• Stadtleben
  • Unsere Hauptstadt: Basiswissen für Neuankömmlinge

Stadtleben

Unsere Hauptstadt: Basiswissen für Neuankömmlinge

Foto: fotolia.com © #96845176 | Urheber: JFL Photography

Neu in Berlin? Und keine Ahnung, wo was ist, was was zu kosten hat und was die kleinen Eigenheiten der Ureinwohner sind? Kein Problem, auf den folgenden Zeilen finden Sie die wichtigsten Must-knows für frisch eingetroffene Hauptstadt-Neubewohner.

 

1. Anmelden

 Spätestens wenn die neue Wohnung nicht mehr nach einem Fachgeschäft für Umzugskartons aussieht, sollte man es offiziell machen, dass man nun Berliner ist. Allerdings sollte man sich dabei nicht zu viel Zeit lassen, 14 Tage nach dem Einzug muss es erledigt sein. Und dann muss man sich auf eines der über 40 Berliner Bürgerämter begeben und folgendes dabei haben:

  • Ausweis
  • Anmeldeformular
  • Personenstandsurkunde (wenn man noch nie in Berlin registriert war)
  • Einzugsbestätigung des Vermieters

Wer keine Zeit hat, kann sich auch in Vertretung anmelden lassen – braucht dann aber eine Vollmacht.

 

2. Parken

Ja, das leidige Thema, denn ganz ohne Auto geht es für viele Neu- und Altberliner eben nicht. Allerdings ist das kein billiges Vergnügen. Die Parkzettelpreise rangieren im ganzen Stadtgebiet derzeit irgendwo zwischen einem und vier Euro pro Stunde, können in bestimmten Hotspots aber auch darüberliegen. Und Knöllchen gibt es rasend schnell – kostenlose Parkplätze leider kaum.

Foto: fotolia.com © #107384511 | Urheber: lumen-digital

Wer dauerhaft einen Stellplatz benötigt, sollte sich deshalb mit den Betreibern von Parkhäusern oder privaten Mietgaragen in Verbindung setzen. Für die Preise ist hier nicht nur die Lage entscheidend, sondern auch, was man dafür haben will. Ein einfacher, nicht überdachter Stellplatz irgendwo in Spandau geht schon für rund 20,00 Euro monatlich los. Für einen Tiefgaragenstellplatz in Mitte oder Kreuzberg muss man indes jenseits der 100,00 Euro einplanen, wobei besonders gefragte Lagen auch 200,00 und mehr Euro aufrufen.

 

 3. Regeln mit Hund

Foto: fotolia.com © #157430989 | Urheber: chalabala

Auf die menschlichen Einwohner umgerechnet ist Berlin eine Hundestadt, denn es gibt hier mehr als 100000 gemeldete und laut Dunkelziffer 150000 ungemeldete Hunde. Wer neu in der Stadt ist, sollte natürlich gesetzestreu sein und das Tier bei seinem zuständigen Wohnsitzfinanzamt anmelden. Ein Hund kostet jährlich 120,00 Euro, für jeden weiteren Bello werden 180,00 Euro fällig.

Und dann sollte man die wichtigsten Hundehalter-Bestimmungen Berlins beachten:

  • Am Halsband müssen die Steuermarke und Name + Anschrift des Hundehalters angebracht sein.
  • Hunde, die nach dem 1. Januar 2005 angeschafft wurden, müssen gechipt sein.
  • Hundebesitzer müssen eine Haftpflicht besitzen
  • Leinenpflicht in öffentlichen Gebäuden, auf gekennzeichneten Freiflächen und allen Straßen bzw. Fußgängerzonen
  • Mitnahmeverbot auf Spielplätzen, Badestellen, Friedhöfen sowie gekennzeichneten Liegewiesen

Übrigens: Wer die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners nicht entfernt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit 35,00 Euro Strafe rechnen.

 

  4. ÖPNV

Berlin vereint eine vergleichsweise große Fläche mit einem traditionell ziemlich gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr. Das bringt Neubewohner in die Lage, sich gänzlich unabhängig vom Auto machen zu können. Allerdings muss man dafür Berlins mobilen Zuständigkeits-Dschungel etwas entwirren:

  • Die U-Bahn ist mit ihren zehn Linien vor allem in den innerstädtischen Bezirken zuständig
  • Die S-Bahn verbindet zudem die Außenbezirke mit der Innenstadt sowie via Ringbahn untereinander
  • Stadtbusse und Trams sind besonders gut für kurze Wege geeignet. Merke: Tagbuslinien 100 bis 399 und Nachtbuslinien N10 bis N97 fahren auch in die Außenbezirke, Metrobusse M11 bis M85 fahren im Zehnminutentakt durch die Innenstadt (im Osten übernimmt das die Metrotram), Expressbusse (mit X markiert) stoppen nur an wichtigen Haltestellen.
Foto: fotolia.com © #31877145 | Urheber: davis

