Stadtleben

Vattenfall

Am vergangenen Wochenende gingen zig Tausende auf die Straße, um zwischen den Pannen-AKWs Brunsbüttel und Krümmel eine Menschenkette zu bilden – ein rekordverdächtiges Signal gegen eine gestrige, hoch riskante Technologie, die das größte Umwelt- und Sicherheitsproblem des Landes darstellt. Denn während im Namen der inneren Sicherheit und der Terrorabwehr immer mehr Bürgerrechte aufgeweicht werden, würde jeder zweite Meiler in Deutschland bei einem Flugzeug­angriff bersten und einen Super-Gau auslösen. Das ist keine Erkenntnis von Greenpeace, sondern der „Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit“, die an der TU Berlin entsprechende Versuche gemacht hat.

Die AKWs Krümmel und Brunsbüttel gehören teilweise zu Vattenfall, dem schwedischen Energieversorger Berlins. Dass ein Angriff auf diese AKW- Dinos dazu führen würde, dass Hamburg evakuiert werden müsste und nicht Berlin, erklärt vielleicht, warum sich Vattenfall in der Hauptstadt dreist als menschenfreundliches Unternehmen aufspielen darf, ohne dass jemand interveniert. Denn während in Krümmel, Hamburg und Brunsbüttel Massen von Menschen gegen Vattenfall und die anderen Mitglieder des Strom-Oligopols auf die Straße gingen, liefen in Berlin ein Wochenende zuvor über tausend junge Menschen im Namen von Vattenfall durch den Grunewald. Beim Vattenfall Schulcrosslauf nämlich, einer PR-Veranstaltung, für die regelmäßig Berliner Schüler eingespannt werden, denen vielleicht gar nicht bewusst ist, für welchen Konzern sie sich da ins Zeug legen. Zumindest den Lehrern aber müsste es bewusst sein, und es spricht nicht gerade für das Schulpersonal, dass eine Veranstaltung, die exemplarisch für die Auswirkungen der Aufweichung des Schulwerbeverbots steht, einfach hingenommen wird. Zu gewinnen gab es übrigens u.a. ein paar Sportbeutel, im Jahr davor waren es einige Hertha-Karten. Man sieht, den Schülern wird das Werben für den AKW-Konzern nicht sonderlich entlohnt.

Man wüsste ja gern mal, was Vattenfall für diese dreiste Aktion und den nicht minder fragwürdigen Vattenfall-Schüler-Basketball-Cup in die Stadtkasse zahlt – das wäre mal eine Frage an die in dieser Hinsicht schnarchende Lokalpresse. Man ahnt es leider schon: Mit großer Wahrscheinlichkeit ist die Rechnung ähnlich wie bei den pannenanfälligen deutschen AKWs: möglichst wenig investieren, dafür viel verdienen.

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