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Umbenennung der Treitschkestraße in Steglitz: So heißt sie ab Oktober

Am 1. Oktober soll die Treischkestraße im Berliner Ortsteil Steglitz umbenannt werden. Warum das ein wichtiges Zeichen gegen Antisemitismus ist und wer die neue Namensgeberin ist, erfahrt ihr hier. 

Die Treitschkestraße in Steglitz wird umbenannt. Das kleine Männchen auf dem Schild hält schon ein Schild empor: Betty-Katz-Straße. Foto: Fridolin Freudenfett/Wikimedia Commons/CC BY-SA 4.0

Die Debatte um Berlins Straßennamen hält weiter an: Zuletzt hatte im Mai die heutige Anton-Wilhelm-Amo-Straße für Schlagzeilen gesorgt, als der Eilantrag einer Gegeninitiative die Einführung des neuen Straßennamens zwischenzeitlich aufgehalten hatte.

Einen neuen Namen soll nun auch die Treitschkestraße erhalten, die bisher noch den Namen eines offenkundigen Antisemiten trägt: Heinrich von Treitschke war ein Historiker und Geschichtsprofessor, der judenfeindliche Ansichten und Parolen verbreitete. So geht die Äußerung „Juden sind unser Unglück”, die später von den Nationalsozialisten fortgeführt wurde, auf Treitschke zurück. Dessen nationalistische, antisemitische und rassistische Überzeugungen sind nicht erst seit Kurzem bekannt. Ganz im Gegenteil: Schon zu Lebzeiten stand er deshalb in der Kritik. 

Betty-Katz-Straße: Der neue Name der Treitschkestraße

Höchste Zeit für eine Umbenennung: Ab Oktober soll die Steglitzer Straße Betty-Katz-Straße heißen. Das kann als wichtiges Zeichen gegen Antisemitismus gelten. So kommentierte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, schon vor drei Jahren, es sei „inakzeptabel, dass die Bundeshauptstadt einen Wegbereiter des Judenhasses mit einer eigenen Straße ehrt” und begrüßte eine Umbenennung. Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg von den Grünen spricht von einem „richtigen Schritt, Antisemiten aus dem Stadtbild zu entfernen”. Nach jahrelangem Streit steht nun der Beschluss und auch die künftige Namensgeberin: Betty Katz arbeitete als Direktorin des Jüdischen Blindenheims in Steglitz und wurde später ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo sie nach etwa zwei Jahren starb. 

Schwaches Statement: Wie die CDU die Umbenennung ankündigte

Straßenumbenennungen haben in Berlin in der Vergangenheit zu teils chaotischen Übergangsphasen geführt. So wurde beispielsweise ein Abschnitt der ehemaligen Manteuffelstraße zur Audrey-Lorde-Straße – ohne das Wissen der Anwohner:innen. Um im Falle der Treitschkestraße ähnlichen Szenarien vorzubeugen, verschickte die CDU Steglitz an betroffene Bewohner:innen Briefe, die allerdings heftig kritisiert wurden. So titelt der Tagesspiegel im Dezember 2022, dass die „CDU in Berlin-Steglitz einen Antisemiten verharmlost” und führt aus, dass die Abgeordnete Claudia Wein in ihrem Schreiben davon absieht, Treitschkes Judenhass als solchen zu benennen und stattdessen von seiner „umstrittenen Rolle in der Geschichte“ spricht. Und das, obwohl er die antisemitische Ideologie in Deutschland maßgeblich intensivierte.

Ausreichend aufgeklärt wurden die Anwohner:innen der künftigen Betty-Katz-Straße also zunächst nicht, über die bevorstehende Umbenennung informiert sind sie immerhin. Für einen Zeitraum von sechs Monaten wird eine Doppelbeschilderung erfolgen, so dass die Straße vorerst mit beiden Namen erkennbar ist. Die offizielle Umbenennung erfolgt am Mittwoch, dem 1. Oktober 2025, um 14.30 Uhr.


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