Des Weiteren kann man sich im Notfall immer noch auf Berlins Taxis verlassen. Dabei gelten für Kurzstrecken bis 2km beim Heranwinken 5,00 Euro-Preise. Rechnet man dann noch Car- Bike- und Scooter-Sharing-Anbieter hinzu, gibt es eigentlich keinen Punkt, den man in Berlin nicht auch ohne eigenen fahrbaren Untersatz erreichen könnte.

 

5. Ärzte und Co.

Auch als Neuankömmling ist man nicht davor gefeit, dass man irgendwann beim Arzt vorstellig werden muss. Problematisch wird das, weil es hier eben weit über 30000 Ärzte aller Fachrichtungen gibt. Doch keine Panik, Berlin weiß, dass diese Zahl verwirrend sein kann und hat eine Datenbank angelegt, in der man die Mediziner nach Bezirk, Name oder Fachrichtung suchen kann.

 

 6. Berlinerisch

Dialekte sind in sämtlichen Gegenden Deutschlands eine gute Möglichkeit, das Zugehörigkeitsgefühl zu pushen – als Neuberliner sollte man es jedoch tunlichst vermeiden, sich durch eine krampfhaft erlernte berlinerische „Kodderschnauze“ anbiedern zu wollen. Denn erstens werden in diesem Dialekt nicht nur Wörter anders ausgesprochen, sondern er ist auch mit Eigenbegriffen nur so gespickt – wer die nicht verwendet, zeigt gleich, dass er nur so tut. Und zweitens ist Berlin heute so heterogen, dass der städtische Slang kein Muss mehr ist. Wer richtig einsteigen will, kann damit beginnen, die zehn wichtigsten Begriffe in seinen täglichen Sprachgebrauch einzuflechten und darauf dann aufzubauen.

Bei den meisten Neu-Berlinern sitzt nach rund einem Jahr alles so gut, dass nur noch „Ureinwohner“ den Unterschied heraushören. Und: Berlin ist eine der ganz wenigen Regionen Deutschlands, in denen ein starker Dialekt nicht als rückständiger Nachteil ausgelegt wird.

Foto:fotolia.com © #118806747 | Urheber: JFL Photography

7. Contra geben ist Pflicht

Für höfliche Umgangsformen ist Berlin nicht unbedingt berühmt. Im Gegenteil, meckern ist das Berliner Hobby. Wer im Restaurant ein Glas zu seinem Bier verlangt, darf noch froh sein, wenn die Bedienung dies nur mit einem „Dit is hia aba net üblich“ kommentiert und nicht mit einem „un wat als Nächstes? Jold inna Molle?“. Doch: „Dit is Berlin“ und die falscheste Reaktion wäre es, in einer solchen Situation Zurückhaltung zu üben.

Zurückmotzen ist daher Pflicht. Etwa, um in der Situation zu bleiben: „Ohne Glas kannste die Molle direkt behalten, geh ich eben woanders hin“. Mit derartigen „Rumpeleien“ gewinnt man zwar keine Höflichkeitspreise, passt seine Art aber sehr schnell an die ziemlich eigenen Berliner Gegebenheiten an. Berlin hat noch jeden angepasst, nicht umgekehrt.

 8. Kultur

Neuankömmlinge werden sich an den ersten Feierabenden noch wundern. Denn obwohl die Verkehrsbetriebe es hartnäckig bekämpfen und es eigentlich verboten ist, gehören Fußpils, Faustmolle, und Wegbier zur Kultur vieler Berliner. Feierabend und eine Flasche Bier sind dort untrennbar verbunden – und ein Schluck in S- oder U-Bahn ist dort (meist) kein Ausdruck von Alkoholproblemen, sondern eine Art Mini-Party, mit der man feiert, dass man wieder einmal einen Arbeitstag geschafft hat.

Foto: fotolia.com © #158404161 | Urheber: YakobchukOlena

Übrigens ist dieses Bier auch ein Stände-übergreifendes Phänomen: Der ergraute Bankier im Anzug ist mit der Pils-Flasche ebenso normal wie der junge Kreativ-Hipster. Mitmachen muss man zwar nicht, aber wenn eine Flasche gut hörbar neben einem ploppt, ist ein „Prost“ zumindest guter Ton.

Mehr über Cookies erfahren