateş lebensgefährlich verletzt wurde.

Seyran Ateş bei der Eröffnung der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, die einen progressiven und gleichberechtigten Islam repräsentiert. Foto: Imago/Jens Jeske

Nachdem sie sich von dem Attentat erholt hatte, schloss Ateş ihr Studium ab und begann, als Rechtsanwältin zu arbeiten. Sie setzte sie sich intensiv für andere Frauen, und gegen patriarchische Strukturen, sogenannte Ehrenmorde, Zwangsheirat, häusliche Gewalt und Genitalverstümmelung ein, weshalb immer wieder Morddrohungen im Briefkasten ihrer Kanzlei landeten. Eine Zeit lang zog sie sich daher vollständig aus der Öffentlichkeit zurück, schrieb in den 2000er-Jahren jedoch wegweisende Bücher.

Seit 2012 ist Ateş wieder als Anwältin aktiv, steht allerdings unter ständigem Polizeischutz. 2017 eröffnete sie die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, die einen progressiven Islam vertritt, in dem Menschen aller Geschlechter und Sexualitäten gleich behandelt werden. Außerdem initiierte sie 2017 das ECI, ein Maßnahmenpaket gegen religiösen und politischen Extremismus. Für ihr aufopferungsvolles Engagement wurde Seyran Ateş unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Marion-Dönhoff-Preis für internationale Verständigung und Versöhnung ausgezeichnet.


Shermin Langhoff (Theatermacherin, Intendantin)

Shermin Langhoff ist seit 2013 Intendantin am Maxim-Gorki-Theater und repräsentiert eine vielfältige und freie Stadtgesellschaft. Foto: Imago/Jürgen Heinrich

Die derzeitige Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters wurde 1969 in Bursa in der Türkei geboren und verbrachte ihre Kindheit bei den Großeltern in Edremit. Mit neun Jahren zog sie zu ihrer Mutter nach Deutschland, die in Nürnberg als Gastarbeiterin bei der AEG arbeitete. Nach dem Abitur, einer Verkaufsfrau-Lehre und zwei Volontariaten in der Medienbranche sammelte sie Erfahrungen als Aufnahme- und Produktionsleiterin, später als Produzentin und Regieassistentin. 1996 heiratete sie den Theaterregisseur Lukas Langhoff, dessen Nachnahmen sie trotz Scheidung weiterhin trägt.

Shermin Langhoff ist politisch sehr engagiert und nimmt regelmäßig aktiv an Demonstrationen, Diskussionen und Gesprächsrunden teil. Foto: Imago/Eventpress

Mit der Gründung des deutschtürkischen Kulturbüros Kultursprünge und ihrer Arbeit als Kuratorin im freien Theater Hebbel am Ufer in Berlin förderte Shermin Langhoff viele Talente aus der zweiten türkischen Einwanderer-Generation. Von 2008 bis 2013 prägte sie als künstlerische Leiterin des Ballhaus Naunynstraße das postmigrantische Theater, das seitdem ein viel diskutiertes und akademisch untersuchtes Konzept innerhalb der Migrationsdebatte ist. Mehr zu Theatern in Kreuzberg lest ihr hier.

Seit 2013 ist Langhoff Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, das unter ihrer Leitung mehrfach zum Theater des Jahres gewählt wurde. Das Maxim-Gorki-Theater gilt international als Repräsentant einer vielfältigen und freien Stadtgesellschaft. Shermin Langhoff hat hiermit einen riesigen Beitrag zum multikulturellen Theater geleistet.


İmran Ayata (Campaigner, Kulturaktivist, Autor)

Der türkischstämmige Autor İmran Ayata war Mitbegründer von Kanak Attak. Foto: Imago/Eventpress
Der türkischstämmige Autor İmran Ayata war Mitbegründer von Kanak Attak. Foto: Imago/Eventpress

İmran Ayata, 1969 in Ulm geboren, ist ein deutscher Campaigner, Kulturaktivist und Autor mit türkischen Wurzeln. Er war Mitbegründer der politischen Gruppierung Kanak Attak, die ab 1998 einen satirischen und künstlerischen Gegenpol zur teils rassistisch geführten Migrationsdebatte und der Kritik an der multikulturellen Gesellschaft darstellte. Kanak Attak organisierte Kultur- und Politikveranstaltungen, mit der fremdenfeindliche Stereotype und rassistische Klischees über Migrant:innen aufgebrochen werden sollten. Außerdem veröffentliche die Gruppierung Texte und Filme, die sich mit den Problemen der deutschen Einwanderungspolitik auseinandersetzen.

Unabhängig von Kanak Attak veröffentlichte İmran Ayata Artikel, Erzählbände und Romane in Deutschland und der Türkei. In seinem 2011 erschienenen Roman „Mein Name ist Revolution“ geht es um den Sohn türkisch-kurdischer Eltern, der in Berlin ein hedonistisches Leben führt und sich immer weiter von seinen Wurzeln entfernt. Auf einer kurzen Reise in die Türkei merkt er, wie fremd er sich außerhalb von Deutschland fühlt. Im gefeierten Roman wird schnell klar, wie sinnlos Schubladendenken innerhalb der Migrationsdebatte ist.

