Stadtleben

Weddinger Afrikawochen 2008

Weddinger_Afrikawochen_2008Als Berliner Politiker um 1900 begannen, Weddinger Straßen zwischen dem Volkspark Rehberge und der Müllerstraße nach afrikanischen Ländern wie Kamerun oder Togo zu benennen, war die Anwesenheit von Afrikanern in diesem, aber auch in den anderen Berliner Bezirken noch eine äußerst seltene Randerscheinung. Tatsächlich zollte man mit der Straßenbenennung im so genannten afrikanischen Viertel auch nicht etwa befreundeten afrikanischen Staaten seinen Respekt. Erinnern wollte man vielmehr an die Eroberung von Kolonien, die den Deutschen auf dem afrikanischen Kontinent einen „Platz an der Sonne“ garantieren sollten. Weitere Straßennamen wie die Petersallee, die Lüderitzstraße oder der Nachtigalplatz in diesem Gebiet feierten zudem deutsche Offiziere oder Kaufmänner, die die Eroberung der Kolonien auf menschenverachtende Weise vorangetrieben hatten.

Mohamed_Foto_von_Mirko_Zander„In Berlin sind rund 18.000 Afrikaner statistisch erfasst, nicht gezählt sind die Berlinerinnen und Berliner, die die deutsche Staatsbürgerschaft haben und aus Ländern Afrikas stammen“, schreibt Ende 2007 Dr. Christian Hanke, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte – und damit auch zuständig für den Wedding –, als Vorwort für das erstmals herausgegebene Magazin „Afrika im Wedding“. Und ergänzt stolz: „Ein großer, wenn nicht mittlerweile der größte Anteil dieser Menschen wohnen und leben im Wedding und Tiergarten.“
Ursula Trüper, Historikerin, Journalistin, Buchautorin („Die Hottentottin“) und Mitinitiatorin von „Afrika im Wedding“, kann eine gewisse Genugtuung nicht verbergen, wenn sie sich verge­gen­wärtigt, wie die Weddinger Realität des 21. Jahrhunderts, die einstigen Großmachtsfantasien aus dem Kaiserreich inzwischen konterkariert hat. „Im afrikanischen Viertel wohnen inzwischen ja wirklich viele Afrikaner“, weiß die im Bezirk lebende Frau.

Schaut man sich rund um den Leopoldplatz, der Kongo- oder Ugandastraße und vor allem im Sprengelkiez um, dann sind sie zwischen türkischen Döner-Kebab- und arabischen Falafel-Buden kaum zu übersehen: Afro-Shops mit ihrem Angebot an Kochbananen, Yamswurzeln sowie den Kosmetikprodukten für schwarze Haut und krause Haare. Außerdem Kneipen und Kulturhäuser, wie das Maluma Dreams oder das Mano River Haus, in denen sich Afrikaner und ihre deutschen Freunde teils zu Konzerten, Lesungen oder einfach nur auf ein kühles Bier treffen.
Weniger sichtbar sind die zahlreichen afrikanischen Initiativen, die im Wedding ihr Zuhause haben. Sei es der Deutsch-Togolesische Freundeskreis e.V., ein Verein, der sich für den Aufbau einer Klinik im Norden Togos engagiert. Oder die afro-deutsche Zeitschrift „Lo’Nam“ (zu deutsch: Sonnenaufgang), die seit fast vier Jahren mit einer Auflage von inzwischen 10.000 Exemplaren über bundesweite gesellschaftliche und kulturelle Geschehnisse mit Bezug zu Afrika berichtet.

Bendaa_Foto_von_Mirko_Zander.Verglichen mit bestimmten Bezirken in Paris oder London, die noch viel deutlicher von afrikanischer Präsenz geprägt sind, hinkt der Wedding zwar noch hinterher. Doch lose Initiativen wie der aus dem Wedding heraus agierende junge Afrikanisch-Deutsche Klub sind nun angetreten, um die vielfältigen afrikanischen Aktivitäten in diesem Bezirk sichtbarer zu machen. Als erstes Resultat legte man so im Dezember 2007 das aufwendig gestaltete und betex­tete Magazin „Afrika im Wedding“ vor, in dem einzelne afrikanische Persönlichkeiten und Initiativen, aber auch der historische Afrika-Bezug dieses Stadtteils vorgestellt werden. Der zweite Schritt sind die jetzt am 6. und 7. September mit einem Afrika-Festival beginnenden Weddinger Afrikawochen. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und Bibliotheken bietet das von dem Afrikanisch-Deutschen Klub erarbeitete und bis Ende des Jahres laufende Programm Führungen durchs Afrikanische Viertel, Lesungen, Kunst­ausstellungen, Vorträge oder Konzerte an.

Dass man auf die Veranstaltungsreihe dabei mit einem historischen Foto von der „Taufe“ der Ghanastraße aufmerksam macht, ist nicht etwa ein peinliches Versehen, sondern weist auf die jetz­ige Blickrichtung hin: Die Straße erhielt ihren Namen 1958 anlässlich des Besuches von Ghanas Präsident Kwame Nkrumah. Unter ihm erlangte die einstige Gold­küste 1957 die Unabhängigkeit. Und er sorgte auch für die Um­benennung der kolonialen Gold­küs­te in das selbstbewusste Ghana.

Text: Eva Apraku

Afrika_Wochen_GhanastrasseTERMINE

Afrikafest Sa 6.9., 13.30 Uhr und So 7.9., ab 13.30 Uhr
im Rathaus Neubau

Party mit afrikanischem Buffet und Livemusik:
Glaskasten So 7.9., ab 22 Uhr

Weitere Infos zum Programm der Weddinger Afrikawochen vor Ort auf dem Afrikafest oder über Ursula Trüper, [email protected]

Auch das diesjährige Literatur­festival Berlin vom Mi 24.9. bis zum So 5.10. präsentiert mit seinem Fokus Afrika zahlreiche afrikanische Autoren.
Infos unter: www.literaturfestival.com

Das Haus der Kulturen der Welt
in Tiergarten zeigt während es Filmfestivals African Screen – Neues Kino aus Afrika
vom Do 9.10. bis zum So 9.11. neue Filme, aber auch Kino-Klassiker aus Afrika.
Infos unter www.hkw.de

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