Stadtleben

Werbung

„So in, dass es schon wieder out ist, dass es schon wieder in ist“ – heißt es auf einem Megaplakat, das am Anfang der Torstraße vor ein Gerüst gespannt ist. Unten auf dem Plakat steht: „Bionade“. Entweder bin ich so doof, dass ich schon wieder schlau bin, dass ich schon wieder doof bin, oder die Werber sind so dämlich, dass sie schon wieder genial, dass sie schon wieder megadämlich sind – aber was soll das denn bitte sagen? Dass Bionade out war und jetzt wieder in und bald wieder out? Dass man als trendbewusster Öko also besser die Finger davon lässt, um sich nicht lächerlich zu machen? Ich jedenfalls habe von diesem Zyklus im Falle Bionade gar nichts gemerkt, obwohl ich versuche, peinliche Produkte zu meiden. (Ich persönlich finde zum Beispiel, dass Lu­cky Strike out ist und die Werbung dafür noch outer.)

Schon lange trinke ich Bionade, weil sie nicht so süß und nicht so ungesund wie Cola oder Fanta ist. Nun aber habe ich durch dieses Plakat erfahren müssen, dass ich der Zeit zwischenzeitlich hinterherhinkte. Bei dem Gedanken ist mir nicht wohl. Weswegen ich Bionade jetzt gar nicht mehr trinke – mir ist die Gefahr zu groß, als uncool zu gelten. Das ist in Berlin-Mitte tödlich.

Wenn ich Geschäftsführer bei Bionade wäre, würde ich den Werbern kündigen, die sich diesen Spruch ausgedacht haben. Diesen Schuss ins Knie. Ich würde sie fragen, ob es nicht einfacher geht. Ob sie sich nicht ein Beispiel an guter Berliner Werbung nehmen wollen. Zum Beispiel an den schönen Sprüchen, die früher in der U-Bahn hingen: „Der Opa schimpft mit Omama: Warum ist den kein Paech-Brot da?“. Oder: „Der Orje sagt zum Kulle, haste nicht ne Paechbrot-Stulle?“ Oder die Weisheit, mit der für die gute alte Litfaßsäule geworben wird: „Ist der Berliner richtig helle, klebt sein Plakat an dieser Stelle.“
Wenn ich aber Werber wäre, würde ich dem Bionade-Geschäftsführer sagen, dass kryptische Werbung total im Trend und Berlin im Übrigen voll damit ist. Ich würde ihm die Converse-Werbung zeigen, auf der sich immer zwei Personen einen Schuh teilen und sich auf diese Art um Bauzäune winden. Ich würde ihm noch mal die neuen be.berlin-Kampagne zitieren: „sei denker, sei quer, sei berlin“ – und ihn fragen, wie crazy das denn bitte schön ist.

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