Stadtleben

Was bringt Rot-Schwarz für Berlin?

wowereitNovember: Henkels 350.000 Augen
Wowereit stellt seinen neuen Senat vor. Innensenator Henkel kündigt eine flächendeckende Videoüberwachung gegen die Autobrände an. Für die 350.000 benötigten Nachtsicht-Digicams setzt Henkel auf eine Public Private Partnership mit dem Media Markt. Der Elektronik-Riese installiert die Kameras unter dem Motto: „Henkel ist doch nicht blind!“. Im Gegenzug erhält Media Markt das alte Ferminal des Flughafens Tempelhof. Dort wird Ende 2012 eine „obergeile, hammermäßige Megabude“ eröffnen, so Henkel in einer ersten Verlautbarung. Die anderen drei CDU-Männer im Senat sind auch bestens informierten Rathausreportern völlig unbekannt.

Dezember: Chefsache
Die Piraten nerven Wowereit mit ihrem Getwitter, Gechatte und Gemaile. Wowereit verbietet Handys, Smartphones und Computer im Abgeordnetenhaus. Ab jetzt darf nur noch der Regierende selbst Twittern. Die Piraten verfallen in eine tiefe Depression.

Weihnachten: Die frohe Botschaft
Wowereit meldet sich bei Twitter als „wowimeister“ an und schenkt der Stadt Berlin sein erstes Tweet.

@wowimeister
„Berlinerinnen u. Berliner, ich verstehe Euch weiterhin. Uns allen ein friedliches Fest und eine gesegnete A100. Euer geliebter Bürgermeister“ (Follower: 73.566)

Silvester: Polenböller
Henkel und die drei unbekannten CDU-Senatoren ziehen verkleidet als Autonome durch Kreuzberg. Sie wollen die Anti-Auto-Linksterroristen auf frischer Tat stellen. Bei dem Versuch, illegale Polenböller zu kaufen, werden sie von Zivilpolizisten, die als Autonome verkleidet sind, vorläufig hopsgenommen.

2012

Februar: Heimatfilm
An einem einsamen Forstweg im Grunewald installiert Media Markt die 100.000. Überwachungskamera. Der Teppichhändler Frank Steffel darf sie einschalten. Zehlendorfer schwenken begeistert Jubelfahnen mit Konterfeis von Wowereit und Henkel. Der rbb schaufelt sein Programm für eine fünfstündige Liveübertragung frei.

@wowimeister
„Eröffnet heute die Berlinale. Spaßbremse Henkel geht wg Autobrände lieber auf Nachtstreife. Also bei mir sieht Nachtstreife anders aus, höhö“ (Follower: 482.913)

Juni: Landowskys Rückkehr
Auf dem Tempelhofer Feld soll eine riesige Kunsthalle entstehen. Vier Gebäudekomplexe will der Regierende haben, alle 100 Meter hoch. Aus der Vogelperspektive sollen die Gebäude wie Buchstaben aussehen: zwei Ws, ein O und ein I. Die Bundesmittel dafür hat Henkel klargemacht: Ramsauer widmet die Hälfte der A100-Mittel um. Die restlichen 500 Millionen soll Landowsky auftreiben. Landowsky hat große Erfahrung mit Geldbesorgen. Die Stadt legt dafür den geschlossenen Lando-Fonds auf.

Frank_HenkelAugust: Feuermelder
Eine Rathausreporterin der „Berliner Zeitung“ hat herausgefunden, wie einer der drei unbekannten CDU-Senatoren heißt. Unsicher ist allerdings, welches Ressort er bekleidet. Henkel schweigt nicht nur in dieser Angelegenheit. Auch zu den rasant steigenden Autobränden sagt er nichts. Aber er ist überzeugt, dass die A100-Gegner dahinter stecken. Sein Verdacht: Sie wollen eine autofreie Stadt herbeizündeln, damit der Autobahnausbau überflüssig wird. Nie hätte Henkel gedacht, dass diese Irren so weit gehen würden. Dieser Wahnsinn muss ein Ende haben! „Der Horror, der Horror“, flüstert er immer wieder.

September: Nestbautrieb
Die Bauarbeiten für die Kunsthalle auf dem Tempelhofer Feld beginnen. Nebenan im ehemaligen Terminal ist der größte Media Markt des Universums fast fertig. Steffel hat den Auftrag für den Etagenbodenbelag bekommen. Auch der Teufelsberg wird umgebaut. Dort soll Wowereits Alterssitz und Mausoleum entstehen. Das Wowi-Nest, so der Kosename für das Großprojekt, wird eine Bannmeile von zwei Kilometern bekommen. Besuchszeiten für Berliner und Touristen: 22-24 Uhr

@wowimeister
„Ich schenke euch heute Arbeitsplätze und den Touristen eine neue Sehenswürdigkeit. Euer geliebter Bürgermeister und Kaiser“ (Follower: 1.740.562)

Dezember: Task Force Native Berliner
Wowereit präsentiert einen Plan zur Arbeitsbeschaffung. Viele Touristen beschweren sich in letzter Zeit, dass in Berlin nur noch Touristen herumlaufen. Wowereits Plan: Wenn Touristen zur kritischen Masse werden, schickt die neu gebildete Task Force Native Berliner (TFNB) eine Ladung Einheimische ins Krisengebiet. Mit Kaisers-Tüten, Hunden und anderen Accessoires sollen diese Einwohner-Darsteller das Berlin-Flair wieder herstellen. Die TFNB rechnet mit etwa 100.000 Stellen.

2013

März: Operation Unkraut
Im Gatower Forst wird die 300.000. MediaMarkt-Kamera angebracht. Henkel ist nicht dabei. Er überwacht persönlich die Massenverhaftung von Neuköllner Kleingärtnern. Hier vermutet der Innensenator den harten Kern A100-Gegner und ergo Autobrandstifter.

@wowimeister
„Ach, die A100. Lustig war das damals, die Gespräche mit dem trotzigen Ratze, hat mir Spaß gemacht. Henkel ist doch nur ne servile Trantüte“ (Follower: 6.299.728)

Mai: Klaus-Werke
Zur Eröffnung der gigantischen Kunsthalle KW (Klaus-Werke) auf dem Tempelhofer Feld verkündet Wowereit, dass der Weiterbau Berlins gerade erst begonnen habe. Sein Nachfolger Müller werde aus der Stadt eine einzigartige Wowopolis machen.

@wowimeister hat jetzt 14.830.476 Follower

„Es ist mein Schicksal, über menschliches Maß hinauszuwachsen. Ziehe ins Kanzleramt und bleibe bei Euch, Euer Bürgermeister, Kaiser und Gott“ (Follower: 14.830.476)

September: Eine Träne für Berlin

Zum Abschied weint Wowereit eine Träne in eine kleines gläsernes Gefäß. Die versiegelte Tränenvase bekommt in den Klaus-Werken einen Extraplatz auf einer 500 Quadratmeter großen Sonderausstellungsfläche. Henkel kann nicht dabei sein. Er läuft jetzt Tag und Nacht Streife. Zuletzt wurde er im April gesehen. Der Horror, der Horror.

Text: Volker Gunske

Foto Henkel: Oliver Wolters

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