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Verkehrsverbund- Chef Hans-Werner Franz im Interview

Franz_Hans-Wernertip: Herr Franz, Sie fordern ein gesetzliches Alkoholverbot in Bussen und Bahnen. Aber ist denn das ständige S-Bahn-Chaos nüchtern überhaupt noch zu ertragen? Ein Korn reicht da ja gar nicht.
Hans-Werner Franz: Kann ich nachvollziehen, auch bei einem Doppelkorn. Aber wir wollen, dass die Leute sich im ÖPNV wohlfühlen. Viele werden gestört, wenn Alkohol getrunken wird. Mit allen Folgen. Da fällt die Bierflasche um, dann stinkt der Wagen den ganzen Tag lang. Das ist ja keine Seltenheit.

tip: Die Beförderungsbedingungen der 40 Verkehrsunternehmen im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg verbieten doch schon die Mitfahrt unter Alkoholeinfluss.
Franz: Ja, aber nur im Wege des Hausrechts. Bei einem System, das täglich 3,5 Millionen Menschen befördert, wird es schlicht nicht durchgesetzt, weil uns dafür einfach die Mitarbeiter fehlen.

tip: Wer soll das Alkoholverbot denn sonst überwachen?
Franz: Wenn zum Beispiel eine U- oder Straßenbahn per SMS zum Partywagen mit Bierkästen erklärt wird, müsste beim gesetzlichen Verbot die Polizei einschreiten. Weil das Problem in allen Ballungsräumen besteht, ist es richtig, ein Bundesgesetz zu machen. Die Hälfte aller Straftaten im ÖPNV sind mit Alkohol in Verbindung zu bringen.

tip: Viele Prügler steigen aber schon besoffen ein.
Franz: Natürlich können Leute, die gefeiert haben, den ÖPNV nutzen. Dafür sind wir ja da. Nur müssen sie das nicht in den Fahrzeugen fortsetzen. Wir haben in Berlin 30.000 Gaststätten und Partyräume, denen muss der ÖPNV nicht noch Konkurrenz machen.

tip: Ich fliege also mit meinem ersten Wegebier aus der Bahn, währen der sturzbesoffene Komakamerad neben mir weiterfahren darf?
Franz: Bei einem generellen Alkoholverbot werden Sie wahrscheinlich gar nicht erst mit dem Bier in der Hand einsteigen. Aber wenn Sie vorher vier Bier getrunken haben und hoffentlich vorher nochmal auf der Toilette waren, damit Sie nicht in die Fahrzeuge pinkeln, dann werden Sie auch mitgenommen.

tip: Wie hoch soll die Strafe für Trinker sein?
Franz: Das überlasse ich dem Gesetzgeber. In Hamburg und München, wo das Verbot bereits gilt, sind es 40 Euro.

Interview: Erik Heier

Foto: David von Becker

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