Stadtleben

Vom Geschäft mit dem Rausch

c_tip_drogenIch habe schon immer schnell Leute kennengelernt in den Clubs, ich falle einfach auf, wie ich mich bewege. Da quatschen mich eben oft Leute an, ob ich was habe. Ich kiffe, seit ich 13 bin. Mit 17 begann ich, Gras zu verkaufen, bin da durch Freunde reingerutscht. Habe einfach Kunden auf der Straße angesprochen. Irgendwann bediente ich nur noch Freunde und Bekannte. Das sind einfach Beziehungen. Ich bin der, der dafür sorgt, dass jeder von allem was hat.

Vor fünf Jahren habe ich dann mit Partydrogen angefangen in Clubs. Speed, MDMA, Ecstasy. Mit Ketamin oder ähnlichem Scheiß will ich nichts zu tun haben. Das kann ich nicht verantworten. Denn alles, was jemandem anderem schadet, schadet mir selbst. Am Anfang habe ich einem Dealer die Kunden gebracht. Dann dachte ich mir: Verkaufen kann ich auch selbst. Habe vor einem Club irgendwelchen Touristen an der Warschauer Kochsalz als MDMA verkauft, die Typen habe ich nie wiedergesehen. So bekam ich mein Startkapital, habe dafür Drogen gekauft und weitervertickt. Es gibt ja so viele Drogentouristen in Berlin, alle zwischen 20 und Anfang 30, das ist echt unnormal. Die nehmen, was sie kriegen können. Ich habe in Clubs auch Starfotografen gesehen, die waren schlimmer als Junkies.

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Es gab Abende, da habe ich 1?800 Euro verdient, fast alles mit Ecstasy. In einigen Clubs bin ich sogar zum Stammdealer mutiert. Habe immer dafür gesorgt, dass mein Zeug zehn Cent das Gramm billiger war als bei den anderen. Meine Tricks? Zum Beispiel ein Tütchen mit 0,3 Gramm MDMA-Pulver. Das habe ich als ein Gramm verkauft, für 50 Euro das Gramm. So was merkt ja keiner.

Zuletzt habe ich nicht mehr in Clubs gedealt. Sondern draußen irgendwo. Man trifft sich hier, dort, überall. Mir war immer wichtig, dass mein Zeug sauber ist. Die Küchen, wo die das MDMA machen, die kenne ich teils persönlich. Die meisten Amphetamine kommen aus Berlin oder dem Umland, im Gegensatz zu Ecstasy, das meist aus Holland oder Tschechien ist.

Von der Polizei bin ich in all den Jahren nie erwischt worden. Jeder, der mich observiert, hätte gedacht, ich sei selbst einfach ein Süchtiger. Das ist die Kunst. Mittlerweile habe ich eine Drogentherapie gemacht, da habe ich mich auf mich selbst konzentriert. Für mich war das überlebenswichtig. Seit gut einem Jahr deale ich nicht mehr. Habe jetzt einen festen Job. Einen richtigen. Ich habe meine Kunden an jemand übergeben, da kriege ich immer noch Provision.

Ob Drogen gut sind? Definitiv. Aber nur, wenn der Mensch sie richtig zu nutzen weiß. Das wissen viele aber nicht. Alle, die ich kenne, sind kaputt. Mich eingeschlossen.

Aufgezeichnet von Erik Heier

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