İmran Ayata bei einer Lesung seines gefeierten Romans „Mein Name ist Revolution“. Foto: Imago/Lars Reimann

2013 gab Ayata gemeinsam mit dem deutschtürkischen Regisseur, Schauspieler, Musiker und Künstler Bülent Kullukcu das Album „Songs of Gastarbeiter Vol.1″ heraus, auf dem 16 Stücke von türkischen Musiker:innen enthalten sind, die zwischen den 1960er- und 1990er-Jahren nach Deutschland kamen. Das Projekt liefert einen wunderbaren Einblick in die Vermischung musikalischer Tradition innerhalb des Gastarbeiter-Kontextes. Seit 2013 ist İmran Ayata geschäftsführender Gesellschafter bei der Kampagnen-Agentur Ballhaus West.


İpek İpekçioğlu (DJ, Musikproduzentin, Autorin, Aktivistin)

İpek İpekçioğlu gehört zu den wichtigsten DJs des Berliner Nachtlebens. Nicht nur mit ihrer Musik engagiert sie sich für Homosexuelle und Migrant:innen. Foto: Imago/Gerhard Leber

İpek İpekçioğlu, auch als DJ Ipek bekannt, gehört zu den wichtigsten Berliner DJs. Die 1972 geborene, türkischstämmige Münchnerin ist seit den frühen 90ern ein unentbehrlicher Bestandteil des Berliner Nachtlebens. So gehört sie zu den Resident-DJs bei der legendären, queeren Partyreihe Gayhane im SO36, bei der sie morgen- und abendländische Musikstile zu einem Tanzspektakel vermischt.

İpek İpekçioğlu ist offen lesbisch und setzt sich als Aktivistin und studierte Sozialpädagogin intensiv für Homosexuelle und Migrant:innen ein. Desweiteren veröffentlicht sie akademische Texte in renommierten Fachzeitschriften. Sie gehört zu den Mitbegründer:innen des Arbeitskreis Migranten unterschiedlicher sexueller Orientierung und betreibt das postmigrantische Künstlernetzwerk Kanakwood.

Hier erfahrt ihr regelmäßig alles zu Clubs in Berlin.


Birol Ünel (Schauspieler)

Der türkisch-deutsche Schauspieler wuchs in Bremen als Gastarbeiterkind auf. Die Familie gehörte der ethnischen Minderheit der Araber an. In Hannover absolvierte Birol Ünel eine schauspielerische Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater. Ab 1992 spielte er unter anderem im Kunsthaus Tacheles und an der Volksbühne in Berlin und etablierte sich parallel als Filmschauspieler.

Seine Verkörperung eines lebensmüden Alkoholikers in Fatih Akins mehrfach ausgezeichneten „Gegen die Wand“ brachte Birol Ünel den internationalen Durchbruch. Foto: Imago/United Archives

Seinen internationalen Durchbruch feierte er 2004 in Fatih Akins mehrfach ausgezeichneten „Gegen die Wand“, in dem Ünel einen lebensmüden Alkoholiker verkörperte. Für seine grandiose schauspielerische Leistung wurde er mit dem deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. In den Folgejahren spielte Ünel auch in türkischen Filmen mit. 2009 war er in Akins „Soul Kitchen“ zu sehen, in den 2010er-Jahren trat er meist nur noch als Nebendarsteller auf.

Privat hatte Birol Ünel mit schwerwiegende Alkoholproblemen zu kämpfen, die sich neben mehreren Strafanzeigen negativ auf seine Karriere auswirkten. Zuletzt war er sogar teilweise obdachlos. 2020 starb der virtuose Schauspieler im Vivantes-Klinikum in Friedrichshain an Krebs. Biröl Ünel gehört weiterhin zu den größten türkisch-deutschen Schauspieler:innen.


Remzi Kaplan (Gesellschafter, Geschäftsführer)

Die Berliner Presse bezeichnet Remzi Kaplan als „Kebab-King". Der türkischstämmige Geschäftsmann hat sich ein Döner-Imperium aufgebaut. Foto: Imago/photothek
Die Berliner Presse bezeichnet Remzi Kaplan als „Kebab-King“. Der türkischstämmige Geschäftsmann hat sich ein Döner-Imperium aufgebaut. Foto: Imago/photothek

Remzi Kaplan, geboren 1960 im türkischen Yozgat, hat sich als deutsch-türkischer Dönerproduzent ein Imperium aufgebaut. Als Gesellschafter und Geschäftsführer der Kaplan Dönerproduktion GmbH beliefert er allein in Berlin mehr als 1000 Imbissläden und ist somit der größte Dönerproduzent in der EU. Anfang der 1970er-Jahre kam der Sohn eines türkischen Gastarbeiterehepaars nach West-Berlin, wo er vorerst mehrere Läden betrieb.

Nach der Wende expandierte Kaplan nach Ost-Berlin und eröffnete wenig später gemeinsam mit seinem Bruder die erste Fleischfabrik. Inzwischen besitzt er weitere Produktionsstätten in Brandenburg, Hamburg, den Niederlanden und Polen. Seit 2007 ist Remzi Kaplan Vorsitzender der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung Berlin Brandenburg. Sein enormer Erfolg bescherte ihm in der Berliner Presse die Spitznamen „Kebab-King“ und „König des Döners.“


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